AMRISWIL

Er hatte ein grosses Herz

Bruno Wellauer ist nicht mehr. Für seine Süssigkeiten und seine Gastfreundschaft war er bis weit über die Gemeindegrenze hinweg bekannt. Zusätzlich betätigte er sich in zahlreichen Funktionen für die Gemeinschaft.
13.01.2018 | 05:19
Eugen Fahrni

Eugen Fahrni

amriswil@thurgauerzeitung.ch

Mit dem Tod von Bruno Wellauer am 2. Januar ist Amriswil um eine markante Persönlichkeit, einen grosszügigen Mitbürger und ein wertvolles Mitglied der Gemeinschaft ärmer. Unvergessen bleibt sein Einsatz als Angehöriger seines Berufsstandes, als Lokal- und Kantonalpolitiker, als Amriswiler mit vielen Interessen, aber auch als einer mit Ecken und Kanten. Sein Humor und seine Grosszügigkeit werden fehlen. Er hatte ein grosses Herz.

Bruno Wellauer wurde am 11.11.1933 in Weiningen geboren als Sohn eines Försters. Hier wuchs er in einfachen Verhältnissen auf. Nach der Schulzeit wurde sein Traum wahr. Er bekam eine Lehrstelle als Konditor-Confiseur in St.Gallen, zu einer Zeit, als die Eltern für eine solche Lehrstelle noch 800 Franken aufbringen mussten. Bei der Abschlussprüfung gehörte er zu den Besten. Er liebte seinen Beruf über alles. Nach mehreren Wanderjahren erhielt er eine Stelle in Schaffhausen. Hier begegnete er seiner künftigen Frau Silvia Bechtel. 1960 wurde geheiratet und drei Jahre später übernahm das «Team Wellauer» den Tea-Room mit Konditorei «Elite» an der Ecke Kirchstrasse-Poststrasse in Amriswil. Lange dauerte es nicht und «das Wellauer» wurde zum beliebten Treffpunkt für Amriswiler, die einen guten Kaffee und feinste Süssigkeiten schätzten. Hier legte das Ehepaar den Grundstein für den Erfolg und für Produkte wie Amriswiler Wäppli, Mostfässli, Schneggli oder ganz einfach für die Pralinés.
 

Der Umzug an die Bahnhofstrasse

1977 konnten Wellauers das Café mit Confiserie Bachmann an der Bahnhofstrasse (heute Rösslibeck 8580) kaufen. Hier gelang ihnen dank freundlichem Umgang mit der Kundschaft und ihrem Streben nach höchster Produktequalität den Bekanntheitsgrad weit über die Gemeindegrenzen hinaus zu steigern. Nach der Chorprobe, nach dem Training im Sportverein, nach einer Sitzung traf man sich fast selbstverständlich «im Wellauer». Während acht Jahren führte das Ehepaar in den Sommermonaten zudem das Restaurant im Amriswiler Strandbad in Uttwil. Auch diese Aufgabe erledigten die beiden mit Bravour.

In seinem Beruf war Bruno Wellauer eine Klasse für sich. Er war kreativ und entwickelte immer wieder neue, noch bessere und schmackhaftere Produkte. Seine Thurgados Öpfeli beispielsweise liebten die Feinschmecker in der halben Schweiz. Diesen Fachmann holten sich auch die Berufsverbände in die Führungsgremien. Er wurde Ehrenpräsident der Thurgauer Konditor-Confiseure und Ehrenmitglied der Schweizer Bäcker-Confiseure. In der Berufsschule in Weinfelden war er als Fachlehrer und Prüfungsexperte geschätzt.

Seine Begeisterung für seinen Berufsstand übertrug sich auch auf die beiden Söhne. Urs ist heute Direktor der Schweizer Bäcker-Confiseure, Ralf ist Kreativ-Fachberater der Schokoladen-Unternehmung Max Felchlin AG.

Bruno Wellauer stellte sich zudem immer wieder der Gemeinschaft zur Verfügung: Als Gemeinderat, als Präsident der Oberstufe (1984-1992), als Präsident der Kommission für ein 10. Schuljahr im Oberthurgau, als Kantonsrat, als Präsident der FDP-Lokal- und Bezirkspartei, als Präsident und Ehrenpräsident der Gönnervereinigung Volley Amriswil und als Präsident der Turnveteranen. Ferner engagierte er sich als Vizepräsident im kantonalen Gewerbeverband.

Alle Ämter führte Bruno Wellauer mit Stolz, Gewissenhaftigkeit und Verantwortungsbewusstsein. Er brachte sich gerne ein, wo er mit seinem Wissen einen Beitrag zu guten Entscheidungen leisten konnte. In seiner Zeit als Gemeinderat fiel der Zusammenschluss zur Einheitsgemeinde und der Bau des Wasserreservoirs in der Oberau. Entspannung suchte und fand er bei seinen guten Freunden auf der Jagd oder beim Jassen.
 

Immer einen Teller Köstlichkeiten bereit

Viele Amriswiler erinnern sich noch gerne an Sitzungen oder Besprechungen mit Bruno Wellauer. Oft stellte er einen Teller mit Köstlichkeiten aus der eigenen Backstube oder der Confiserie mitten auf den Tisch, bevor er eine Sitzung eröffnete. Er nahm dann meistens als Erster ein Gipfeli oder ein Praliné, und meinte verschmitzt: «Wir machen einfach gute Sachen.» Für seine Produkte war er selber der beste Werbeträger. Im Café Wellauer freute man sich stets auf die herzliche Gastlichkeit, auf den leutseligen und oft zu einem Spass aufgelegten Inhaber. Dahinter standen jedoch ein hart arbeitendes Ehepaar und dessen Personal. Sie alle glänzten durch Professionalität und die Liebe zur Begegnung mit den Gästen, die sie gerne mit ihren Produkten verwöhnten. Amriswil und der Thurgau werden den grosszügigen Konditor-Confiseur Bruno Wellauer mit dem grossen Herz in guter Erinnerung behalten.

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