FC ST.GALLEN

"Es sollte nicht um Egos gehen"

Die Zeiten beim FC St.Gallen sind nach mehreren Abgängen in der Chefetage turbulent. Mehrheitsaktionär Dölf Früh, der bis im Mai auch Verwaltungsratspräsident war, über seine angebliche Rolle im Hintergrund, Spielerberater und sein Aktienpaket, das er abgeben will.
12.09.2017 | 06:01
Interview: Stefan Schmid
Dölf Früh, der FC St.Gallen steckt in einer turbulenten Phase. Warum haben Sie so lange geschwiegen?
Es gibt drei Gründe dafür. Erstens meine ernsthaften gesundheitlichen Probleme. Zweitens, dass ich nicht mehr in die Geschäfte des FC St.Gallen involviert bin. Ich habe seit meinem Rückzug keinerlei Entscheidungen mehr getroffen und habe mich nie eingemischt. Drittens wollte und will ich mich nicht an der jetzigen Schlammschlacht beteiligen, die letztlich nur dem Club schadet. Es sollte nicht um persönliche Egos gehen, sondern nur darum, dass der FC St.Gallen erfolgreich ist. Nun sehe ich mich aber veranlasst, die mir öffentlich gestellten Fragen zu beantworten.

Wie würden Sie Ihr Verhältnis zu Marco Otero und Donato Blasucci beschreiben?
Das Verhältnis ist zu beiden professionell. Donato Blasucci ist ein Spielervermittler, wie viele andere, die mit dem FC St.Gallen arbeiten. Zudem ist er Vater eines sehr talentierten Fussballers in unserem Nachwuchs Future Champs Ostschweiz. Ich habe ihn immer als sehr professionell erlebt und er hat nie versucht, mich oder den Club zu beeinflussen.

Nehmen Sie Otero, wie von Michael Hüppi behauptet, als Unruheherd wahr?
Marco Otero ist ein emotionaler Mensch und in seinen Ansagen sehr direkt. Das kommt nicht bei jedermann gut an und führt dazu, dass er oftmals ungerechtfertigt angegriffen wird. Er ist aber nachweisbar einer der besten technischen Leiter und leistet eine sehr gute Arbeit. Und obwohl Marco Otero Spanier ist und aus Zürich kommt, setzt er sich mit Leidenschaft und einem grossen grünweissen Herz für den FC St.Gallen ein.

Stimmt es, dass Stefan Hernandez die vom Verwaltungsrat aufgestellten Kriterien für einen neuen Präsidenten gar nicht erfüllte?
Ich habe über längere Zeit einen Nachfolger für mein Amt gesucht und verschiedene Kandidaten geprüft. In Stefan Hernandez fand ich die geeignete Person. Stefan Hernandez hat einen unternehmerischen Hintergrund und verfügt über exzellente Erfahrungen. Auch wenn er in der Öffentlichkeit noch wenig bekannt ist, erfüllt er absolut die Kriterien und wird dies auch beweisen – wenn man ihn in Ruhe arbeiten lässt. Stefan Hernandez wurde von der Generalversammlung mit einer Enthaltung als Verwaltungsrat gewählt. Dies im Wissen, dass er sich auch als Präsident zur Verfügung stellen wird. In der Folge wurde er vom Verwaltungsrat zum Präsidenten ernannt.

Ist es richtig, dass der neue Präsident freie Hand hat? Und warum wollten Sie Hüppi loswerden?
Da sprechen Sie den Vorwurf an, dass ich noch immer im Hintergrund tätig sei. Dass ich als grösster Aktionär diesem Vorwurf ausgesetzt bin, kann ich verstehen, und ich war mir dessen auch bewusst. Deshalb habe ich mich nach meinem Abgang auch in keine Entscheidungen eingemischt. Weder bei den Geschäften des Verwaltungsrats noch der Geschäftsleitung. Zu Michael Hüppi: Stefan Hernandez hat Michael Hüppi in den letzten Monaten kennen gelernt und sich entschieden, dass er nicht mehr mit ihm zusammenarbeiten will. Es ist die Aufgabe von Stefan Hernandez, dass er Gespräche mit Aktionären führt und auslotet, wer an der Generalversammlung gewählt wird. Ich habe ihm gesagt, dass ich Michael Hüppi an der Generalversammlung nicht mehr unterstützen werde. Wie dies im Übrigen auch andere Aktionäre nicht mehr tun werden.

Was sagen Sie zum Vorwurf, man dulde im Verwaltungsrat keine kritischen Geister?
Da kann ich nur für mich sprechen. Ich war immer dankbar, wenn in den Verwaltungsräten, in denen ich aktiv war, kritische Geister mit dabei waren. Man muss kritische Positionen vertreten können und manchmal auch streiten, bevor ein Entscheid gefällt wird. Ich habe aber auch die Erwartung, dass nach einem gefällten Entscheid dieser mitgetragen werden muss. Wer das nicht kann, sitzt im falschen Gremium.

War es ein Fehler, den Sportchef auf eine Hierarchiestufe mit dem Trainer zu stellen?
Es gibt im Fussball verschiedene Wege zum Erfolg. Die sportliche Kompetenz liegt im Allgemeinen beim Chefscout, dem Transferverantwortlichen, dem Cheftrainer und dem Nachwuchsverantwortlichen. Man kann das als Team gestalten, was ich als optimal ansehe, oder man setzt zuoberst einen Verantwortlichen. Beide Varianten sind möglich. Es kommt letztlich immer auf die Personen an, wie sie das in der Praxis umsetzen. Es gibt national wie international Clubs, die ohne Sportchef erfolgreich sind. Dass Stefan Hernandez das Organigramm geändert hat, ist sein gutes Recht. Beide Wege können zum Ziel führen.

Ist es sinnvoll, dass ein kleiner Club wie St.Gallen mit der Event AG, der FC St.Gallen AG und Future Champs Ostschweiz drei Businesseinheiten aufgestellt hat, die allesamt von Leuten geführt werden, die sehr gut verdienen sollen?
Die Struktur beim FC St.Gallen ist historisch bedingt. Die FC St.Gallen Event AG ist eine Gesellschaft mit einem privaten Kreis von Aktionären, die FC St.Gallen AG eine mit rund 8800 Kleinaktionären. Diese Einheiten lassen sich nur schwer zusammenführen. Und persönlich halte ich die Trennung zwischen Sport und Kommerz für optimal. Bei Future Champs Ostschweiz handelt es sich um ein Joint Venture mit dem FC Wil und dem Ostschweizer Fussballverband. Eine gewisse Eigenständigkeit ist deshalb zwingend. Ich bin der Ansicht, dass gute Führungsleute entsprechend gut entlöhnt werden sollten. Die Löhne der Führungsleute beim FC St.Gallen entsprechen den Löhnen, wie sie bei KMU, also kleinen und mittleren Unternehmen, üblich sind.

Warum haben Sie Ihren Aktienanteil nicht, wie in Aussicht gestellt, reduziert?
Als es dem Club schlecht ging, wollten nur wenige Personen Aktien kaufen. Ich habe es getan, mich aber immer dagegen gesträubt, eine Mehrheit zu halten. Deshalb hatten wir zwanzig Prozent der Aktien in der FC St.Gallen Event AG parkiert. Aus gesetzlichen Gründen musste dieser Anteil aber reduziert werden. Wir haben im Verwaltungsrat 2017 einstimmig beschlossen, diese zwanzig Prozent den bestehenden Aktionären anzudienen. Dabei musste aber ein Agio, also ein Aufschlag, bezahlt werden, der zusätzlich in die Kasse des Klubs floss. Edgar Oehler und ich hatten Interesse. Zudem haben Stefan Hernandez und die Brauerei Schützengarten AG einen Anteil übernommen. Es ist wichtig zu wissen, dass die parkierten Aktien der FC St.Gallen Event AG per Gesetz kein Stimmrecht hatten. Deshalb habe ich meinen Anteil nicht aufgestockt, sondern habe den Status quo gehalten, das heisst, vor und nach dieser Transaktion rund 49 Prozent der Stimmrechte behalten. Immer unter der Prämisse, dass ich Aktien an Ostschweizer Persönlichkeiten abgeben werde. Das geht nicht von heute auf morgen. Der Prozess ist aber eingeleitet.

Sie haben einmal gesagt, dass Sie nur eine Institution verwalten, welche der Ostschweiz gehört. Gilt dieser Satz immer noch?
Das beweist ja gerade die Sorgfalt beim Aktienverkauf. Denn es ist entscheidend, dass der FC St.Gallen auch in Zukunft von Ostschweizer Persönlichkeiten getragen wird, die dem Club wohlgesinnt sind. Nach den jüngsten Vorwürfen und Unterstellungen werde ich das gesamte Aktienpaket abgeben. Ja, ich habe nur eine Institution verwaltet, welche der Ostschweiz gehört. Ich nehme diesen Satz sehr, sehr ernst.

Hinweis: Das Interview wurde schriftlich geführt.

Lade TED
 
Ted wird geladen, bitte warten...
 

Leserkommentare
Weitere Artikel