Ein Jahrhundert voller Kunststücke

  • In der Woche vor dem grossen Fest posierten die Schüler für ein Jubiläumsbild.
    In der Woche vor dem grossen Fest posierten die Schüler für ein Jubiläumsbild. (Bild: PD/Schule Kreuzlingen)
19.06.2017 | 06:47

KREUZLINGEN ⋅ 1917 war das Emmishofer Schulhaus eingeweiht worden. Zum Jubiläumsfest waren ehemalige Schüler, Lehrer und die Bevölkerung eingeladen.

Desirée Müller

Desirée Müller

kreuzlingen@thurgauerzeitung.ch

Von der Decke hängen bunte Pappclowns, an den Wänden schauen den Besuchern freche Tiermasken entgegen und aus allen Schulzimmern tönt Zirkusmusik. Das Motto der 100-Jahr Feier des Schulhaus Emmishofen könnte nicht besser umgesetzt werden. Passend dazu steht auf dem Schulhof des Primarschulhauses Bernegg ein Zirkuszelt, in dem über zweihundert Schülerinnen und Schüler während einer Woche ein Jubiläumsprogramm auf die Beine stellten.

Der ehemalige Schüler Walter Schneider schwelgt derweil im frisch sanierten Schulhaus in Erinnerungen. Er entdeckt ein Jahrbuch aus den 1940er-Jahren. Der 84-jährige Kreuzlinger blättert in den vergilbten Seiten und entdeckt schnell den in Schnürlischrift geschriebenen Namen seiner Schwester auf einer Klassenliste. Mit seinen beiden Geschwistern drückte er hier die Schulbank und denkt gerne an die Zeit zurück. Auch wenn nicht alles eitel Sonnenschein war. «1941 mussten wir im Winter in den Kindergarten Weinburg umziehen. Es war kein Geld da für Kohle zum Heizen.» Die Klassen wurden zusammengelegt und vierzig Kinder in einem Schulzimmer waren nichts Aussergewöhnliches. «Aber gelernt haben wir trotzdem etwas», sagt Walter Schneider und lacht.

Das Doppelte Lottchen von Emmishofen

Berta Dietrich kann sich gut an ihn erinnern. Die heute fast 90-Jährige ging gerne zur Schule, und die Noten stimmten. «Damals sassen die Mädchen auf der einen und die Buben auf der anderen Seite im Klassenzimmer», weiss sie noch ganz genau. Nur ein Lehrer war ihr ein Dorn im Auge. «Wer ‹Äh› sagte, bekam einen Box in den Oberarm», erzählt die Seniorin und reibt sich die Stelle. Heute kann sie zum Glück darüber schmunzeln.

Gustav Klotz steht in seinem ehemaligen Klassenzimmer vor einer Tafel, an welche alte Fotos gepinnt wurden. Er schaut sich die Köpfe auf den Klassenfotos genau an. Mit Marco Baumann, dem Patron der Firma Rausch, ging er Ende der 50er-Jahre in Emmishofen zur Schule. Gustav Klotz und sein eineiiger Zwillingsbruder nahmen die Lehrer damals gerne auf den Arm, indem sie ihre Ähnlichkeit ausnutzten. Bei Matthias Schmid ist die Schulzeit vergleichsweise noch nicht lange her. Vor 32 Jahren trat der heute 39-Jährige zum ersten Mal ins Schulhaus. «Ich hatte Glück mit meinem Klassenlehrer. Er war wie ich sehr naturverbunden und wenn wir nett fragten, durften wir oft nach draussen zum Lernen», erzählt der zweifache Vater und wird bei seiner Suche nach alten Fotos fündig.

Schule ist fast wie das Zirkusleben

Um elf Uhr machen sich die Besucher des Schulhauses auf den Weg zum Pausenhof. «S’Elfi Glöggli lütet scho», singt Schulleiter Ralph Huber und begrüsst als Zirkusdirektor die Besucher. Auch Schulpräsident René Zweifel spricht zum Publikum. Das Schulhaus Emmishofen sei ein Musterbeispiel für eine gelungene Renovation und nun bereit für die nächsten 100 Jahre.

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