FRAUENFELD

Fall Hefenhofen: Tierschützer spielen Kläger und Richter

Tierschützer prangern am Sonntag "das Versagen der Behörden" im Fall Hefenhofen an. Mit dabei ist die Stiftung Tier im Recht. Sie sitzt aber gleichzeitig in der unabhängigen Untersuchungskommission.
12.01.2018 | 05:18
Silvan Meile

Silvan Meile

silvan.meile@thurgauerzeitung.ch

Die Meinungen der Tierschützer sind längst gemacht: Die Thurgauer Behörden haben versagt, sie liessen sich an der Nase herumführen. Das habe das Tierleid in Hefenhofen nach sich gezogen. So heisst es auf der Ankündigung zur Veranstaltung "Nie wieder ein Fall Hefenhofen". Am Sonntag rollt Erwin Kessler, Präsident des Vereins gegen Tierfabriken, den Fall um den Pferdezüchter Ulrich K. in der Frauenfelder Konvikthalle nochmals auf. Dabei werden "das Versagen der Behörden und die Forderungen für die Zukunft im Tierschutzvollzug" thematisiert.
 

Zur Verschwiegenheit verpflichtet

Für seinen Anlass, der die Besucher zehn Franken kostet, kündigt Kessler nebst seinen eigenen Ausführungen noch Referate verschiedener Gastredner an. Auch Andreas Rüttimann wird das Wort ergreifen. Der Jurist der Tierschutzorganisation Stiftung Tier im Recht ist somit Teil der Veranstaltung, an welcher die Behörden angeprangert werden. Das ist deshalb fragwürdig, da auch Vanessa Gerritsen für diese Stiftung arbeitet, gleichzeitig aber der unabhängigen Untersuchungskommission um Hanspeter Uster angehört. Detailliert will die Kommission den Fall Hefenhofen untersuchen und hält dabei ihre Unabhängigkeit hoch. Die Resultate der Untersuchungen werden mit Empfehlungen verbunden sein. Diese reichen möglicherweise bis zu personellen Konsequenzen.

Die Doppelrolle der Stiftung Tier im Recht ist auch Kommissionspräsident Uster, der die Untersuchungen leitet, nicht entgangen. "Mir ist versichert worden, dass keine Informationen aus der Untersuchungskommission in die Stiftung fliessen", sagt Uster. Dass Tierschützerin Gerritsen keine Erkenntnisse aus den Untersuchungen an ihren Kollegen und Referenten Rüttimann weitergeben darf, ist auch im speziell für diese Kommission ausgearbeiteten Reglement geregelt. Dort ist festgehalten, dass alle Mitglieder über alles, das sie in der Kommission erfahren, "zur absoluten Verschwiegenheit verpflichtet" sind. "Das gilt selbstverständlich für alle Kommissionsmitglieder, nicht nur für Frau Gerritsen", sagt Uster. Deren Arbeit in der Untersuchungskommission schätze er sehr.
 

"Wir sind nicht unter diesem Titel eingeladen worden"

"Wir sehen das nicht als Doppelrolle", sagt Vanessa Gerritsen. Dass in der Einladung von "Versagen der Behörden" die Rede sei, widerspiegle die Meinung von Organisator Kessler. "Wir sind aber nicht unter diesem plakativen Titel zur Teilnahme angefragt worden", betont die Juristin der Stiftung Tier im Recht. Im Referat ihres Kollegen gehe es nicht um Schuldzuweisungen. Vielmehr werde darin aufgezeigt, welche juristischen Möglichkeiten kantonale Veterinäramter generell hätten, um Probleme im Tierschutzvollzug zu verhindern. Das Engagement ihrer Stiftung lasse durchaus ein Mitwirken auf beiden Seiten zu. "Wir sind ja als Tierschutzvertreter in die Untersuchungskommission gewählt worden", sagt Gerritsen. Von Kessler seien sie wiederum als Rechtsexperten angefragt worden.

Unter den Referenten am sonntäglichen Anlass ab 14 Uhr tauchen auch "Blick"-Journalist Marco Latzer sowie die Kantonsräte Jakob Auer (Arbon, SP) und Jost Rüegg (GP, Kreuzlingen) auf. Beide sind im Grossen Rat mit kritischen Vorstössen zum Fall Hefenhofen aufgefallen und wohl deshalb von Tierschützer Erwin Kessler zur Teilnahme angefragt worden. Er werde Missstände in der Verwaltung ansprechen, sagt Auer. "Ich sage einfach meine Meinung." Auch Rüegg beabsichtigt, kein Blatt vor den Mund zu nehmen. "Die Regierung hat viel zu spät reagiert." Bezüglich Krisenmanagement habe sie völlig versagt.

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