BILDUNGSPOLITIK

Stiftung übernimmt Schweizerschule

Der Bund schenkt einer St. Galler Stiftung das Gebäude der Schweizerschule in Rom. Vorher aber muss er eine Million Franken in die alte Villa investieren. Eltern von Schülern beklagen sich zunehmend über die Infrastruktur.
13.01.2018 | 05:19
Conradin Knabenhans

Conradin Knabenhans

ostschweiz@tagblatt.ch

Wer in Rom die Schweizerschule besucht, tut dies nach Regeln des Kantons St.Gallen. Als Patronatskanton der Schule prüft dieser den Lehrplan, hilft Lehrern bei der Weiterbildung in der Schweiz oder stellt die Experten für die Maturitätsprüfung. Der Kanton St.Gallen hat sich auch sehr stark dafür eingesetzt, dass das Schulgebäude vom Bund endlich an eine neue Trägerschaft über­geben wird.

Das Geschäft sieht folgendermassen aus: Bundesbern überträgt die Liegenschaft an der Via Malpighi als Schenkung an die neu gegründete St.Galler Stiftung Schweizerschule Rom. Die Eidgenossenschaft verpflichtet sich, das Schulgebäude – darunter auch Turnhalle und Mensa – wieder betriebssicher zu machen. Allein dafür investieren das Bundesamt für Bauten und Logistik und das Bundesamt für Kultur 1,3 Millionen Franken – die Ämter bestätigen entsprechende Recherchen der «Zürichsee-Zeitung». Die Stiftung selbst wird das Gebäude dann in den kommenden Jahren den Betreibern der Schule, einem nicht profitorientierten Verein, zur Verfügung stellen. Ab dem Zeitpunkt der Eigentumsübertragung kommt dann die Stiftung für sämtliche Investitionskosten auf.
 

Eltern wollten Kinder abmelden

Der Deal zwischen dem Bund und der Stiftung Schweizerschule Rom ist dringend notwendig. Mit rund 500 Schülern ist die 1946 gegründete Schweizerschule in Rom eine der grösseren weltweit. Doch die Zahl der Schülerinnen und Schüler drohte zu sinken, weil mehrere Eltern ihre Kinder von der Schule abmelden wollten. Die schlechte Situation bei der Infrastruktur machte ihnen Sorgen. «Viele der Eltern, die ­unsicher waren, konnten wir überzeugen, bei uns zu bleiben», sagt der Zürcher Stadtrat Filippo Leutenegger (FDP), der als Stiftungsratspräsident amtet. Der St.Galler Bildungsdirektor Stefan Kölliker (SVP) und er besuchten im vergangenen Jahr gemeinsam die Schule, um über die geplanten Projekte direkt zu informieren. Leuteneggers hervorragende Italienischkenntnisse kamen ihm dabei zugute: «Man darf nicht vergessen, dass die Schweizerschule in Rom einen grossen Einfluss auf das Image der Schweiz in der Stadt hat.»

Die Unsicherheit der Eltern führt Bildungsdirektor Kölliker auf eine Art «Vakuum» zurück, das in den letzten Jahren entstanden sei. Offenbar hat es der Bund in den vergangenen sieben Jahren, als über die Zukunft des Schul­gebäudes verhandelt wurde, unterlassen, gross in die Liegenschaft zu investieren. 2014 scheiterte ein erster Versuch an den Preisvorstellungen des Bundes. Weil der Bund rund eine Million Franken für das Gebäude wollte, wären Steuern von 1,5 Millionen Franken angefallen. Das konnte sich die Trägerschaft nicht leisten.
 

Mit Bundesrat verhandelt

Hinter den Kulissen wurde daraufhin nach einer neuen Lösung gesucht und in der unentgelt­lichen Übergabe des Gebäudes gefunden. Vor zwei Jahren ging der Direktor der Schweizerschule in Rom, José Oberson Mau, erstmals auf Filippo Leutenegger zu. Es folgten mehrere Treffen – mit dem St. Galler Bildungsdirektor Stefan Kölliker, Bundespolitikern und gar mit dem zuständigen Bundesrat, Finanzvorsteher Ueli Maurer. «In dieser Zeit konnten wir zwischen dem Bund und der Stiftung wichtiges Vertrauen aufbauen», betont Leutenegger. Der Bund könne sich nun darauf verlassen, dass die Stiftung das Geschäft seriös an die Hand nehme und so langfristig der Schule zum Erfolg verhelfe. Bis Ende 2018 findet die Eigentumsübertragung vom Bund an die neu gegründete Stiftung statt, so lange hat die Eidgenossenschaft auch Zeit, das Gebäude wieder betriebssicher zu machen.

Dass eine St.Galler Stiftung nun in die Bresche springen muss, um das Gebäude zu übernehmen und der Schule lang­fristig zur Verfügung zu stellen, erklärt sich auch mit dem italienischen Recht. «Es ist fast unmöglich, dass der Bund eine ­solche Vereinbarung mit den Betreibern der Schule nach italie­nischen Regeln abgeschlossen hätte», meint ­Leutenegger. Zu un­terschiedlich sind die politischen Systeme, ­verschieden auch die Mentalität, solche Geschäfte zu regeln.
 

Leutenegger kündigt ­Fundraising an

Wenn das Gebäude bis Ende 2018 betriebssicher ist, geht die finanzielle Verpflichtung an die Stiftung über. «Wir müssen für den langfristigen Betrieb ein Fund­raising auf die Beine stellen», sagt Leutenegger. So müssten beispielsweise in die Moderni­sierung von Turnhalle, Musiksaal oder Bibliothek sicherlich noch Gelder investiert werden. Der Zürcher Stadtrat spricht auch hier von einem Millionenbetrag. Die genaue Höhe werde nun in der Gesamtplanung errechnet. Wie wichtig Leutenegger das Projekt ist, zeigt sich auch an seinem Versprechen: Er selbst werde privat selbstverständlich auch Geld ­beisteuern, um ein Zeichen zu setzen.

Der Kanton St.Gallen habe ­finanziell keine Verantwortung, betont der St.Galler Bildungs­direktor Stefan Kölliker. Wenn man sich am Fundraising betei­lige, dann höchstens über den Lotteriefonds.

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