Kaum mehr Kollisionen

  • Gesicherte Bahnübergänge – wie hier in Lüdem nahe Frauenfeld – sollen helfen, Kollisionen zu verhindern.
    Gesicherte Bahnübergänge – wie hier in Lüdem nahe Frauenfeld – sollen helfen, Kollisionen zu verhindern. (Donato Caspari)
19.06.2017 | 18:26

UNFÄLLE ⋅ Die Zusammenstösse zwischen Zügen der Frauenfeld-Wil-Bahn und Autos sind auf einem Tiefstand. Der Rückgang hängt mit der steigenden Zahl sanierter oder aufgehobener Bahnübergänge zusammen.

Sebastian Keller
Die Frauenfeld-Wil-Bahn (FWB) hatte einen einschlägigen Ruf in der Region: Kollidierte wiedermal ein Auto mit der Schmalspurbahn, überraschte das kaum mehr. Doch diesem Ruf wird die Bahn – und das ist durchaus gewollt – immer weniger gerecht. Wie die neusten Zahlen im Geschäftsbericht 2016 zeigen, sind Zusammenstösse äusserst selten geworden: Nur noch vier Mal kollidierten die Schienenfahrzeuge mit Strassenfahrzeugen im Murgtal. Im Schnitt knallt es nur noch einmal pro Quartal. «Und dies trotz steigendem Verkehr auf Strasse und Schiene», wie FWB-Direktor Thomas Baumgartner sagt. Im Jahr 2012 waren es noch 17 Kollisionen – durchschnittlich also 1,4 pro Monat. Gemäss Baumgartner sei es seit 2009 «sicher der tiefste Wert». In jenem Jahr musste die Bahn 24 Zusammenstösse auf ihrem Streckennetz in der Statistik notieren. Als häufigsten Grund nennt Baumgartner die «Nichtbeachtung von Signalisationen». Und diese Nichtbeachtung geht von Autofahrern aus.  

Bessere Bremssysteme und sanierte Bahnübergänge

Der Rückgang der Zusammenstösse hat mehrere Gründe. Einerseits sind die Züge besser gerüstet: Die Niederflur-Gelenktriebwagen, die seit 2013 schrittweise auf der Bahnstrecke eingeführt wurden, verfügen über ein besseres Bremssystem als die alten Triebfahrzeuge. 

Der Hauptgrund sind aber sanierte und aufgehobene Bahnübergänge zwischen Frauenfeld und Wil. Das bestätigt Thomas Baumgartner (siehe auch Grafik). Entsprachen im Jahr 2011 erst 42 Bahnübergänge den gesetzlichen Vorschriften, wonach es keine Übergänge mehr ohne Schranken oder Blinklichtanlagen geben darf, waren Ende vergangenen Jahres 108 entweder aufgehoben oder saniert. Doch auch gesetzeskonforme Bahnübergänge mit Schranken bannen das Kollisionsrisiko nicht restlos. «Wir haben sogar schon den Fall erlebt, dass geschlossene Schranken umgefahren wurden», sagt Thomas Baumgartner. 

Die Sanierung der Bahnübergänge zwischen Frauenfeld und Wil ist noch nicht abgeschlossen. Aber fast. Wie dem Geschäftsbericht zu entnehmen ist, sind auf der knapp 17,5 Kilometer langen Bahnstrecke noch zwei zu sanieren. Einerseits der Übergang an der Stettfurterstrasse in Matzingen, andererseits jener an der Eschlikonerstrasse in Münchwilen. Die Sanierung in Matzingen ist durch Einsprachen blockiert, jene in Münchwilen wird mit einem Strassenbauprojekt koordiniert. Die FWB rechnet damit, die prognostizierten Endkosten von 16,36 Millionen Franken leicht unterschreiten zu können. 

Meist pünktlich angekommen

Verspätungen Die Frauenfeld-Wil-Bahn hielt im vergangenen Jahr meist ihren Fahrplan ein. Wie dem Geschäftsbericht 2016 zu entnehmen ist, waren 98,9 Prozent aller Züge bei ihrer Ankunft in Wil pünktlich, in Frauenfeld waren es gar 99,2 Prozent. Als unpünktlich gezählt wird eine Verspätung ab vier Minuten. Mit den erreichten Werten hat die Schmalspurbahn den angepeilten Wert von 97 Prozent überschritten. Wie Thomas Baumgartner, Direktor der Frauenfeld-Wil-Bahn, auf Anfrage sagt, richtet sich der Zielwert an den landesweit üblichen Standards, die für alle Bahnen gelten. «Die Pünktlichkeit ist ein wichtiges Element für die Kundenzufriedenheit», sagt Baumgartner weiter. Kundinnen und Kunden würden sich über die gesicherten Anschlüsse freuen. Ein Bonus-Malus-System, wie es der Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) und die SBB vereinbart haben, kenne man nicht. Wenn die SBB die vereinbarten Vorgaben bezüglich Pünktlichkeit, Sauberkeit und Störungsmanagement übertreffen, erhalten sie einen Bonus ausbezahlt. Erreichen sie die Zielvorgaben nicht, schickt der ZVV den SBB eine Rechnung.
Kommentare
zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden
Ein neues Posting hinzufügen

Sie dürfen noch Zeichen schreiben.
Bei jedem neuen Beitrag in dieser Diskussion erhalten Sie eine entsprechende Benachrichtigung
Füllen Sie bitte die notwendigen Felder für die Registrierung aus.

Geben Sie bitte folgende Daten ein, um sich zu registrieren und Ihren Kommentar zu speichern.

Ich habe die AGB gelesen und akzeptiert.:
Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

Welche Farbe hat eine reife Banane??
 

Meistgelesen

Beim Kaffeehaus des zweithöchsten Stadtsanktgallers fand die Kontrolle statt.
St.Gallen: 24.06.2017, 18:49

Eistee, Wasser und zwei Polizisten

Wer in der Stadt wirtet, ist auch mit Vorschriften konfrontiert, die kurios erscheinen.
Am Freitagabend feierte die Oper «Loreley» von Alfredo Catalani an den St. Galler Festspielen ihre Schweizer Erstaufführung.
Ostschweizer Kultur: 24.06.2017, 14:12

Tabledance vor der St.Galler Kathedrale

Mit Alfredo Catalanis «Loreley» ging am Freitag bei den St.
"Nein, ich könnte mir niemals vorstellen, bei diesem Konstrukt Sportchef des FC St.Gallen zu werden", sagt Fredy Bickel, Sportchef Rapid Wien.
FC St.Gallen: 24.06.2017, 12:02

«Der Sportchef muss der CEO sein»

Fredy Bickel ist einer der profiliertesten Sportchefs der Schweiz. Dass im FC St.
Fussball der anderen Art - ein Schnappschuss vom Calcio Storico.
Sport: 24.06.2017, 14:41

Im Vorhof der Hölle

Wie jedes Jahr duellieren sich heute am Johannistag auf der Piazza Santa Croce in Florenz zwei ...
Das Bewässern von Gemüse ist bei dieser Hitze wichtig.
Schauplatz Ostschweiz: 24.06.2017, 13:33

Jetzt wird das Wasser knapp

Die Wasservorräte der Gemeinden schrumpfen. Vor allem für Gemüsebauern ist das ein Problem.
Am Freitagabend ist ein pensionierter Fahrlehrer an seinem ersten Tag als Taxifahrer mit seinem Fahrzeug auf der Martkplatztreppe verunfallt.
Unfälle & Verbrechen: 23.06.2017, 19:40

Ex-Fahrlehrer verursacht spektakulären Taxi-Unfall

Am Freitagnachmittag ist ein pensionierter Ex-Fahrlehrer auf der Rorschacher Marktplatztreppe ...
Sollte beim FC St.Gallen der starke Mann sein: Präsident Stefan Hernandez.
FC St.Gallen: 24.06.2017, 07:30

Haben Sie die Situation im Griff, Herr Präsident?

Christian Stübi hat den Bettel hingeworfen. Doch wie ist es dazu gekommen?
Die Autofahrer freut’s: In Rorschach sind seit vergangenem Mai 744 Bussenzettel weniger verteilt worden als im Jahr zuvor.
Rorschach: 24.06.2017, 08:00

Wilder Westen in Rorschach?

Raser, Rowdys, Falschparkierer hätten derzeit ein leichtes Spiel, mutmasst ein Leser.
Will für die Grünen in den St.Galler Stadtrat: Ingrid Jacober.
St.Gallen: 24.06.2017, 10:12

Ingrid Jacober will in die Stadtregierung

Die Grünen der Stadt St.Gallen beteiligen sich an der Ersatzwahl vom Herbst für den Stadtrat.
Junge Musikanten sind begehrte Mitglieder bei den Blasmusikvereinen.
Ostschweiz: 24.06.2017, 07:55

Misstöne bei den Musikanten

Blasmusikvereine tun sich schwer, neue Mitglieder zu gewinnen.
Zur klassischen Ansicht wechseln