SALENSTEIN

Der Gemeindepräsident geht

Roland Nothhelfer hat an der Gemeindeversammlung seinen Rücktritt bekannt gegeben. Er brauche die Streitereien und Intrigen nicht mehr. Der Vizepräsident will nun übernehmen.
16.06.2017 | 18:21
Urs Brüschweiler
Salenstein kommt nicht zur Ruhe. Vor zwei Jahren war Roland Nothhelfer nach einem äusserst emotional geführten Wahlkampf anstelle seines Vorgängers Roland Streit zum Gemeindepräsidenten gewählt worden. Die Gräben im Dorf sind offenbar noch nicht zugeschüttet, denn nun hat Nothhelfer bereits genug und schmeisst den Bettel hin. An der Gemeindeversammlung vom Donnerstagabend gab er seinen Rücktritt bekannt (siehe Kasten) und schickte am anderen Morgen eine Kopie seines Entlassungsgesuches an den Regierungsrat sowie seine Abschiedsrede zur Kenntnis an die Redaktion. 
 

Ein reines Gewissen

Er danke für das Vertrauen, welches ihm in den 34 Jahren, die er im Gemeinderat mitgearbeitet habe, geschenkt wurde und bitte gleichzeitig um Verständnis, schreibt Nothhelfer. Er habe sein Amt stets mit viel Freude, Herzblut und Engagement ausgeübt. Es sei normal, dass man nicht immer gleicher Meinung sein könne, aber Respekt und Anstand sollten trotzdem nicht verloren- gehen. «Ich habe nun sechs Jahre Gemeinderat mit vielen Streitereien, Machtspielen und Intrigen durchgemacht und bin zum Schluss gekommen, dass ich das inskünftig nicht mehr brauche.» Sicherlich würden seine Gegner im Gemeinderat versuchen, ihm angeblich gemachte Fehler anzulasten, «aber diesbezüglich habe ich ein reines Gewissen.» Nothhelfer schreibt, er sei selbstverständlich nicht unfehlbar, habe jedoch das Amt stets nach bestem Wissen und Gewissen ausgeführt und niemals seine Eigeninteressen in den Vordergrund gestellt. In der Politik sei die Stunde der Narzissten angebrochen, zitierte er einen Zeitungsartikel. «Hierzu zähle ich mich aber definitiv nicht, denn ich bin weder macht- besessen noch selbstverliebt und muss deshalb der Politik den Rücken kehren.» Im September werde er 66 Jahre alt, halte es nun mit Udo Jürgens und wolle noch einmal Spass im Leben haben. Nothhelfer wünscht der Gemeinde eine gute Hand bei der Auswahl eines Nachfolgers, betont, dass er seinen Rücktritt nicht weiter kommentieren werde und schliesst mit dem Fazit: «Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan – der Mohr kann gehen!»

Das Rücktrittsgesuch von Roland Nothhelfer an den Regierungsrat datiert vom 15. Mai. Das kantonale Departement für Inneres und Volkswirtschaft hat es bereits bewilligt und entlässt ihn per 30. September aus dem Amt. Auf den 24. September ist bereits die Ersatzwahl angesetzt. Sollte es zu einem zweiten Wahlgang kommen, fände dieser am 26. November statt und Nothhelfer würde in diesem Fall noch bis Ende November als Gemeindepräsident zur Verfügung stehen. 
 

Giovanni Crupi kandidiert als Nachfolger

Vizegemeindepräsident Giovanni Crupi bedauerte an der Versammlung wie auch gegenüber unserer Zeitung den vorzeitigen Rücktritt Nothhelfers sehr. «Ich bin traurig.» Zu den konkreten Gründen beziehungsweise zum offensichtlichen Streit in der Behörde wollte er nur so viel sagen: «Im Gemeinderat braucht es Leute, die im Team arbeiten können. Aber nicht alle erfüllen diese Anforderung.» Für Crupi selber ist nun der Punkt gekommen, selber die Verantwortung zu übernehmen. Er gab am Donnerstagabend gleich seine Kandidatur bekannt. Da Roland Nothhelfer von Anfang an nur bis 2019 machen wollte, sei der Gedanke, für seine Nachfolge zu kandidieren, schon früher an ihn herangetragen worden, erklärt er. Er sei 50 Jahre alt geworden und habe genug Energie und Motivation für das Amt.
 

Gemeindeschreiber ist krankgeschrieben

An der Gemeindeversammlung wurde auch bekannt, dass Gemeindeschreiber Peter Bolliger derzeit krankheitshalber abwesend sei. Priska Keller übernehme stellvertretend seine Aufgaben, sagt Giovanni Crupi. Die Gemeindeverwaltung funktioniere ohne Probleme.
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