KAMPAGNEN-MITARBEITER

Ein Thurgauer sagt den Bundesratskandidaten, wo es langgeht

Marcel Schuler fühlt sich wohl im politischen Machtzentrum. Als Kampagnenmitarbeiter der FDP Schweiz ist es eine seiner Aufgaben, dafür zu sorgen, dass die Bundesratskandidaten pünktlich sind.
14.09.2017 | 07:45
Urs Brüschweiler

Urs Brüschweiler

urs.brueschweiler@thurgauerzeitung.ch

Dienstag im Bundeshaus: ­FDP-Bundesratskandidat Ignazio Cassis drängt sich durch Kamerateams und Journalisten zum Hearing bei den Grünen. Dass er dort pünktlich eintrifft, dafür ist der Ermatinger Marcel Schuler verantwortlich. Freundlich, aber bestimmt weist er dem Tessiner den Weg durch die Menge ins Fraktionszimmer. Der Job ist für den Moment erledigt, doch Atempausen gibt es für den 29-Jährigen fast keine. Schon bald geht der Marsch durchs Bundeshaus weiter, und während Cassis hinter verschlossener Tür befragt wird, belagern die Journalisten ihn mit ihren Anliegen.

Unterwegs mit Johann Schneider-Ammann

Marcel Schuler ist seit April 2016 beim Generalsekretariat der FDP Schweiz in Bern angestellt als Mitarbeiter für Kampagnen. «Die Stelle war eine super Chance für mich», sagt er. «Wenn man Politik gern hat, dann ist es sehr beeindruckend, das Ganze aus so naher Perspektive miterleben zu können.» Den «Tag der FDP» verbrachte Schuler etwa an der Seite von Bundesrat Johann Schneider-Ammann. Doch ist die Begleitung und Betreuung prominenter Parteiexponenten nicht sein Alltag im Generalsekretariat. An der Kampagne zur Abstimmung übers Nachrichtendienstgesetz war der studierte Politikwissenschafter massgeblich beteiligt, bei der Unternehmenssteuerreform oder ganz aktuell bei der Kampagne gegen die Reform der Altersvorsorge. «Das Nein zu dieser Reform liegt mir persönlich am Herzen.» Seit einem halben Jahr arbeitet Schuler an dieser Kampagne. Zehn bis zwölf Stunden am Tag, wie er sagt. In der Parteizentrale werden Strategien erarbeitet, Argumente abgesprochen und Kampagnen organisiert. Marcel Schulers Aufgabe ist es, der Jugend zu vermitteln, dass sie mit der ­Reform verlieren würde. «Die Abstimmung wird sehr knapp, aber für sie ist ein Nein immens wichtig. Deshalb setzen wir uns mit aller Kraft für ein Nein ein.»

Politik ist Marcel Schulers Leidenschaft. Nicht nur auf eidgenössischer Ebene, sondern auch lokal engagiert er sich. Er sitzt im Vorstand der FDP Ermatingen, kandidierte auch schon für den Grossen Rat, allerdings in erster Linie um Erfahrungen zu sammeln. «Ich wollte erleben, wie sich Politik anfühlt.» Doch er sieht sich selbst als den Mann im Hintergrund, den Berater. Eine eigene Politkarriere strebt er nicht an. Wenn Schuler wie vor zwei Jahren im Nachbardorf Salenstein ein schwieriges Podium leitet, sieht er das als professionelle, neutrale Dienstleistung.

Wohnen in der «liberalsten WG von Bern»

Aktuell ist Marcel Schuler aber nur am Wochenende am Untersee anzutreffen, obwohl sein gesamtes Umfeld hier ist. Er schaffe es im Moment kaum einmal pro Woche von Bern, wo er in der «liberalsten WG der Stadt» wohnt, nach Hause. Untreu werden will er Ermatingen aber auf keinen Fall, denn der Ort bedeutet ihm viel. «Ermatinger zu sein ist etwas Spezielles. Der Ort ist meine Heimat.» Und doch liegt sein Lebensmittelpunkt zurzeit in Bern. Auf die «Nacht der langen Messer», den Abend vor der Bundesratswahl, freut er sich. Auch da wird er mittendrin im Geschehen sein. Auf die Frage, welcher der FDP-Kandidaten das Rennen machen sollte, will und darf er sich nicht festlegen. «Alle drei sind sehr gut.» Eine Aussage, wie sie ein Politprofi eben macht.

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