KREUZLINGEN

Die neuen Tafeln sind installiert

Auf dem Boulevard ist seit Montag einiges anders. Das Verkehrsregime läuft als einjähriger Versuch und soll den Durchgangsverkehr verringern sowie die Aufenthaltsqualität verbessern.
13.02.2018 | 05:18
Nicole D’Orazio

Nicole D’Orazio

nicole.dorazio

@thurgauerzeitung.ch

Die einen Autofahrer beachten sie, andere ignorieren sie. Seit gestern Morgen steht beim Helvetiaplatz in der Einfahrt zum Boulevard eine Einbahntafel. Nur noch Velos und der Bus dürfen hier in die Begegnungszone rein fahren. Alle anderen müssen neu aussen rum. Das ist eine von mehreren Verkehrsmassnahmen, die versuchsweise für ein Jahr eingeführt werden (unsere Zeitung berichtete). Ein runder Tisch mit Vertretern des Gewerbes, der Anwohner, der Initianten für einen autofreien Boulevard und der Stadt haben diesen Kompromiss 2014 ausgearbeitet. Des weiteren wird der Abschnitt der Schützenstrasse zwischen dem Boulevard und dem Einkaufszentrum Karussell autofrei. Zudem darf auf der Schützenstrasse in Richtung Boulevard nur noch bis zur Tankstelle gefahren werden. Denn auch dort steht neu eine Einbahntafel.

Bei den Bussen ist man zuerst noch zurückhaltend

Noch klappt die neue Verkehrsregelung nicht. Einige Fahrzeuglenker fahren routinemässig in den Boulevard, ohne auf die Tafel zu achten, andere bremsen verwundert ab. «Das wird eine Weile dauern, bis sich alle daran halten. In der Regel geht man von drei Monaten aus», meint Ernst Zülle, Stadtrat Departement Bau, vor Ort. «Die Signalisation wird noch verbessert, zum Beispiel mit einem Rechts-Abbiegeverbot vom Bahnhof her.» Betreffend Bussen werde man zu Beginn wohl ein Auge zudrücken, wobei Kontrollen im Ermessen der Kantonspolizei Thurgau lägen. Wenn man seitens der Stadt sehe, dass auch nach einer Angewöhnungszeit die neue Signalisation nicht eingehalten wird, werde man der Polizei aber voraussichtlich einen Auftrag für Kontrollen geben.

Die Begegnungszone wurde im Juni 2011 eingeführt. «Mittlerweile wurde sie gut angenommen und die Autofahrer sind disziplinierter», sagt Zülle. Das würden Umfragen bei Velofahrern und Fussgängern zeigen. Auch die Höchstgeschwindigkeit von 20 Stundenkilometern werde mittlerweile besser eingehalten. Der V85, also der Wert, den 85 Prozent aller Fahrzeuglenker einhalten, beträgt 24 Stundenkilometer, in der Nacht 25.

Weitere Senkung der durchfahrenden Autos

Mit dem neuen Verkehrsregime möchte die Stadt den Durchgangsverkehr vom Boulevard weg bringen. «Früher fuhren hier täglich rund 12000 Fahrzeuge durch. Heute sind es durchschnittlich noch zwischen 8000 und 9000. Es wäre wünschenswert, diesen Wert weiter zu senken.» Zülle ist überzeugt, dass dies mit dem neuen Verkehrsregime gelingen wird. «Es wird auch Verlierer dieser Lösung geben. Wohnquartiere wie die Gutenberg- oder die Nationalstrasse werden stärker befahren.»

Nach rund drei Monaten wird man eine detaillierte Befragung von gut 300 Haushalten und 140 Betrieben und Dienstleistern durchführen, sagt Zülle. Nach sechs Monaten werde sich der Stadtrat ein Bild davon machen, ob die Signalisation Sinn macht und definitiv eingeführt werden soll. «Marginale Veränderungen könnten wir wahrscheinlich ohne eine neue Auflage vornehmen. Für alles andere, zum Beispiel bauliche Massnahmen wie Poller oder Blumenkübel, benötigt es eine erneute Auflage.» Bei Einsprachen müsste man die Signalisation wieder abräumen, ehe diese behandelt wären. «Grundsätzlich sollen viele Kreuzlinger vom Boulevard profitieren und nicht einzelne.»

Was die Beachtung der neuen Signalisation betrifft, erhalten die Autofahrer am Freitag und Samstag Hilfe: Dann sind Verkehrskadetten im Einsatz.

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