THURGAU

Abgeblitzt: Der Todesschütze von Amriswil bleibt ein Mörder

Der Todesschütze von Amriswil hat vor dem Obergericht eine Niederlage kassiert. Er versuchte vergeblich, seine Haftstrafe von 12,5 Jahren wegen Mordes an seinem Nachbarn zu reduzieren und einer kleinen Verwahrung zu entgehen.
16.04.2018 | 06:23
Silvan Meile

Silvan Meile

silvan.meile@thurgauerzeitung.ch

Der heute 63-jährige Mann, der im Oktober 2013 in Amriswil seinen Nachbarn erschossen hat, wird möglicherweise nie mehr in Freiheit leben dürfen. Nach dem Verbüssen seiner Haftstrafe von 12,5 Jahren muss er in eine psychiatrische Klinik. Dort kann der Aufenthalt so lange verlängert werden, bis der Mann als therapiert gilt. Gutachten attestieren ihm eine schwere psychische Störung mit paranoiden und schizoiden Zügen. Ausserdem bestehe eine Rückfallgefahr für weitere Straftaten.

Gegen dieses Urteil des Bezirksgerichts Arbon wehrte sich der Todesschütze. Er forderte, die Haftstrafe auf 7,5 Jahre zu reduzieren und auf therapeutische Massnahmen zu verzichten. Das Thurgauer Obergericht weist nun seine Berufung grösstenteils als unbegründet zurück.

Eine Hinrichtung auf dem Parkplatz

Die beiden Männer wohnten im selben Hochhaus an der Poststrasse in Amriswil. Der Todesschütze war Alkoholiker und lebte wegen psychischer Probleme von einer vollen IV-Rente. Er störte sich am angeblichen Lärm seines Nachbarn, der eine Etage über ihm wohnte. Selbst wenn dieser nicht zu Hause war, reklamierte er wegen des Krachs von oben, den sonst niemand hören konnte. Der Mann kämpfte so hartnäckig gegen den Lärm, bis ihm selber die Wohnung gekündigt wurde.

Im Morgengrauen des Tages, an dem er hätte ausziehen müssen, lädt er in seiner 1,5-Zimmer-Wohnung einen Revolver mit sechs Patronen. Dann geht er nach draussen. Er beobachtet später, wie sein verhasster Nachbar das Haus ebenfalls verlässt, um zur Arbeit zu fahren. Der IV-Rentner folgt ihm zuerst unbemerkt, ruft ihm dann «Arschloch» zu. Als der Nachbar die Tür seines Autos öffnet, fällt der erste Schuss. Der Angeschossene versucht zu fliehen. Doch auf ihn werden vier weitere Schüsse abgefeuert. Der 53-Jährige stirbt im Spital. Im Gerichtssaal fällt später das Wort «Hinrichtung».

Das Obergericht kürzt die Forderung nach Genugtuung

Es handle sich um vorsätzliche Tötung, nicht um Mord, argumentierte der Anwalt des Schützen vor dem Obergericht. Die Tat sei eine Kurzschlusshandlung gewesen, deshalb die Strafe zu mildern. Der Beschuldigte selber hinterliess vor Gericht einen verwirrten Eindruck.

Für die Staatsanwaltschaft ist klar: Der Todesschütze war vorsätzlich und skrupellos vorgegangen. Er habe gewusst, wann sein Nachbar zur Arbeit fährt, sagte die Staatsanwältin vor Obergericht. «Dieser Vorfall ist als Mord zu qualifizieren.» Die Berufung sei abzuweisen. Das tat nun das Obergericht. Doch in einem Punkt korrigiert es das erstinstanzliche Urteil. Es kürzte den Genugtuungs-Anspruch der Witwe des Opfers, die im Ausland lebt und nie mit ihrem Mann zusammenwohnte, von 100'000 auf 60'000 Franken. Der Beschuldigte wollte höchstens 30'000 bezahlen.

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