Serviceabbau der SBB in der Ostschweiz gebremst

  • SBB-Drittverkaufsstelle in Goldach.
    SBB-Drittverkaufsstelle in Goldach. (Bild: Ralph Ribi (15. September 2016))
14.09.2017 | 05:20

BILLETTVERKAUFSSTELLEN ⋅ Ostschweizer Parlamentarier haben in Bern an vorderster Front gegen die Schliessungspläne der SBB gekämpft – mit Erfolg. Die neun St.Galler und elf Thurgauer Drittverkaufsstellen gehen vorerst nicht zu.

Regula Weik

Regula Weik

regula.weik@tagblatt.ch

Sie werden von verschiedenen Partnern – Avec-Läden, Migrolino-Shops, Poststellen oder auch Privaten – geführt: die SBB-Drittverkaufsstellen. Nun wollen die SBB diese 52 Billettverkaufsstellen schweizweit dicht machen. Auf Anfang 2018. Die Pläne sind umstritten; Bevölkerung, Gemeinden, Kantone wehren sich dagegen. An vorderster Front mit dabei sind mehrere Ostschweizer Bundesparlamentarier. Aus gutem Grund: 20 der 52 Drittverkaufstellen sind in der Ostschweiz, elf im Thurgau, neun im Kanton St.Gallen.

Im Frühsommer erhielten die SBB den ersten Schuss vor den Bug – durch den Nationalrat. Die SBB sollen bis 2020 keine Drittverkaufsstellen schliessen dürfen, forderte die Grosse Kammer im Juni. Der Bundesrat soll dem Bahnunternehmen ein Moratorium auferlegen. Gestern nun beschäftigte sich der Ständerat mit den Drittverkaufsstellen – und auch er bremst die SBB bei der Schliessung der Billettverkaufsstellen. «Die ersatzlose Auf­hebung der heutigen Dritt­verkaufsstellen kommt zu früh», argumentierte die Thurgauer CVP-Ständerätin Brigitte Häberli. «Die Nachfrage nach bedienten Stellen ist nach wie vor gross.» Es gehe nicht darum, das Rad der Zeit zurückzudrehen. Das Moratorium ermögliche vielmehr, «für die Zeit kundengerechte Lösungen zu entwickeln».

SBB sollen sich neue Lösungen überlegen

Das bestätigt Thomas Ammann. Der Rheintaler CVP-Nationalrat war einer der Hauptverfechter des Anliegens. Er verlange nicht, die SBB müsse den Status quo der Drittverkaufstellen zementieren. Es gehe vielmehr darum, sich eben auch neue Lösungen zu überlegen – «allenfalls mit neuen Partnern wie den Appenzeller Bahnen oder den Postautobetrieben». Die Haltung der SBB, die Gemeinden müssten nun halt selber schauen, sei ihm «zu billig», so der Nationalrat. Ammann erwähnt Altstätten; auch die dortige Drittverkaufsstelle wollen die SBB schliessen. «Altstätten ist immerhin ein Ort mit 11000 Einwohnerinnen und Einwohnern. Geht die Verkaufsstelle zu, gibt es zwischen Oberriet und Heerbrugg nur noch Billettauto­maten.» Ähnlich argumentiert Ammanns Ratskollege Thomas Müller. Im Zentrum Rorschachs wohnten viele ältere Leute, die mit dem Billettkauf über das Internet oder am Automaten nicht klar kämen und auf die Bedienung am Schalter angewiesen seien. Der Rorschacher Stadtpräsident und SVP-Nationalrat nennt noch einen weiteren Grund, der gegen die überstürzten Pläne der SBB spreche: Durch die Schliessung der Billett-Verkaufsstelle würde auch die Tourist-Information im Rorschacher Hafenbahnhof in Frage gestellt. «Mit dem Moratorium haben wir mehr Zeit, uns auf die neue Situation einzustellen.»

Bundesrätin spricht von «Verhältnisblödsinn»

Niemand bestreite, dass sich die Verkaufkanäle wandelten, sagte der St.Galler SP-Ständerat Paul Rechsteiner in der gestrigen Debatte. Die Frage sei aber, ob die traditionellen Kanäle «mit der Geschwindigkeit eliminiert und reduziert werden sollen, wie dies die SBB-Spitze im Moment anstrebt». Häberli und Rechsteiner vermochten die Mehrheit des Ständerats für ihr Anliegen zu ­gewinnen. Der Entscheid fiel mit 28 zu 17 Stimmen deutlich aus. Kaum zur Freude von Verkehrsministerin Doris Leuthard. «Was wir hier diskutieren, ist schon ein bisschen Verhältnisblödsinn», hatte die Bundesrätin im Ständerat argumentiert. «Die SBB machen das nicht, um jemanden zu plagen, sondern weil sich das Kundenverhalten geändert hat.»

Nun müssen Bundesrat und SBB nochmals über die Bücher. Aufatmen können vorerst Altstätten, Bad Ragaz, Flawil, Goldach, Jona, Rorschach Hafen, Schmerikon und Trübbach. Schänis, die neunte Drittverkaufsstelle im Kanton, wurde Ende 2016 eingestellt; der Stationshalter hatte gekündigt. Im Thurgau betrifft es Altnau, Bischofszell Stadt, Bürglen, Diessenhofen, Ermatingen, Islikon, Kreuzlingen Hafen, Münsterlingen-Scherzingen, Sirnach, Steckborn und Sulgen.

Kommentare
Kommentar zu: Serviceabbau der SBB in der Ostschweiz gebremst
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geschrieben am 14.09.2017 10:09 | von Wini Straub

und Eschlikon ?

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