LEITARTIKEL

Wir haben da ein paar Fragen, Herr Früh

Der FC St.Gallen hat Chaostage hinter sich. Hauptaktionär Dölf Früh ist bislang Antworten auf viele offene Fragen schuldig geblieben - Obwohl er den Club einst als Institution bezeichnet hatte, die der ganzen Ostschweiz gehöre, schreibt Chefredaktor Stefan Schmid.
09.09.2017 | 07:25
Was für eine turbulente Zeit beim FC St.Gallen: Abgänge von Spitzenpersonal fast im Wochentakt. Ob einvernehmlich, freiwillig oder erzwungen. Man orakelt viel, gesichert ist wenig. Was wirklich Sache ist, wissen nur die Beteiligten selbst. Der augenfällige Grund für den Massenexodus: ein erbitterter Machtkampf. Da war die Gruppe um Verwaltungsrat Michael Hüppi, den ehemaligen Sportchef Christian Stübi und Pascal Kesseli, den CEO der FC St.Gallen Event AG. Diese Gruppe ist in den letzten Wochen quasi implodiert. Und dort sind die Männer, die von Grossaktionär Dölf Früh gestützt werden. Der vor seinem Amtsantritt unbekannte Präsident Stefan Hernandez, der umstrittene Nachwuchschef Marco Otero oder auch Ferruccio Vanin, der CEO der FC St.Gallen AG. Als graue Eminenz im Hintergrund wirkt beratend Donato Blasucci, ein guter Kumpel Oteros und Dölf Frühs. Und jetzt, fragt sich wohl männiglich, was ist daran so schlimm? Nichts, solange die Truppe sportlichen Erfolg hat und sie den FC St.Gallen finanziell nicht an die Wand fährt. Das Fussballbusiness ist kein Kindergeburtstag. Wo viel Geld, Prestige und Testosteron im Spiel ist, wird mit harten Bandagen gekämpft.

Dennoch aber sind wir gut beraten, weiterhin genau hinzuschauen, was in den Katakomben des Kybunparks passiert. Mit Michael Hüppi hat nicht irgendein subalterner Funktionär den Club verlassen. Hüppi ist eine weit über die Stadt hinaus bekannte, verdienstvolle Figur. Gerade für viele Stadtsanktgaller war Hüppi Gewährsmann für eine gedeihliche und vernünftige Entwicklung des Vereins. Dass sich ausgerechnet einer wie Hüppi dazu entschliesst, den Bettel hinzuschmeissen und im Furor öffentlich abzurechnen, das muss selbst gutgläubige Zeitgenossen hellhörig machen. Da kann etwas nicht mehr stimmen.

Präsident Hernandez sagt, der Club brauche wieder Ruhe. Recht hat er. Allein: Ist Hernandez angesichts der Machtkonstellation überhaupt in der Lage, diese Situation zu entschärfen? Das ist eine der zahlreichen Fragen, die wir Dölf Früh in den letzten Tagen und Wochen gerne gestellt hätten. Doch Früh ist auf Tauchstation. Es bleibt uns daher nichts anderes übrig, als den Fragenkatalog vorläufig ohne Antworten zu publizieren. 
  • Sehr geehrter Herr Früh, wie würden Sie Ihr Verhältnis zu Marco Otero und Donato Blasucci beschreiben? 
  • Nehmen Sie Otero, wie von Hüppi behauptet, als Unruheherd wahr? 
  • Stimmt es, dass Stefan Hernandez die vom Verwaltungsrat aufgestellten Kriterien für einen neuen Präsidenten gar nicht erfüllte? 
  • Ist es richtig, dass der neue Präsident freie Hand hat? Und warum wollten Sie Hüppi loswerden?
  • Was sagen Sie zum Vorwurf, man dulde im Verwaltungsrat keine kritischen Geister?
  • War es ein Fehler, den Sportchef auf eine Hierarchiestufe mit dem Trainer zu stellen? 
  • Ist es sinnvoll, dass ein kleiner Club wie St.Gallen mit der Event AG, der FC St.Gallen AG und Future Champs Ostschweiz drei Businesseinheiten aufgestellt hat, die allesamt von Leuten geführt werden, die sehr gut verdienen sollen? 
  • Warum haben Sie Ihren Aktienanteil nicht, wie in Aussicht gestellt, reduziert?  
Der FC St.Gallen ist ein Kulturgut und ein Imageträger der Ostschweiz. Die grosse, treue Fangemeinde, die Öffentlichkeit insgesamt hat ein Anrecht darauf, die Wahrheit zu kennen – insbesondere auch, weil der FC auf unterschiedliche Art wiederholt vom Steuerzahler profitiert hat. Sie, Herr Früh, als einstiger Retter ein Mann mit unbestreitbar hohen Verdiensten, müssten in diesen turbulenten Zeiten hinstehen und erklären. «Ich verwalte hier nur eine Institution, die der Ostschweiz gehört», sagten Sie selbst einmal in einem Fussballmagazin. Wir nehmen Sie gerne beim Wort.

Stefan Schmid
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