Jürg Brunner: Am Herd läuft er warm

  • Jürg Brunner in der Küche seines Hauses an der Aeplistrasse im Heiligkreuz-Quartier.
    Jürg Brunner in der Küche seines Hauses an der Aeplistrasse im Heiligkreuz-Quartier. (Bild: Jil Lohse)
13.09.2017 | 14:10

ST.GALLER STADTRATSWAHL ⋅ Jeden Sonntag kocht Jürg Brunner für Frau und Kinder mit dem Wok. Der Stadtratskandidat ist ein Familienmensch: In seinem Haus lebten bis vor kurzem noch drei Generationen unter einem Dach.

Luca Ghiselli

Luca Ghiselli

luca.ghiselli@tagblatt.ch

Drei Türglocken, dreimal Brunner. Schon vor dem Eintreten fällt auf, dass bei Stadtratskandidat Jürg Brunner zu Hause etwas besonders ist. Drei Generationen lebten hier unter einem Dach – bis Brunners Schwiegermutter vor Kurzem ins Pflegeheim zügelte. Im Erdgeschoss ist der SVP-Stadtratskandidat mit seiner Frau zu Hause, im ersten Stock wohnen seine drei erwachsenen Kinder – und der zweite Stock dient seither als Abstellraum.

Wer eintritt, sieht einen grossen, offenen Wohnbereich. Ein massiver Holztisch steht in der Mitte des Raums, Tiermalereien von Fritz Hug und Celestino Piatti hängen an der Wand, der Kratzbaum von Katze Lissi steht in der Ecke. Nicht nur das Wohnen ist bei Jürg Brunner ein Familienprojekt: In seinem Betrieb, der Kanalreinigungsfirma ASA-Service AG, arbeiten zwei der drei Kinder sowie seine Frau. «Wir sehen uns trotz allem aber nicht so häufig, wie man denken könnte», sagt Brunner. Der einzige gemeinsame Fixpunkt sei der Sonntag. «Dann koche ich für die ganze Familie und der Ausgang ist zweitrangig.» Stolz zeigt er, was er für das nächste Familienessen plant: Lammrücken mit Cranberry-Sauce. Am Wok fühlt sich der SVP-Stadtparlamentarier besonders wohl. «Damit kann man fast alles zubereiten.» Nur das Putzen danach sei nicht immer ganz einfach, sagt Brunner und lacht.

Auf der Spur seiner Vorfahren

Seine Familie beschäftigt Brunner auch abseits des Betriebs und des Esstischs. Er betreibt leidenschaftlich Ahnenforschung – und ist bei seinen Recherchen bereits auf viele spannende Details gestossen. «Einer meiner Vorfahren war 1845 kurz vor dem Sonderbundkrieg an der Ermordung des Luzerner Politikers Josef Leu beteiligt», sagt Brunner. Bis 1700 reicht seine Kenntnis darüber, wo er herkommt, zurück.

Seit fünf Jahren wohnt Brunner mit seiner Familie nun hier, unweit der Langgasse. Aufgewachsen ist der 57-Jährige in Arbon, danach wohnte er einige Jahre lang in Freidorf. «Ich war aber immer schon zur Stadt hin orientiert», sagt er. Die Kinder seien in der «Flade» zur Schule gegangen, das Geschäft ist in Winkeln. «Wir fühlen uns hier sehr wohl», sagt Brunner. Es sei ein familiäres Umfeld, man kenne sich unter den Nachbarn und doch sei das Quartier bunt durchmischt. «Und wir haben Platz für den Kräutergarten und den Grill», sagt Brunner und zeigt auf den grossen Garten.

Das Wikinger-Kostüm hängt nicht im Schrank

Eigentlich wollte er Lehrer werden. Aufgrund seiner stark eingeschränkten Sehkraft war das aber nicht möglich, und so machte Brunner die KV-Lehre. Nach Kaderpositionen bei einer Versicherung und beim kantonalen Baudepartement machte er sich selbstständig – bereits seit 17 Jahren führt er seine Firma. «Heute ist sie dreimal grösser als noch in den Anfangszeiten.» Seine Sehbehinderung hat Brunner aber sonst kaum eingeschränkt: Der Musikfan war Mitgründer des Arboner Musikfestivals – dem Vorgänger des «Summerdays». Und er war Ostschweizer Meister im Judo, betrieb auch Reitsport. «Das Pferd muss ja gut sehen können und nicht ich.»

Ob in der Musik, der Kunst, oder beim Kochen: «Der Sinn fürs Schöne ist mir sehr wichtig», sagt Brunner. Auch deshalb engagiere er sich dafür, dass Kulturschaffende mehr Mittel erhielten. Bei allem Sinn für Ästhetik bleibt er aber auch ein Macher. «Mut und Tapferkeit stehen bei mir an erster Stelle», sagt Brunner. Deshalb posiert er auch im Wikinger-Kostüm für die Wahlwerbung. Die Verkleidung hängt aber nicht etwa bei ihm zu Hause im Schrank, sondern ist bereits zurück im Kostümverleih.

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