GEFAHR AUF DEM SCHULWEG

Eltern sammeln Unterschriften für die Sicherheit ihrer Kinder

In Nussbaumen hat das Elternforum dem Gemeinderat eine Petition vorgelegt, um für mehr Sicherheit auf dem Schulweg ihrer Kinder zu sorgen. In der Gemeinde Homburg sind bauliche Massnahmen dafür schon Ende April abgeschlossen. Gefahr lauert insbesondere auch wegen des landwirtschaftlichen Verkehrs.
16.04.2018 | 11:53
Viola Stäheli
„Der Verkehr im Dorf hat stark zugenommen, vor allem der Durchgangsverkehr“, sagt Patrick Schneider, Präsident des Elternforums Nussbaumen. Das ist einer der Gründe, warum an der vergangenen Schulgemeindeversammlung besorgte Eltern an das Elternforum herangetreten sind - ihnen bereitet die Sicherheit des Schulweges ihrer Kinder Kopfzerbrechen. Insbesondere die Dorfstrasse wird als zu wenig sicher wahrgenommen: Die Trottoirs sind nicht erhöht und es sei schlecht ersichtlich, wo die Fussgängerzone aufhöre und die Strasse beginne.
 

Abgelehnte Tempo-30-Zone

„Trotz einiger unübersichtlicher Rechtsvortritte im Dorf wird das Tempo von den Autofahrern aus unserer Sicht zu wenig angepasst“, sagt Schneider. Diese Thematik tauchte in Nussbaumen bereits 2009 auf. Bei der damaligen Gemeindeversammlung wurde über eine Einführung einer Tempo-30-Zone in Nussbaumen abgestimmt. Das Begehren wurde mit 98 gegen 83 Stimmen abgelehnt.
Das Problem schwelt aber weiterhin im Dorf, wie nun der erneute Einwand wegen der Schulwegsicherheit beweist. Das Elternforum hat sich nun dem Anliegen der Nussbaumer Eltern angenommen und legte dem Gemeinderat eine Petition vor. „Inhalt des Antrags ist es, mögliche Lösungen zu suchen und zu prüfen, wie die stark befahrenen Strassen für Kinder sicherer gemacht werden könnten“, erklärt Schneider.

Bei der Prüfung solle aber insbesondere der lokale landwirtschaftliche Verkehr beachtet werden, damit dieser nicht behindert werde. Das Elternforum setzt sich besonders für eine Prüfung der Möglichkeiten in Nussbaumen ein, betont aber, dass auch eine Prüfung der Schulwege in den anderen Ortschaften der Gemeinde ebenfalls sinnvoll sei. „Tatsächlich sind auch schon Einwohner von Uerschhausen und Hüttwilen wegen der Schulwegsicherheit an mich herangetreten“, sagt Christoph Isenring, Gemeinderat für Tiefbau und Verkehr. Isenring führt aus, dass man im Gemeinderat an einer Lösung für die ganze Gemeinde interessiert sei.
 

Gesucht: Kompromiss für alle Parteien

„Schwellen sind in Nussbaumen sicherlich keine Option, da grössere Fahrzeuge wie Traktoren ansonsten nicht mehr durchs Dorf kommen“, sagt Patrick Schneider vom Elternforum. Möglicherweise könne aber der Durchgangsverkehr eingeschränkt oder eine klarere Trennung zwischen Kindern und Motorfahrzeugen eingeführt werden. „Wir wollen aber bewusst noch keine konkreten Lösungen vorschlagen, sondern erstmals eine Prüfung der Möglichkeiten veranlassen“, sagt Schneider. Man sei darum bemüht, für alle Parteien einen guten Kompromiss zu finden und schätze deshalb auch kritische Stimmen. 

 

"Ohne aufmerksame Kinder bringen bauliche Massnahmen nichts"

Auch in Homburg wurde das Thema Schulwegsicherheit an den Gemeinderat herangetragen. Dies führte zu baulichen Massnahmen, die bis Ende April abgeschlossen sein sollten.

Herr Wiget, wo liegt in der Gemeinde Homburg das Problem mit der Schulwegsicherheit? 
Bedingt durch die Weitläufigkeit unserer Gemeinde mit je zwei Primar- und zwei Oberstufen-Standorten sind unsere Schüler viel unterwegs. Nach der Sanierung der Passage über die Müllheimerstrasse in Unterhörstetten im vergangenen Jahr sind wir nun daran, die Sicherheit auch in Hörhausen zu verbessern. Das Postauto, mit dem ein Grossteil der Schüler zur Schule kommt, hält relativ weit weg vom Schulhaus. Die Kinder müssen die restliche Strecke über die Käserei- und die Gündelhartstrasse zu Fuss gehen. Die Schulbehörde trat mit dem Begehren an die Gemeinde, diese Strecke sicherer zu machen. 

Was war bei dieser Strecke denn kritisch?
Auf diesen beiden recht breit ausgebauten Strassen gibt es keine bauliche oder optische Trennung zwischen privatem und landwirtschaftlichem Verkehr und den Kindern auf ihrem Weg zur Schule. 

Und was sind die baulichen Massnahmen, die ergriffen wurden?
Beide Strassen werden um zirka 80 Zentimeter verbreitert. Das ist deshalb nötig, weil ein Fussgängerbereich von 1,5 Meter eingerichtet wird. Dieser wird dann mit Pollern gesichert, also Pfosten, die für den Winterdienst befristet entfernt werden können und die den Fussgängerbereich nicht nur visuell von der Fahrbahn trennen. Bei der Käsereistrasse wird zudem das Trottoir im Bereich des Einlenkens von der Hauptstrasse verlängert und erhöht.
 

Wie teuer waren diese Massnahmen?

Die Kosten werden sich auf über 300'000 Franken belaufen.

Was bringen denn die baulichen Massnahmen tatsächlich?
Das wird sich noch zeigen. Nicht zu vergessen ist, dass man die Kinder aber auch darauf aufmerksam machen und ihnen zeigen sollte, wo und wie sie auf der Strasse unterwegs sein sollen. Sonst bringen die baulichen Massnahmen nicht viel.

Wo liegen die grössten Probleme bei einer angestrebten Sicherung des Schulweges?
Natürlich befindet man sich bei diesem Thema irgendwie im Clinch: Einerseits ist die Gefährdung der Kinder zu minimieren, anderseits aber muss auch anderen Bedürfnissen – hier vor allem jenen der Landwirtschaft – Rechnung getragen werden. (vst)

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