Regierung konnte nur vier Poststellen retten - zumindest bis 2020

  • Der Streit um Poststellen im Thurgau eskaliert zusehends.
    Der Streit um Poststellen im Thurgau eskaliert zusehends. (Benjamin Manser)
16.06.2017 | 13:23

THURGAU ⋅ Die Post setzt schon wieder den Rotstift an. Im Thurgau droht den nächsten zehn Postfilialen die Schliessung. Bis ins Jahr 2020 sind im Thurgau nur noch 23 Poststellen gesichert. 2001 waren es noch 119 Filialen.

Silvan Meile
Der Kahlschlag in der Thurgauer Poststellen-Landschaft geht weiter. Gestern gab die Post bekannt, wie die Zukunft ihres Filialnetzes aussehen soll. Demnach droht in zehn weiteren Thurgauer Poststellen das Lichterlöschen. Sie sind von der Post als «Filiale zu überprüfen» kategorisiert. Das heisst nichts Gutes. Ihnen droht das badige Aus. In einer Mitteilung der Post sind auch jene Filialen erwähnt, die bis zumindest ins Jahr 2020 garantiert weiter betrieben werden. Doch diese Liste ist kurz. Nur gerade 23 Poststellen werden in zweieinhalb Jahren im Kanton Thurgau mit Sicherheit noch geöffnet sein. Zum Vergleich: Im Jahr 2001 gab es auf dem Kantonsgebiet noch 119 reine Postämter.


Die Post wollte mit den Filialschliesungen sogar noch radikaler ans Werk gehen, wie Regierungsrat Walter Schönholzer verrät. Im Gespräch mit der Post habe erwirkt werden können, dass der Betrieb von vier Poststellen weiterhin bis ins Jahr 2020 gesichert bleibe, obwohl die Post dies ursprünglich nicht vorsah. Welche vier Orte das sind, will Schönholzer nicht verraten. «Sehr kompromisslos» habe sich die Post hingegen darüber gezeigt, eine längere Garantie als nur bis ins Jahr 2020 abzugeben. Zu rasch verändere sich der Markt aufgrund der Digitalisierung, so deren Argumentation.

Entscheid aus der Politik stoppt die Post bisher nicht

Die Gewerkschaft Syndicom verurteilt die «Schliessungswelle» der Post im Thurgau. «Damit verliert der Thurgau mehr als einen Drittel der Poststellen», schreibt sie in einer Stellungnahme. Die Ersatzangebote wie die Partnerfilialen oder der Hausservice würden keine echte Alternative bieten. Die Gewerkschaft stört sich zudem daran, dass die Mitteilung nur zwei Wochen nach dem klaren Entscheid des Nationalrats gegen den Serviceabbau bei der Post erfolgt. 

«Wir werden mit den betroffenen Gemeinden das Gespräch suchen, um alternative Lösungen zu finden», sagt Markus Werner, Mediensprecher der Post, über die Zukunft der zu überprüfenden Filialen. «Im Vordergrund steht für die Post die Umsetzung von Partnerfilialen», heisst es in der Mitteilung: «Ersatzlose Schliessungen von Poststellen werden vermieden.» Vielmehr setzt die Post die Strategie der Zusammenarbeit mit lokalen Partnern im Dorf oder dem Quartier konsequent fort, etwa mit einer in den Dorfladen integrierte Postagentur. 

Ab kommendem September werde in jenen Orten, die ausschliesslich eine Partnerfiliale haben, die Möglichkeit von Bareinzahlungen an der Haustüre beim Pöstler eingeführt, sagt Werner weiter. Damit wird die grösste Kritik aus der Bevölkerung aufgenommen, dass in Agenturen keine Bareinzahlungen möglich sind.
Kommentare
Kommentar zu: Regierung konnte nur vier Poststellen retten - zumindest bis 2020
lädt ... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet ()

geschrieben am 17.06.2017 12:00 | von Alfred Mauch

Früher mal waren die Zusteller und Schalterbeamte der CH-Post vereidigte Beamte mit einer Spezialausbildung.
Nachdem die Post Ihre Filialen schon seit Jahren zu einem Kiosk umgebaut haben, folgt nun der nächste"Clou". Seit dem 1.6.2017 werden die "Pöstler" vom gelben Riesen von der Chef-Etageaus, von den Samaritern und von der Texaid als "Lumpensammler" eingesetzt (Flyer mit Kleidersack in allen Briefkästen).
Da wundert sich die Politiker noch, dass die "alten" Methoden und Strategien der "Lumpen- und Metallsammler"
auch bei den Postfilialen angewendet werden?
Mich jedenfalls nicht. Was mich allerdings ärgert ist die Tatsache, dass sich der "Wasserkopf" des gelben Riesen nicht selber in die "Hosen" steigt, sondern anordnet und riesige Gehälter und Boni abkassiert. Mich wundert daher nicht, dass viele der Mitarbeiter innerlich gekündigt haben und Dienst nach Vorschrift schieben.

antworten
Ein neues Posting hinzufügen

Sie dürfen noch Zeichen schreiben.
Bei jedem neuen Beitrag in dieser Diskussion erhalten Sie eine entsprechende Benachrichtigung
Füllen Sie bitte die notwendigen Felder für die Registrierung aus.

Geben Sie bitte folgende Daten ein, um sich zu registrieren und Ihren Kommentar zu speichern.

Ich habe die AGB gelesen und akzeptiert.:
Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

Schreiben Sie bitte Tagblatt rückwärts?
 

Meistgelesen

Wenn sich Gewalt ihren Bann bricht, sind alle gefordert - Beteiligte, Arbeitgeber, und oftmals auch Richter.
Kanton Thurgau: 28.06.2017, 06:31

Rote Köpfe und blaue Augen

Ein Mitarbeiter der Ernst Fischer AG wird am Arbeitsplatz handgreiflich gegen eine ...
Beste Laune bei diesen beiden Festivalbesuchern, obwohl es noch lange geht, bis sie aufs Gelände dürfen.
Ostschweiz: 28.06.2017, 09:44

Jetzt live: Das grosse Warten aufs Open Air St.Gallen

Das Areal des Open Airs St.Gallen wird erst am Donnerstagnachmittag geöffnet.
Derzeit sieht es so aus, als könnte man auch in diesem Jahr gut Regenstiefel brauchen im Sittertobel.
Ostschweiz: 28.06.2017, 06:40

Gummistiefel werden knapp

Die Wetterprognosen versprechen auch dieses Jahr ein schlammiges Open Air.
In den vergangenen Jahren war das Open Air St.Gallen bereits früh ausverkauft.
Ostschweiz: 28.06.2017, 05:00

Open-Air-Chef: "Unsere Existenz ist nicht bedroht"

Bereits in zwei Tagen geht das Open Air St.Gallen los.
Moderatorin Sabine Dahinden (links) wandert gemeinsam mit Sekundarschülerinnen und -schülern aus dem Obertoggenburg von der Gamsalp auf den Chäserrugg.
Toggenburg Aufschlag: 27.06.2017, 16:30

Moderatorin Sabine Dahinden erklimmt den Chäserrugg

Ein Team von «Schweiz aktuell» war am Montag im Toggenburg unterwegs, um Aufzeichnungen für eine ...
Das Wrack der russischen Passagiermaschine am Tag nach dem Unglück.
Ostschweiz: 28.06.2017, 07:24

«Die Besinnung kommt erst später»

Am 1. Juli 2002 stiessen bei Überlingen am Bodensee zwei Flugzeuge in der Luft zusammen – ...
China-Southern-Passagiere mussten in Shanghai stundenlang auf einen Abflug warten. Grund war eine abergläubische Chinesin. (Symbolbild)
Wirtschaft: 28.06.2017, 07:00

Abergläubische Chinesin verzögert Abflug

Der Start eines Flugzeugs in China hat sich mehrere Stunden verzögert, weil eine abergläubische ...
Fabian Füger in seiner Bäckerei.
Rorschach: 27.06.2017, 10:49

Steinacher Beck holt nationalen Preis

Der junge Bäcker-Konditor Fabian Füger ist mit der nationalen Branchenauszeichnung "Bäckerkrone" ...
Die vier grossen Scheinwerfer sorgen für zu wenig einheitliches Licht in der Wiler IGP-Arena.
Wil Aufschlag: 27.06.2017, 18:27

Mehr Licht mit Verspätung

Der FC Wil braucht ab der neuen Saison in der IGP-Arena mehr Licht, um eine Lizenzauflage der ...
Durch das Feuer entstand ein Gebäudeschaden von rund 300'000 Franken.
Unfälle & Verbrechen: 27.06.2017, 17:46

Feuerwerkskörper löste Grossbrand in Logistikfirma aus

Der Grossbrand in einer Logistikfirma in Schwarzenbach bei Wil in der Nacht auf Sonntag ist ...
Zur klassischen Ansicht wechseln