MÜLLHEIM-WIGOLTINGEN

Der Zwerg mit der Ähre

Die E. Zwicky AG feiert ihr 125-jähriges Bestehen. Das Unternehmen setzt auf Innovation – auch wegen des enormen Preisdrucks.
17.06.2017 | 09:04
Rahel Haag

Rahel Haag

rahel.haag

@thurgauerzeitung.ch

Der Wind zerrt an dem Ballonbogen in Rot und Hellgrün – den Farben der Firma. Die E. Zwicky AG feiert ihr 125-jähriges Bestehen. Einige Schritte weiter zerrt der Wind auch an den grünen Haarnetzen und den weissen Mäntelchen, dem Outfit für den Rundgang durch die Produktion. Er beginnt dort, wo die Camions ihre Ware abliefern. Heute liegt hier ein roter Teppich über dem Rost. Man spürt ihn unter den Füssen. Im Kommandoraum sind acht Säcke aufgereiht. Gefüllt mit den Produkten, die hier verarbeitet werden. Mais, Weizen, Sojabohnen, Bio-Chia, Buchweizen, Dinkel, Roggen und Gerste. An der Wand hängt ein Bild der Firma aus dem Jahr 1977.

In der Spezialmühle Süd geht es im Lift in den vierten Stock. Die Besucher stehen dicht gedrängt. Oben angekommen, dröhnt eine Maschine, die aus Körnern Flocken macht. Um der Gleichmässigkeit willen wird das Getreide zuerst mit Dampf aufgeweicht und geht anschliessend über eine Walze. Ein Stock tiefer werden die Flocken getrocknet und abgekühlt.

«Der Preisdruck ist enorm»

«Im Schweizer Markt sind wir gut aufgestellt», sagt Verwaltungsratspräsident Thomas Klopfen­stein. Dennoch gibt es auch Herausforderungen. Seit Anfang 2015 hätten sich diese gewaltig verändert. Das Einkaufsverhalten der Grossabnehmer habe sich stark gewandelt. «Sie sind sehr fordernd», sagt er. Auch das Einkaufsverhalten der Konsumenten habe sich verändert, fügt Kurt Krucker, Vorsitzender der Geschäftsleitung, an. Sie kauften im Ausland ein, wo die Produkte günstiger seien. «Der Preisdruck ist enorm», sagt er. In seiner Ansprache vor dem Mittagessen wird Klopfenstein konkreter: «In der Schweiz kostet Weizen 50 Franken, dieselbe Menge in derselben Qualität kostet in Deutschland nur 18 Franken.» Umso wichtiger sei es, innovativ zu sein. So gibt’s zum Geburtstag ein Müesli. «100% Schweiz» heisst es und besteht ausschliesslich aus Schweizer Zutaten. Wie zu Urgrossmutters Zeiten. Zudem stellt das Unternehmen glutenfreie Produkte her.

Auf dem Rundgang sieht man mehr Maschinen als Menschen. Überall brummt und schüttelt es, Fliessbänder schlängeln sich quer durch die Räume. Die wenigen Angestellten, die man trifft, füllen Endprodukte in Säcke ab, kontrollieren Verpackungen und etikettieren sie. 75 Vollzeitmitarbeitende und fünf Aushilfen sind hier beschäftigt. «Die Automatisierung wird in Zukunft noch zunehmen», sagt Klopfenstein.

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