FRAUENFELD

Die Reihe lichtet sich

Ende Monat schliesst Foto Prisma in der Altstadt. Kirsten und Christoph Oertle verlegen ihr Geschäft nach Matzingen und satteln teilweise um.
12.09.2017 | 07:31
Stefan Hilzinger

Stefan Hilzinger

stefan.hilzinger@thurgauerzeitung.ch

Die beste Lage zwischen «Scharfem Eck» und Rathaushausapotheke nützte letztlich auch nichts mehr. Ende September beginnt für Kirsten und Christoph Oertle ein neues Leben in Matzingen. Foto Prisma, ihre Firma, verlässt nach 25 Jahren die Frauenfelder Altstadt und damit einen Standort, der während Jahrzehnten Fachgeschäfte beheimatete. Vor Foto Prisma war es Foto Duijts und noch früher befand sich in der Liegenschaft das Mercerie-Geschäft Hüeblin, wie sich ältere Frauenfelderinnen und Frauenfelder erinnern mögen.

Das Studio bleibt, der Handel verschwindet

«Die Branche hat sich grund­legend verändert», sagt Kirsten Oertle nüchtern. Digitalisierung, Online-Handel und Einkaufstourismus haben dem klassischen Fotofachgeschäft die Geschäftsbasis entzogen. Die wirtschaftliche Entwicklung und die Tatsache, dass der Eigentümer plant, die Liegenschaft an der Zürcherstrasse 151 umzubauen, haben Oertles bewogen, einen neuen Standort zu suchen. Denn die Firma verschwindet nicht von der Bildfläche. «Der Bereich Foto­studio und Fotografie bleibt bestehen am neuen Standort. Hier läuft es gut. Da kann ich mich nicht beklagen.», sagt Fotografin Oertle. Sie fotografiert für Firmen, hält Anlässe wie Jubiläen oder Hochzeiten fest und macht Gruppen- oder Einzelporträts. Im kommenden Jahr erscheint zum vierten Mal ihr Kalender mit Sujets aus dem Appenzeller Brauchtum. «Das ist mein grosses Hobby», sagt sie. Aus dem Appenzellerland zogen Oertles damals in den Thurgau.

Eigentlich hatten die beiden geplant, in Frauenfeld zu bleiben, doch sie fanden keinen für sie ­bezahlbaren Standort. «Seit vier Jahren wissen wir von den Umbauplänen, vor zweieinhalb Jahren haben wir angefangen, uns umzusehen.» Zu den besten Zeiten beschäftigte Foto Prisma an den Standorten Frauenfeld und Weinfelden neun Personen. Nun sind es noch sie, ihr Mann und eine Praktikantin. Doch ihr Mann Christoph wird mit dem Umzug teilweise umsatteln. «Er kommt ursprünglich aus der Baubranche und kehrt nun quasi wieder ­dorthin zurück», sagt Oertle. Er übernimmt die Hauswartung der Wohn- und Geschäftsliegenschaft «Mühli» in Matzingen. Seine Stelle hat er bereits angetreten. Dorthin wird Foto Prisma Ende September umziehen.

Der Wind hat schon lange gedreht

Ihre letzte Hochblüte habe die Fotobranche in den 1970er- und 1980er-Jahren gehabt. Damals seien neue Kameras über den Ladentisch gegangen wie warme Weggli, sagt sie. Doch schon als sie vor 25 Jahren in der Frauenfelder Altstadt starteten, habe der Wind angefangen zu drehen. Früh hatten sie nebst analoger Technik auch ein digitales Studio eingerichtet. Auch habe vor allem ihr Mann weiterhin Kameras ­verkauft. Doch die Margen seien mittlerweile zu tief. «Mir tun unsere älteren Kunden leid, die im digitalen Bereich auf Beratung und Unterstützung angewiesen sind.» Aber es rentiere halt einfach nicht, die Kunden zu beraten, zwei Fotos ab Datenträger auszudrucken und dafür eine halbe Stunde aufzuwenden.

Getroffen hat die Branche auch die Einführung des biometrischen Passes in der Schweiz im März 2010. «Seiher dürfen wir Fotofachgeschäfte für Schweizer Staatsbürger keine Passfotos mehr machen.» Das habe Umsatz gekostet. Für Identitätskarten sei dies im Thurgau noch möglich. «Es ist wohl eine Frage der Zeit, bis auch das nur noch auf Ämtern möglich ist.»

Bloss wenige Häuser weiter an der Zürcherstrasse steht seit längerem ein Ladenlokal leer, nachdem die Filiale des Bücherladens Weltbild dichtmachte. Einst befand sich dort das Traditionsgeschäft Ettlin. Auch für die Pizzeria Citadella um die Ecke an der Freie Strasse wird seit längerem ein Pächter gesucht.

Kerstin Oertle weiss um die fragile Lage der Geschäfte in der Frauenfelder Innenstadt. Sie begrüsst die Bemühungen, die Altstadt zu beleben. Doch man gehe nicht mehr zum Lädele in die Altstadt. «Früher gab es Laufkundschaft, doch nun fehlt die Frequenz. Hinzu kommt, dass die Mieten für Ladenlokale gleich geblieben sind, trotz sinkender Umsätze.» Da sollte sich angesichts der Entwicklung etwas tun, findet Oertle. Ähnlich sieht das Elisabeth Steiner von der Interessengemeinschaft Frauenfelder Innenstadt (siehe Interview).

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