ANDWIL

Frieden über den Wolken

Urs Frieden ist seit 1996 Ballonpilot. Er ist aber nicht nur bei warmem Wetter unterwegs, sondern auch im Winter. Das bringt viele Vorteile mit sich: Die Fahrt ist ruhiger und die Aussicht besser.
14.02.2018 | 05:21
Sabrina Bächi

Sabrina Bächi

sabrina.baechi

@thurgauerzeitung.ch

Sonntagmorgen. Es ist klirrend kalt im Schwyzer Skigebiet Sattel-Hochstuckli. Noch ahnt keiner der Skifahrer, dass kurz vor Mittag mitten auf der Piste zehn Heissluftballone in den Himmel steigen werden. Einer der Heissluftballon-Piloten ist Urs Frieden aus Andwil. Er wird bei der heutigen Winterfahrt vier Personen als Gäste in seinem Korb haben. Die Ballon Fiesta ist ein spezieller Anlass. Denn bevor der Pilot in die Luft abheben kann, müssen Korb und Hülle in das Skigebiet gebracht werden. «Wir starten an einem Ort, der mit dem Auto nicht zu erreichen ist, das ist speziell», sagt Urs Frieden. Der 450 Kilogramm schwere Korb muss also mit der Transportgondel auf den Sattel gebracht werden, von wo aus in Richtung Sihlsee gestartet wird.

Oben angekommen werden die Gäste von Marie-Theres und Daniel Ganz aus Sattel empfangen. Daniel Ganz ist selber Ballonpilot. Seit 21 Jahren organisiert das Ehepaar die Ballon Fiesta. Beim Start um 11.30 Uhr präsentiert sich der Himmel wolkenlos und die zehn Ballone können abheben. So ein Massenstart mitten auf der Skipiste ist ein Spektakel: Hunderte Zuschauer sind angereist um die runden Riesen zu fotografieren, wenn sie schwerelos in die Höhe steigen.

Winterfahrten sind ruhiger

Ballonpilot Frieden fährt seit 1996 mit dem Ballon über die Dächer der Ostschweiz. Insgesamt 1200-mal ist er gestartet. Rund 80-mal im Jahr hebt er in die Luft ab. Etwa zwei Drittel der Fahrten sind im Sommer. Der Rest im Winter. «Ich fahre schon immer auch im Winter», sagt er. Für ihn sind die Vorteile der Winterfahrten klar: «Die Fernsicht im Winter ist 100-mal besser als im Sommer.» Bis zu 300 Kilometer weit sehe man. «Das Berninamassiv im Bündnerland zu sehen ist keine Ausnahme», sagt er. Im Sommer hingegen müsse man Glück haben, so weit zu sehen. «Das Wetter ist jedoch etwas unberechenbarer.» Die Schönwetterperioden dauern weniger lang, die Fahrten werden deshalb kurzfristiger geplant.

Hinzu kommt, dass viele seiner Gäste das Gefühl haben, im Winter sei es zu kalt für eine Ballonfahrt. Frieden ist anderer Meinung: «Das stimmt nicht. Wir fahren mit dem Wind, da spürt man die Kälte nicht so fest.» Zudem, erzählt Frieden, gibt es im Winter keine Thermik. Die Fahrt ist ruhiger, es schüttelt nicht. Nur das Landen sei etwas komplizierter. «Im Sommer kann ich auch auf einer Wiese landen, im Winter ist das schwieriger, da ist das Ziel öfter eine wenig befahrene Strasse.»

Entschleunigung in der Luft

Seit vergangenem Juni hat Urs Frieden einen neuen Ballon. Der weiss, rot und grau gefärbte Riese ist mit 4500 Kubikmeter Volumen für sechs Personen konzipiert. «In der Ostschweiz ist das ein grosser Ballon», erklärt der Profi. «Er wurde von Regierungsrätin Monika Knill getauft», sagt er. Der Name: Slowly. Passend, findet Frieden, denn beim Ballonfahren gehe es um das Entschleunigen. «Ich biete meinen Gästen eine Auszeit aus dem hektischen Alltag. Das geniesse ich persönlich auch sehr.»

www.slow-fly.ch

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