ARBON

Platz für drei Hochhäuser

Der Stadtrat hat die Revision der Ortsplanung abgeschlossen und macht sie öffentlich. Für blockierte Projekte wie die Überbauung des Metropol-Areals schafft der Zonenplan grünes Licht. Die Bürger können mitreden.
12.09.2017 | 05:18
Max Eichenberger

Max Eichenberger

max.eichenberger

@thurgauerzeitung.ch

Die Materie ist technisch, mutet für viele abstrakt an und kommt in den Begriffen der Planer ziemlich knochentrocken daher. Und doch: die verschiedenen Instrumente der Ortsplanung – vom Richtplan, der in thematische Teilbereiche wie Siedlung und Verkehr gegliedert ist, über den Schutzplan bis hin zum Zonenplan und Baureglement – bilden die wichtigsten Grundlagen der städtischen Entwicklung. Sie setzen die Leitplanken, dass diese geordnet und nicht willkürlich verläuft. Und sie sind verbindlich: die Richtpläne für die Behörde – der Zonenplan, der einem Patchwork-Teppich ähnelt, mitsamt Baureglement für die Grundeigentümer und Bauwilligen.

Eine Fristverlängerung ist beantragt

Jetzt hat der Stadtrat die Revision, die eigentlich überfällig war, gestemmt, seinen Auftrag erfüllt und das Mitwirkungsverfahren eröffnet. «Wir waren die umfangreiche Arbeit 2012 schon angegangen. Doch weil der Kanton zwischenzeitlich ein neues Planungs- und Baugesetz erlassen und ein regionales Musterbaureglement erarbeitet hatte, sahen wir uns damals veranlasst zuzuwarten, bis diese Grundlagen erstellt sind», begründet Stadtpräsident Andreas Balg die Verzögerung. Das habe absolut Sinn gemacht.

Bis das ganze Paket allerdings rechtskräftig unter Dach gebracht werden kann, gibt es einen neuerlichen Aufschub: «Wir haben eine Fristverlängerung beantragt», sagt Balg. Schliesslich handle es sich um eine aufwendige Totalrevision. Weiterbearbeitet wurde in dieser Phase der Schutzplan, der verabschiedet ist. 122 zusätzliche Objekte sind zu den bisherigen knapp 200 in eine ergänzende Liste aufgenommen worden. Vierzig Einsprachen müssen laut Stadtplaner Thomas Wiegand bearbeitet werden. Dazu ist per 1. Oktober eine zusätzliche Fachkraft befristet engagiert worden, um den Berg bewältigen zu können.

Zonenplan ermöglicht «Riva»-Hochhausprojekt

Auf einer «etwas höheren Fluglinie» hätten rund achtzig Workshop-Teilnehmer vorgängig ein sogenanntes «räumliches Entwicklungsleitbild» der Stadt skizziert. Diese visionäre Sicht sei dann Grundlage gewesen für die Ausarbeitung der verschiedenen Detailpläne, erläuterten Balg und Wiegand das Vorgehen gestern Nachmittag. Worauf wird der Fokus gelegt? Man setzt akzentuiert auf «Verdichtung nach innen» und Entwicklungsschwerpunkte entlang der Hauptverkehrsachsen. Insbesondere spielt hier die neue Kantonsstrasse eine wichtige Rolle, mit Blick auf eine künftige Bodensee-Thurtal-Strasse (BTS). Andere Strassen, wie die Egnacher Strasse, werden in der Hierarchie zurückgebunden.

Auf der Frasnachter Brunnenwiese soll ein Gewerbepark entstehen. Einen Gestaltungsplan hat der Stadtrat zur Vorprüfung freigegeben. Die Quartierstrukturen werden im Stadtbild betont. Teil des Planungspakets ist ein Hochhauskonzept für das gesamte Stadtgebiet, das aufzeigt, wo «höhere Häuser» (17 bis 30 Meter) und «Hochhäuser» (ab 30 Meter) grundsätzlich gebaut werden dürfen. Danach wäre die Neuüberbauung der Metropol-Parzelle (HRS-Projekt Riva) ebenso möglich wie ein Pendant neben dem Saurer-Hochhaus an der Bodmerallee oder eines auf der Schützenwiese (bei der Alterssiedlung).

Sichergestellt im Zonenplan wird Balg zufolge, dass Projekte wie «Seesicht» (HRS, ehemaliges Jumbo-Areal), «Seeterrasse» (Bressan, Seestrasse/Bahnlinie) oder «Stachen Süd» (der Gestaltungsplan liegt zur Vorprüfung beim Kanton) realisierungsfähig werden. Und die neu geschaffene Tourismus- und Freizeitzone auf dem Hafendamm soll dort den Bau des Gastro-Pavillons ermöglichen, der nach jetzigem Recht nicht bewilligt werden kann.

Ansonsten sei vieles entschlackt und begrifflich vereinheitlicht worden, so Wiegand: «Im Zonenplan haben wir zudem bei den vielen Mischzonen aufgeräumt.» Als Instanz zwischen Stadtrat und Verwaltung soll künftig eine Planungs- und Baukommission walten und einen Teil der Baugesuche – laut Balg etwa die Hälfte – selber entscheiden können. Die Ortsbildschutzkommission würde aufgehoben.

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