KREUZLINGEN

Am anderen Ende der Welt

Roland und Cindy Meier sind vor dreieinhalb Jahren in die Philippinen ausgewandert. Trotz vieler Hindernisse liessen sie sich nicht beirren. Zurzeit befinden sie sich auf Heimatbesuch in Kreuzlingen.
12.09.2017 | 07:28
Viola Stäheli

Viola Stäheli

viola.staeheli@thurgauerzeitung.ch

«Wir hatten schon mit einigen Hindernissen zu kämpfen – und sind immer noch dran», sagt Roland Meier. Meier ist braun­gebrannt, ein geflochtener Bart ziert sein Kinn. Er sieht seine Frau mit vielsagenden Blicken an. «Vor allem die Bürokratie ist nervenaufreibend», sagt Cindy Meier. Fast ein ganzes Jahr hatten sie sich nur mit Papierkram herumgeschlagen. Das war 2014, als der Kreuzlinger und seine deutsche Frau einen Neuanfang auf der philippinischen Insel Caluya wagten.

Eigentlich war es nur eine Schnapsidee, in die Philippinen auszuwandern. «Mir kam der Gedanke an einer Strandbar, als ich in den Philippinen in den Tauchferien war», erinnert sich der 37-Jährige. Seine Mutter ist Philippinin, der gebürtige Kreuz­linger verfügt somit über den schweizerischen als auch den philippinischen Pass. Deshalb kann er Land kaufen – Ausländer ohne einen philippinischen Pass haben diese Berechtigung nicht und dürfen lediglich Land pachten. Trotzdem dauerte es eine Weile, bis sich Meiers Traum erfüllen würde.

Das Glück in der eigenen Tauchschule suchen

«Ich hatte einen sicheren Job als Maschinenmechaniker in Kreuzlingen und meine ganze Familie und Freunde in der Schweiz», ­erzählt Roland Meier. Bei der Arbeit lernte er seine heutige Frau Cindy Meier kennen, die als Fahrzeugelektrikerin bei der gleichen Firma arbeitete. Die beiden verband vor allem eine Passion: das Tauchen. Und dann kam der Stein ins Rollen: Beide verloren aufgrund der schlechten Wirtschaftslage ihres Arbeitgebers den Job. «Wir wussten, dass wir keine neue Arbeitsstelle in Kreuzlingen finden werden», sagt die 35-jährige Cindy Meier. So entstand die Idee, auszuwandern und es mit eigenem Resort und Tauchschule auf der philippinischen Insel Caluya zu probieren.

«Meine Familie stand immer hinter mir», sagt Roland Meier. Und so wagten sie das Abenteuer. Auf der kleinen Insel sind sie noch immer die einzigen Ausländer. Entsprechend skeptisch wurden sie begrüsst. Davon liess sich das Paar aber nicht abhalten. «Wir kauften Land und waren ein Jahr mit der Bürokratie beschäftigt. Im zweiten Jahr konnten wir mit dem Bau unseres Resorts beginnen», erzählt der Kreuzlinger. Doch auch das kostete Nerven: Auf der Insel gibt es so gut wie kein Baumaterial – das meiste musste vom Festland eingeschifft werden. «Das alles kostet viel Geld und Zeit.» Doch im vergangenen Jahr war es so weit, und das Paar konnte die ersten Gäste empfangen. In der Zwischenzeit stehen auf dem 5000 Quadratmeter grossen Grundstück ihr Privathaus, drei Bungalows, eine kleine Bar und ein beschaulicher Shop mit Tauchausrüstung . Das Resort trägt den Namen «Island Divers Caluya». «Es können maximal sechs Gäste zu uns kommen, es ist also stets familiär», sagt Roland Meier. Schöne Begegnungen haben sie bereits gehabt – obwohl immer eine leichte Nervosität mitschwingt, wenn neue Gäste anreisen. «Man weiss nie, wer da kommen wird», sagt Roland Meier lachend. Aber ­genau das mache es auch spannend. Mittlerweile sind sie auch unter den Einheimischen akzeptiert.

Käse, Brot und Würste fehlen in den Philippinen

Dreieinhalb Jahre sind seit dem Entschluss vergangen, dass das Ehepaar in die Philippinen auswandert. Jetzt sind sie zum ersten Mal wieder zurück in der Schweiz. «Wir sind nun ein halbes Jahr in Kreuzlingen, um zu arbeiten und so wieder unsere ­Ersparnisse aufzubessern», sagt Cindy Meier. Dazu wollten sie auch ihre Familien und Freunde wieder einmal sehen, fügt Roland Meier an.

Sie freuen sich aber bereits, wieder zurück in ihre neue Heimat zu können. Im Dezember ist es so weit – schliesslich will alles zu Saisonbeginn im Februar vorbereitet sein. «In den Philippinen vermisse ich aber schon das eine oder andere aus der Schweiz», gibt Roland Meier zu. Käse, Brot und gute Würste zum Beispiel. Zweifel haben aber beide nicht, dass ihre Zukunft weiterhin auf der kleinen Insel Caluya liegt.

www.island-divers-caluya.com

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