Keine Lohnerhöhung um jeden Preis

  • Die Summe für individuelle Lohnerhöhungen soll im Kanton Thurgau neu festgelegt werden.
    Die Summe für individuelle Lohnerhöhungen soll im Kanton Thurgau neu festgelegt werden. (Bild: Gatëan Bally/KEY)
17.06.2017 | 05:19

FLEXIBILISIERUNG ⋅ Um die Angestellten mit individuellen Lohnerhöhungen zu beglücken, ist der Kanton gezwungen, die gesamte Lohnsumme Jahr für Jahr um mindestens ein Prozent zu erhöhen. Nun soll es weniger sein dürfen.

Christian Kamm

Christian Kamm

christian.kamm@thurgauerzeitung.ch

Eine so lange Phase mit einer Negativteuerung hatten die Väter des gegenwärtigen Thurgauer Besoldungssystems nicht auf der Rechnung. Weil im Thurgau zwingend jedes Jahr mindestens ein Prozent der gesamten Lohnsumme für individuelle Erhöhungen eingesetzt werden muss, liegt das Lohnwachstum beim Arbeitgeber Kanton schon seit längerem deutlich über dem in der Privatwirtschaft. Unterdessen beträgt der Vorsprung gegenüber dem Landesindex der Konsumentenpreise 3,84 Prozent. Deshalb erstaunt es nicht, dass die Stimmen immer lauter geworden sind, wonach der Zuwachs bei den individuellen Lohnerhöhungen gedrosselt werden müsste. Nur erlaubt es das Gesetz zurzeit nicht.

Grosser Kompromiss bahnt sich an

Im vergangenen Dezember hat auch die Politik reagiert. In Form einer Motion, welche die Streichung des Ein-Prozent-Minimums verlangt. Stattdessen soll der Grosse Rat künftig ohne Mindestvorgabe über die Summe entscheiden, die für individuelle Lohnanpassungen zur Verfügung steht. So lautet die Forderung der Motionäre Hanspeter Gantenbein (SVP, Wuppenau), Ueli Fisch (GLP, Ottoberg), Brigitte Kaufmann (FDP, Uttwil), Diana Gutjahr (SVP, Amriswil), Marianne Raschle (CVP, Kreuzlingen) und Hansjörg Brunner (FDP, Wallenwil), sowie von 65 Mitunterzeichnern.

Nun scheint sich ein grosser Lohnkompromiss anzubahnen. Denn die Regierung lehnt in ihrer Antwort den Vorstoss zwar ab, kommt aber den Motionären mit einem Lösungsvorschlag weit entgegen. Demnach will auch der Regierungsrat die Vorgabe von mindestens einem Prozent kappen, aber bei der Festlegung innerhalb der Bandbreite zwischen null und einem Prozent selber das Sagen haben. Erst darüber käme das Parlament zum Zug.

Der Regierungsrat sei der Auffassung, dass die Situation mehr Flexibilität erfordere und sich der individuelle Lohnanteil an der Entwicklung der Privatwirtschaft zu orientieren habe, bestätigt Finanzdirektor Jakob Stark auf Anfrage. «Dort sind die Löhne weniger gestiegen, wir aber sind gezwungen, mindestens auf diesem Prozent zu bleiben.» Einmal daneben zu liegen, mache noch nichts, so Stark, wohl aber wenn das über längere Zeit der Fall sei. Allerdings betont der Finanzdirektor, der auch in intensivem Austausch mit den Personalverbänden steht, dass der Mechanismus dann auch umgekehrt gelten müsse: Wenn die Lohnkurve in der Privatwirtschaft steil nach oben gehen würde, «dann müssten auch wir deutlich über ein Prozent gehen».

Mit ihrem Vorschlag hat die Regierung bei den Motionären offene Türen eingerannt, was für die Beratungen im Parlament optimistisch stimmt. «Diese Lösung macht Sinn», sagt Kantonsrat Ueli Fisch. Und lobt vor allem Starks Vorgehen. «Man hat uns nicht vor vollendete Tatsachen gestellt, sondern das Gespräch mit den Motionären gesucht.» Als Unternehmer könne er denn auch unterstützen, dass der Regierungsrat mit dieser Lösung einen gewissen lohnpolitischen Spielraum behalte. «Das hat auch mit Vertrauen zu tun», sagt Fisch. Gleichzeitig erwartet er, dass mit diesem Spielraum vorsichtig und an die Situation angepasst umgegangen wird. Er werde jedenfalls jedes Budget mit Argusaugen anschauen. Wenn die Regierung immer ein Prozent und damit das Maximum festlegen würde, «dann gibt es subito einen neuen Vorstoss», so Fisch.

Regierungsrat Stark hofft vorerst darauf, vom Grossen Rat und auch von den Personalverbänden das nötige Vertrauen zu bekommen. «Anschliessend wollen wir zeigen, dass wir gut damit umgehen können.»

Kommentare
zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden
Ein neues Posting hinzufügen

Sie dürfen noch Zeichen schreiben.
Bei jedem neuen Beitrag in dieser Diskussion erhalten Sie eine entsprechende Benachrichtigung
Füllen Sie bitte die notwendigen Felder für die Registrierung aus.

Geben Sie bitte folgende Daten ein, um sich zu registrieren und Ihren Kommentar zu speichern.

Ich habe die AGB gelesen und akzeptiert.:
Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

Welcher der folgenden Begriffe ist keine Farbe: Gelb, Blau, Tisch?
 

Meistgelesen

Rolf Thalmann, Svenja Huber und Silvia Thalmann eröffnen im Oktober die Bauernhof-Kindertagesstätte Chälbliland.
Amriswil: 23.08.2017, 19:10

Bauer, innovativ, sucht ... Kinder

Auf dem Thalmann-Hof waren schon häufig Kinder der Bauernhof-Spielgruppe zu Gast.
Die Brauerei Schützengarten war an den World Beer Awards gleich doppelt erfolgreich.
St.Gallen: 23.08.2017, 12:41

Das beste Amberbier der Welt kommt aus St.Gallen

Das "Chlöschti" ist das beste Amberbier der Welt. Die Jury der World Beer Awards in ...
Neben der Boeing 737-700 wirkt der Embraer-170-Jet der People’s Viennaline geradezu klein.
Rorschach: 23.08.2017, 05:17

Noch nie landete ein solch grosses Flugzeug in Altenrhein

Erstmals landete eine Boeing 737-700 auf dem Airport in Altenrhein.
Sonja Lüthi erhält die Unterstützung der SP. Die SP will verhindern, dass Boris Tschirky (Mitte) im ersten Wahlgang gewählt wird.
St.Gallen: 23.08.2017, 21:21

Gespaltene SP empfiehlt Sonja Lüthi für St.Galler Stadtrat

Die Mitglieder der SP Stadt St.Gallen haben nach langer Diskussion einen klaren Entschluss ...
Sexuelle Gewalt gegen Frauen - das St.Galler Kantonsgericht hat ein Urteil gefällt.
Kanton St.Gallen: 23.08.2017, 13:36

Vier Jahre Gefängnis wegen Vergewaltigungen

Das Kantonsgericht St.Gallen ist überzeugt, dass ein 28-jähriger Kosovare zwei seiner ...
Regierungsrat Walter Schönholzer vor den Medien.
Kanton Thurgau: 23.08.2017, 15:18

Fall Hefenhofen: Grosser Rat entscheidet über Strafanzeige gegen Regierungsrat Schönholzer

Amtsmissbrauch und Beihilfe zu Tierquälerei. Das werfen Tierschützer dem Thurgauer Regierungsrat ...
Unverhofft kommt öfter, als man denkt. Der vermeintlich unerfüllbare Kinderwunsch wird doch ab und zu Realität.
Panorama: 23.08.2017, 05:17

Plötzlich doch schwanger

Ein Paar, das verzweifelt versucht, ein Kind zu bekommen, gibt auf. Prompt wird sie doch schwanger.
Die Seite Kemmentaler Anzeiger aus den Kreuzlinger Nachrichten: Die Stadt Kreuzlingen publiziert ihre amtlichen Nachrichten nur mehr in der «Kreuzlinger Zeitung».
Kreuzlingen: 23.08.2017, 17:12

Nach Blocher-Übernahme: Stadt publiziert nicht mehr in «Kreuzlinger Nachrichten»

Die «Kreuzlinger Nachrichten» sind ab 2018 nicht mehr offizielles Publikationsorgan der Stadt ...
Nach einer Kollision mit einem Sportwagen hat sich die Ambulanz um die eigene Achse gedreht und ist danach umgekippt. Der 80-jährige Patient im Krankenwagen kam dabei ums Leben.
Panorama: 23.08.2017, 15:43

Patient stirbt bei Unfall mit Ambulanz

Bei einem Zusammenstoss zwischen einer Ambulanz und einem Sportwagen ist im niedersächsischen ...
Nachdem der Einbruch entdeckt wurde, sichert ein Beamter der Spurensicherung der Kantonspolizei St. Gallen die Spuren.
Toggenburg: 23.08.2017, 17:26

Secondo darf trotz Diebstählen im Toggenburg bleiben

Wegen vierer Diebstähle oder Diebstahlversuche im Herbst 2016 muss ein 46-Jähriger sieben Monate ...
Zur klassischen Ansicht wechseln