Die Weltraumknipser aus Frauenfeld

  • Die Welt von oben: Die in der Ballonkapsel installierte Kamera hat auf ihrem Weg in die Stratosphäre spektakuläre Aufnahmen geschossen.
    Die Welt von oben: Die in der Ballonkapsel installierte Kamera hat auf ihrem Weg in die Stratosphäre spektakuläre Aufnahmen geschossen. (Bild: Spaceballon1)
19.06.2017 | 06:45

FRAUENFELD ⋅ Drei Schüler haben einen Heliumballon in die Stratosphäre steigen lassen. Die Box mit den Bildern fanden sie vier Stunden später oberhalb vom Sarnersee.

Hugo Berger

Hugo Berger

frauenfeld@thurgauerzeitung.ch

Sonntagmorgen, ein wolkenloser Himmel und kein Lüftchen – ein idealer Tag, einen Wetterballon steigen zu lassen. Genau das haben die drei Sekschüler Lucca Zuberbühler, Emanuel Fröhlich und Jan Kaiser auch vor. Und zwar soll der Heliumballon bis zur Strato­sphäre hochsteigen, das sind 35 Kilometer.

Eigentlich war der Start am Samstag vorgesehen, doch das Wetter hatte ihnen einen Strich durch die Rechnung gemacht. «Unsere Berechnungen hatten ergeben, dass der Ballon unter den Bedingungen irgendwo im Gebirge landen würde», teilen die drei Tüftler ihren Fans auf der Website mit. Nach den neuen Berechnungen soll der Wind den Ballon Richtung Winterthur, Uster, Meilen bis hin zum Sempachersee treiben.

8.30 Uhr: Auf einer Wiese an der Unteren Weinackerstrasse laufen die Startvorbereitungen auf Hochtouren.

GPS-Tracker übermittelt Landungskoordinaten

Der Ballon muss an die Heliumflasche angeschlossen und gefüllt werden. Vier Kubikmeter sind erforderlich, um die Traglast von 1600 Gramm zu transportieren. Die Ballonhülle darf nicht beschädigt werden, daher wird mit Handschuhen gearbeitet. «Die richtige Flasche zu organisieren, war etwas vom Schwierigsten, denn diese Grösse gibt es auf dem Markt gar nicht mehr», erzählt Jan Kaiser. Das ganze Projekt koste rund 1500 Franken und werde durch Sponsoren finanziert, erzählen die Schüler und fügen an: «Wir haben sehr viel Zeit aufgewendet, aber es hat Spass gemacht.» Während der Ballon dicker und dicker wird, kommen immer mehr Zaungäste, um den Start zu verfolgen. Gefragt ist auch die Hilfe der Väter. «Ich finde es toll, dass sich die drei dermassen ins Zeug legen», lobt Kaspar Fröhlich. Er verschliesst die Styroporbox mit Klebeband und knüpft sie mit einer langen Leine an den Ballon. Dieser wird sich in der dünnen Luft immer weiter aufblähen und schliesslich platzen. Die Box aber soll die Reise zur Stratosphäre heil überstehen, indem sie von einem Fallschirm gebremst zur Erde zurückgleitet.

Nur muss sie dann auch gefunden werden. Ein GPS-Tracker, der sich in der Box befindet, soll dabei helfen, indem er nach der Landung die Koordinaten übermittelt, die ins Navi eingegeben werden. Eine Kamera schiesst alle fünf Sekunden ein Bild. Und weil es in der Troposphäre – das ist eine Höhe von rund 15 Kilometern – bis zu minus 60 Grad kalt werden kann, wird ein Abkühlen der Geräte durch Handwärmer verhindert.

Ein Baum bringt das Projekt in Gefahr

10.30 Uhr: Der Ballon ist auf einen Durchmesser von rund zwei Metern angeschwollen. Der Auftrieb beginnt zu wirken, er muss mit Kraft zurückgehalten werden. Zwischendurch kommt immer wieder Wind auf. Besorgte Blicke gelten einem nahestehenden Baum. «Wenn der Ballon an den Ästen hängen bleibt, ist unser Projekt gestorben, bevor es begann», befürchten die Schüler. Ein Versuchsballon soll die Windverhältnisse klären. Dieser steigt kerzengerade auf. Dem Start steht somit nichts mehr im Wege. Unter Applaus folgt ihm der Heliumballon in den blauen Himmel, wird kleiner und kleiner und verschwindet schliesslich in einer Wolke. Zwei Stunden wird er unterwegs sein. Zeit für die Ballonmannschaft, die Box zu finden. «Das Auto steht bereit mit Leiter und Gummiboot, falls er im See landet», sagt Kaspar Fröhlich und macht sich mit den Schülern auf den Weg.

14.45 Uhr kommt die Nachricht: «Geschafft! Wir haben die Sonde wohlbehalten auf einer frisch gemähten Wiese oberhalb des Sarnersees gefunden.»

Kommentare
zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden
Ein neues Posting hinzufügen

Sie dürfen noch Zeichen schreiben.
Bei jedem neuen Beitrag in dieser Diskussion erhalten Sie eine entsprechende Benachrichtigung
Füllen Sie bitte die notwendigen Felder für die Registrierung aus.

Geben Sie bitte folgende Daten ein, um sich zu registrieren und Ihren Kommentar zu speichern.

Ich habe die AGB gelesen und akzeptiert.:
Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

Welcher der folgenden Begriffe ist keine Farbe: Gelb, Blau, Tisch?
 

Meistgelesen

Wenn sich Gewalt ihren Bann bricht, sind alle gefordert - Beteiligte, Arbeitgeber, und oftmals auch Richter.
Kanton Thurgau: 28.06.2017, 06:31

Rote Köpfe und blaue Augen

Ein Mitarbeiter der Ernst Fischer AG wird am Arbeitsplatz handgreiflich gegen eine ...
Beste Laune bei diesen beiden Festivalbesuchern, obwohl es noch lange geht, bis sie aufs Gelände dürfen.
Ostschweiz: 28.06.2017, 09:44

Jetzt live: Das grosse Warten aufs Open Air St.Gallen

Das Areal des Open Airs St.Gallen wird erst am Donnerstagnachmittag geöffnet.
Derzeit sieht es so aus, als könnte man auch in diesem Jahr gut Regenstiefel brauchen im Sittertobel.
Ostschweiz: 28.06.2017, 06:40

Gummistiefel werden knapp

Die Wetterprognosen versprechen auch dieses Jahr ein schlammiges Open Air.
In den vergangenen Jahren war das Open Air St.Gallen bereits früh ausverkauft.
Ostschweiz: 28.06.2017, 05:00

Open-Air-Chef: "Unsere Existenz ist nicht bedroht"

Bereits in zwei Tagen geht das Open Air St.Gallen los.
Manch einer kommt von weit her und ist noch nicht mit den Gepflogenheiten vom Sittertobel vertraut
Ostschweiz: 28.06.2017, 10:56

Liebe Nicht-Ostschweizer, das muss man über das OASG wissen!

Wer in der Ostschweiz aufgewachsen ist, hat das Open Air St.Gallen schon mit der Muttermilch ...
Moderatorin Sabine Dahinden (links) wandert gemeinsam mit Sekundarschülerinnen und -schülern aus dem Obertoggenburg von der Gamsalp auf den Chäserrugg.
Toggenburg Aufschlag: 27.06.2017, 16:30

Moderatorin Sabine Dahinden erklimmt den Chäserrugg

Ein Team von «Schweiz aktuell» war am Montag im Toggenburg unterwegs, um Aufzeichnungen für eine ...
China-Southern-Passagiere mussten in Shanghai stundenlang auf einen Abflug warten. Grund war eine abergläubische Chinesin. (Symbolbild)
Wirtschaft: 28.06.2017, 07:00

Abergläubische Chinesin verzögert Abflug

Der Start eines Flugzeugs in China hat sich mehrere Stunden verzögert, weil eine abergläubische ...
Das Wrack der russischen Passagiermaschine am Tag nach dem Unglück.
Ostschweiz: 28.06.2017, 07:24

«Die Besinnung kommt erst später»

Am 1. Juli 2002 stiessen bei Überlingen am Bodensee zwei Flugzeuge in der Luft zusammen – ...
Fabian Füger in seiner Bäckerei.
Rorschach: 27.06.2017, 10:49

Steinacher Beck holt nationalen Preis

Der junge Bäcker-Konditor Fabian Füger ist mit der nationalen Branchenauszeichnung "Bäckerkrone" ...
Dieses Jahr wird es mehr Regentropfen als Sonnenstrahlen geben.
Ostschweiz: 26.06.2017, 13:46

Sonnencreme oder Gummistiefel? - So wird das Open-Air-Wetter

Gewitter, kalt und Sonnenschein: Am diesjährigen Open Air St.Gallen ist von allem etwas dabei.
Zur klassischen Ansicht wechseln