St.Galler Goldschmied hört auf

  • Niklaus Maeder hat mit 74 genug, obwohl er noch gar nicht genug hätte.
    Niklaus Maeder hat mit 74 genug, obwohl er noch gar nicht genug hätte. (Bild: Ralph Ribi)
14.09.2017 | 06:57

SCHLIESSUNG ⋅ Der St.Galler Goldschmied und Schmuckdesigner Niklaus Maeder schliesst sein Geschäft an der Löwengasse 4. Inspiriert haben ihn Landschaften, Fotos von Prinzessinnen oder ein Schlangenskelett.

Nina Rudnicki

Nina Rudnicki

stadtredaktion@tagblatt.ch

Ein paar Schmuckstücke liegen noch in den Vitrinen im Ladenlokal von Niklaus Maeder. Es gibt mehrere Perlenketten, Ringe mit Edelsteinen, Armreife aus Ebenholz und ein Collier aus roten Schwammkorallen. Bis Ende September soll alles verkauft sein, zum halben Preis. Dann schliesst der St.Galler Goldschmied und Schmuckdesigner sein Geschäft Big Design an der Löwengasse 4. Vor 25 Jahren hat er es eröffnet und aufgebaut. Nun sei allerdings wegen der Bauarbeiten im nur wenige Meter entfernten «Spisermarkt» fast die gesamte Laufkundschaft ausgeblieben, sagt Maeder. Das werde sich auch in nächster Zeit nicht ändern, weil die Löwengasse neu gepflastert werde. «Darum höre ich jetzt auf, obwohl ich noch gerne zwei Jahre weiterarbeiten würde», sagt der 74-Jährige.

Vater wollte wieder einmal einen Künstler in der Familie

Dass er in diesem Beruf seine Erfüllung finden würde, war nicht abzusehen. Maeder begann als 15-Jähriger bei dem Gold- und Silberschmied-Geschäft Tannhei­mer am Gallusplatz auf Wunsch seines Vaters eine Lehre. «Mein Vater sagte damals, es brauche wieder einmal einen Künstler in der Familie. So bestimmte er, dass ich Silberschmied lernen sollte. Ich traute mich nicht, zu widersprechen», sagt Maeder. Unter seinen Vorfahren hatte es mehrere Holzbildhauer und Künstler gegeben. Der bekannteste ist etwa der Fotograf und Fotojournalist Herbert Maeder.

Nach der Lehre versuchte ­Niklaus Maeder erst einmal eine Stelle zu finden. «Aber ich merkte ziemlich schnell, dass es kaum welche gibt», sagt er. Daher liess er sich zum Goldschmied weiterbilden. Später leitete er ein Goldschmied-Atelier in Winterthur, bis er beschloss, sich in St.Gallen selbstständig zu machen. «Ich hatte mit meinem Geschäft vom ersten Tag an gute Zeiten. Ich verkaufte nur Einzelstücke, hatte kein Warenlager und fertigte den Schmuck nur auf Bestellung an», sagt er. Manchmal seien Frauen mit dem Foto einer Prinzessin bei ihm vorbeigekommen und hätten sich dieselben Schmuckstücke wie diese gewünscht. Den aussergewöhnlichsten Schmuck, den Niklaus Maeder jemals angefertigt hat, war ein vergoldetes Schlangenskelett. Eine Kundin hatte ihm die Knochen der Schlange vorbeigebracht mit dem Wunsch, dass er etwas Originelles entwerfen solle.

Niklaus Maeder hatte bei der Standortwahl seines Ateliers ein gutes Gespür gehabt. Bevor er dieses eröffnete, war er mit seiner Frau durch die Altstadt geschlendert.

In der Löwengasse stiessen sie auf ein teures Unterwäschegeschäft. «Ich dachte, wenn es dort Kundinnen gibt, die für ein Höschen 180 und für einen Büstenhalter 300 Franken bezahlen, könnte sie auch mein Schmuck interessieren», sagt Maeder. Er mietete die Räume nebenan.

Der alte Schmuck gefiel den Frauen nicht mehr

Das Gold, mit dem Maeder arbeitet, ist meist das Gold eingeschmolzener Schmuckstücke. «Manchmal sind Kunden mit Kisten voller geerbter Schmuckstücke bei mir vorbeigekommen. Der alte Schmuck gefiel ihnen nicht mehr und sie wünschten sich etwas Neues», sagt er. Gold ist Maeders Lieblingsarbeitsmaterial, weil es weich ist und sich damit einfach arbeiten lässt. Der Vorteil des Goldschmiedes sei aber, dass er mit allen Materialien arbeiten könne und Ebenholz, Horn, Knochen und Eisen mit Gold, Silber und Edelsteinen kombiniere. Die Inspiration für seine Arbeit hat Maeder stets in der Umgebung gefunden. Die Formen der Landschaften und der Architektur inspirieren ihn.

Für seine Zeit nach seiner Pension hat er keine Pläne, dafür aber ein Bauernhaus im Piemont, eine Tochter in Köln sowie eine Tochter und einen Sohn in Zürich. In Köln und im Piemont möchte er einen Teil seiner freien Zeit verbringen. Schmuck entwerfen wird er nicht mehr. Sein gesamtes Arbeitsmaterial – Zangen, Pinzetten, Fräser, Schleifscheiben, Lötanlagen und Karatwaagen – hat er verkauft. Er sagt: «Wenn auch nicht für mein Geschäft, so habe ich doch wenigstens für meine Werkzeuge einen Nachfolger gefunden.»

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