WILEN

Gesucht: Asylsuchende

Die Gemeinde möchte Flüchtlinge aus dem ganzen Kanton aufnehmen, im Bezirk Münchwilen hat derzeit niemand Interesse. Gemeindepräsident Kurt Enderli hofft, dass sich dies in den nächsten Wochen noch ändert.
12.09.2017 | 07:28
Simon Dudle

Simon Dudle

hinterthurgau@thurgauerzeitung.ch

Mindestens zehn Asylsuchende müssen im Durchschnitt in Wilen untergebracht sein, damit die Rechnung für die Gemeinde aufgeht. Für die Flüchtlinge wurde im Dorf trotz intensiver Suche keine Bleibe gefunden. Da die aktuelle Situation mit der Unterbringung in einer unterirdischen Zivilschutzanlage unbefriedigend ist und wiederholt Kritik auslöste, wurden für 30000 Franken vom Alterszentrum Tannzapfenland in Münchwilen zehn nicht mehr benötigte Wohncontainer gekauft. Zusammen mit dem Transport und dem Aufbau wird ein Betrag von 250000 Franken fällig. Dieser wird von der Gemeinde vorgeschossen und soll vom Kanton in den nächsten acht Jahren zurückbezahlt werden. Dieser entrichtet eine Pauschale pro Asylsuchenden an die Gemeinden. Im ersten Quartal des laufenden Jahres waren es 43,50 Franken pro Person und Tag, im zweiten Quartal noch 42,30 Franken.

Das «Problem» an der Sache: Derzeit sind der Gemeinde Wilen nur sieben Asylsuchende zugeteilt, also drei zu wenig. Ändert sich dies nicht, muss der Wilener Steuerzahler dafür aufkommen. Darum ist der Gemeinderat tätig geworden und hat gemeinsam mit dem Thurgauer Amt für Asylwesen alle Sozialämter und Gemeindepräsidenten des Kantons angeschrieben. «Falls Sie sich Gedanken machen, Ihre Unterkunft zu schliessen oder auch aus anderen Gründen Bedarf haben, sind wir gerne bereit, zusätzlich 1 bis 7 männliche Asylsuchende aufzunehmen», steht geschrieben. Doch die Resonanz könnte grösser sein.

Eine Gemeinde meldete sich

Knapp eine Woche nach dem Versand bilanziert Gemeindepräsident Kurt Enderli, dass sich genau eine Thurgauer Gemeinde offen erklärt, drei Asylsuchende abzugeben. Welche es ist, sagt das Wilener Gemeindeoberhaupt nicht. Wie Recherchen dieser Zeitung ergeben haben, ist es keine Gemeinde aus dem Bezirk Münchwilen (siehe Zweittext unten).

Der Name wird nicht genannt, weil die Vertragsunterschrift noch aussteht. Denn ganz so einfach ist die Sache nicht. Flüchtlinge können nicht einfach so von einer Ortschaft in die andere verschoben werden. In einem Vertrag muss vereinbart werden, dass die Asylsuchenden weiterhin bei der ursprünglich zugeteilten Gemeinde registriert sind. Diese müsste zahlen, falls der Flüchtling zu einem Fürsorgefall würde.

Bekäme Wilen die drei Asylsuchenden der anderen Thurgauer Gemeinde, so wäre es eben raus. «Finanziell sind wir ein gewisses Risiko eingegangen», sagt Enderli. «Der Gemeinderat löst so aber eine Aufgabe, die ihm durch den Kanton aufgetragen wird. Er nimmt die politische Verantwortung wahr, indem er entscheidet und handelt. Er nimmt aber auch seine menschliche Verantwortung wahr gegenüber Menschen, die bei uns in der Schweiz um Asyl nachsuchen.»

Hofft Enderli nun, dass ein Flüchtlingsstrom einsetzt, um mehr Personen in Wilen unterbringen zu können? «Wir wären froh, wenn die Gemeinderechnung nicht belastet wird. Das kann sich aber auch über die Jahre ausgleichen.» Hintergrund der Aussage: Das Projekt läuft ab Oktober während acht Jahren. Danach wird bilanziert. Ist der Wilener oder auch der Rickenbacher Gemeinderat nicht an einer Fortsetzung interessiert, werden die Container alsdann der Vergangenheit angehören.

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