FRAUENFELD

Mieten sind zu hoch: Immer weniger Läden in Frauenfelds Altstadt

Es herrscht Leere in einigen Schaufenstern in der Altstadt. Die Stadt und viele Geschäftsbetreiber erachten die teilweise hohen Pachtzinsen als ein Problem. Trotzdem ziehen immer wieder Firmen ins Zentrum.
13.09.2017 | 21:04
Rahel Haag
In der Altstadt reiht sich Laden an Laden – doch es gibt Löcher. Foto Prisma verlässt seinen Standort Ende September, auch der Hookah-Shop in der Freie Strasse sucht Nachmieter und die ehemalige Weltbild-Filiale steht seit Ende Januar leer. Auf der Online-Plattform Newhome ist das Ladenlokal mit rund 170 Quadratmetern für 5454 Franken pro Monat ausgeschrieben. Das stösst nicht nur in der Facebook-Gruppe «Du bisch vo Frauefeld wenn...» auf Unverständnis. Auch Ladenbetreiber schütteln darüber den Kopf. «Das sind ja Preise wie in Winterthur», sagt Viola Schudel, Geschäftsführerin des Fashion Corners.

 
Der Kleiderladen besteht seit rund 20 Jahren, vergangene Woche feierte er nach einem Umbau Wiedereröffnung. Schudel ist zufrieden. Dem Fashion Corner gehe es gut. Als Erfolgsrezept bezeichnet sie den persönlichen Kontakt zu den Kunden. Das werde geschätzt, «und das gibt es nicht, wenn man online einkauft», fügt die Verkäuferin Heidi Kierzek an. Darüber hinaus müsse man immer wieder etwas Neues bieten, um auch in einem schwierigen Umfeld bestehen zu können, ist sie überzeugt.
 

Vom Provisorium in die Freie Strasse

Während einige gehen oder gehen müssen, rücken andere nach. Ab November wird das Unternehmen Scheiwiller Reisen in der Freie Strasse zu finden sein. Der aktuelle Standort an der Oberstadtstrasse sei von Anfang an ein Provisorium und zu klein gewesen. «Nach zwei Jahren platzen wir aus allen Nähten», sagt Mitbegründer Dominik Scheiwiller. Nun sei es an der Zeit, ein neues Kapitel aufzuschlagen. In den Räumlichkeiten an der Freie Strasse stünde ihnen doppelt so viel Platz zur Verfügung. Ein weiterer Vorteil seien die Parkplätze vor dem Gebäude. Bei Scheiwiller Reisen laufe zwar ein Grossteil der Buchungen telefonisch oder über das Internet, «doch wir möchten unseren Kunden die Möglichkeit bieten, bei uns vorbeizukommen, sei es mit einem Anliegen, einer Buchung oder nur auf einen Schwatz.» Zudem sei das Altstadtgebäude charmanter als ein Neubau.
 
Anita Rieser ist seit drei Wochen Geschäftsführerin des Kleiderladens Romani Fashion. Neu bietet sie auch Mode in grossen Grössen an – von 34 bis 52. Der Grund ist einfach: «Die Nachfrage war da.» Gerade von Stammkundinnen. Auch ihr tut der Blick in das leere Schaufenster der ehemaligen Weltbild-Filiale weh. Den Mietzins hält sie für zu hoch. «Schliesslich kommen weitere Kosten wie Löhne und Strom dazu», sagt sie.
 
Die Stadt äussert sich nicht zu Mietzinsen von privaten Liegenschaften. «Generell kann aber gesagt werden, dass Erdgeschosse in der Innenstadt erfolgreich vermietet werden können, wenn sich der Ertrag der Liegenschaften vor allem durch Wohnungen in den Obergeschossen generieren lässt», sagt Mediensprecher Andreas Anderegg. Zudem vermittle das Amt für Stadtentwicklung und Standortförderung bei direkten Anfragen zwischen Vermietern und Interessenten. Trotz Bemühungen: «In letzter Zeit nehmen die Leerstände in der Altstadt zu.»
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