«Ich provoziere gerne a bisserl»

  • Gelöst, bestens gelaunt und zu Scherzen aufgelegt: «Volks-Rock-’n’-Roller» Andreas Gabalier im Gespräch.
    Gelöst, bestens gelaunt und zu Scherzen aufgelegt: «Volks-Rock-’n’-Roller» Andreas Gabalier im Gespräch. (Bild: Urs Bucher (St. Gallen, 16. Juni 2017))
18.06.2017 | 08:47

SCHLAGERPHÄNOMEN ⋅ Andreas Gabalier, der Schlagerstar aus der Steiermark, hat seine grosse Stadiontournee in St. Gallen gestartet. Ein Gespräch zwischen Mittagsschlaf und Konzert – über die Liebe, Lieder und Kritik.

Interview: Odilia Hiller

Interview: Odilia Hiller

 

Der Rummel rund um Andreas Gabalier im Kybunpark ist riesig. Draussen warten 27000 Fans im ausverkauften Stadion. Schwarzgekleidete Bodyguards bewachen im Garderobenbereich fast jede Tür. Keine Spur von Anspannung hingegen beim Künstler selber: Zuerst ein routiniertes «Meet & Greet» mit einigen Fans, dann wendet sich der selbst ernannte «Volks-Rock-’n’-Roller» dem Interview mit der «Ostschweiz am Sonntag» zu. Es wird ein überraschend langes, konzentriertes Gespräch, ohne Phrasendreschen oder ausweichende Antworten. Der Musiker ist bestens gelaunt, antwortet direkt und persönlich und lässt sich auch durch wartende PR-Damen und Manager nicht zum Aufhören drängen. «Hosch no a Frog?», sagt er mehrmals. Und gibt über Politisches ebenso offenherzig Auskunft wie über seine Vorlieben rund um seine Konzerte – oder seinen Beziehungsstatus.

 

Andreas Gabalier, Sie wirken sehr entspannt kurz vor dem Auftritt.

Mir geht es tatsächlich wunderbar. Ich komme gerade vom Mittagsschlaf, allerdings bin ich noch ungewaschen. Gestern hatte ich frei und war noch bei mir zu Hause auf dem Berg – und hab mir einen Sonnenbrand geholt. Die ganze Woche davor probten wir in Teufenbach in der Steiermark im Studio.

Sie spielen das erste Konzert Ihrer Tournee in St. Gallen. Wie besonders ist diese Premiere für Sie?

Sehr, sehr besonders. Ich freu’ mich enorm. Das erste Konzert einer Tournee ist immer etwas Spezielles.

Ihr Konzert war nach kurzer Zeit ausverkauft. Läuft das bei Ihnen immer so?

Ja, ich bin erfolgsverwöhnt. Lustigerweise geht das mittlerweile immer schneller. Wer weiss, wo das noch hinführt... Jedenfalls ist es toll, dass es so ist, auch in der Schweiz. Die Schweizer Fans sind super, auf die ist immer Verlass.

Sie komponieren und texten Ihre Lieder selber. Gibt es eine Lieblingszeile oder einen Vers, den Sie besonders gelungen finden?

Oh. Was fällt mir da ein. Ich hab’s: «Ein bisserl was von wenig ist immer noch mehr als nix von viel.»

Sehr schön. Obwohl Sie gerade ziemlich viel von sehr viel zu haben scheinen. Wenn Sie am Komponieren sind: Wann merken Sie, dass ein Hit wird, was Sie ausprobieren?

Schwer zu sagen, ob man wirklich spürt, dass etwas ein Hit wird. Aber man hat beim Produzieren irgendwann ein gutes Gefühl. Das merke ich schon, wenn ich meine Demos baue. Viele Lieder entstehen aus dem Kopf, mit der Gitarre. Da spielt man erst was Kleines aufs Handy rauf. Danach nehme ich bei mir im Wohnzimmer etwas auf. Und dann kommen oft die Sterne. Die muss man runterholen und einbauen. Das ist ein Arbeitsprozess und hat viel mit Kreativität zu tun. Da wirft man oft alles nochmals ganz um und spürt dann plötzlich: Das könnte was werden.

Es dreht sich in Ihren Liedern naturgemäss viel um die Liebe.

Ich glaube, da hab ich’s wie alle anderen Songwriter. Die Liebe, persönliche Erfahrungen, aber auch a bisserl Schmäh. Ein Augenzwinkerer muss dabei sein. Natürlich ist das oft sehr überzeichnet.

Sie spielen offensichtlich mit dem Spannungsfeld zwischen Macho und Sensibelchen.

Ja, klar, ein bisschen muss man das. Das passt ja wie die Faust aufs Auge.

Die Machosprüche werden Ihnen aber auch ab und zu zum Ver­hängnis.

Ja, man wird gerne kritisiert, wenn man so polarisiert wie ich. Das ist klar. Aber ich glaube, auch das ist am Ende Teil des Erfolges. Dass man gewisse Menschen begeistert, die sich dann mit Dirndl und Lederhosen eindecken, um dabei zu sein. Wie heute hier auch. Da wird es dann mehr als ein Hit oder ein Lied. Das alles hat sich, glaube ich, wirklich zu einem kleinen Lebensgefühl entwickelt.

Was mögen Sie an Ihrem Publikum, abgesehen davon, dass es viel Geld für ein Ticket bezahlt?

Das ist ein ganz toller Schlag Menschen. Das sag ich jetzt nicht, weil es meine Fans sind. Ich gehe selber an sehr viele Konzerte, und da sieht man alles. Bei uns sind die Leute wirklich gut drauf, und sie haben ein Benehmen. Die stellen sich an, es gibt keine Drängeleien. Vom Kleinkind über den Teenager und seine Eltern bis zur Oma ist alles dabei.

Die Nebengeräusche rund um Ihren Facebook-Post im Kopftuch, wo Sie sich über den österreichischen Bundespräsidenten lustig machen, scheinen Ihnen fast etwas Spass zu machen.

Ja, natürlich, das muss sein. Ich provoziere gerne ein bisschen. Wenn niemand etwas sagt im Land, muss einer es tun.

Was hat es mit Ihrer Klage gegen Matthias Naske, den Direktor des Wiener Konzerthauses, auf sich? Sie werfen ihm vor, er habe Sie mit einer despektierlichen Aussage in die rechte Ecke gestellt, als er erklärte, weshalb er Sie im Konzerthaus nicht auftreten lassen will.

Geklagt haben wir, weil ich es sehr traurig finde, dass in den letzten Jahren der Respekt voreinander derart verloren gegangen ist. Das hat über die sozialen Netzwerke angefangen. Dort schimpft man einander alles, nur nicht Mensch. Weil man sich nicht gegenüber sitzt. Da gibt es so viele Sachen, die Menschen nie zueinander sagen würden, sässen sie so zusammen wie wir jetzt. Gerade in der Musik gibt es keinen Grund, dass man irgendjemanden so verteufelt, obwohl man ihn gar nicht kennt. Das richtet sich dann auch gegen die 600000 Leute, die dieses Jahr ein Ticket gekauft haben für unsere Konzerte.

Sie wollen also auch Ihr Publikum rehabilitieren?

Ich frage mich einfach, warum das nötig sein soll. Wenn mir etwas nicht gefällt, lasse ich es einfach links liegen. Das könnte Herr Naske auch tun. Als Mensch der Öffentlichkeit mit der entsprechenden Medienwirksamkeit muss er niemanden so durch den Dreck ziehen. Das ist auch der Grund, warum wir jetzt erstmalig geklagt haben. Um Österreich aufzuzeigen, dass das so kein Umgangston ist. Ich kenne diesen Herrn nicht einmal. Meine Oma hat auch nicht Metallica gehört und musste sich das von niemandem vorwerfen lassen.

Aber es geht Ihnen schon auch darum, klarzustellen, dass Sie nicht in die rechte Ecke gehören.

Ja, natürlich. Aber ich hab schon gar keine Lust mehr, mich da zu rechtfertigen, weil ich Nullkommajosef etwas damit zu tun habe. Ich habe das eigentlich satt. Es ist bei uns in Österreich auch schon langsam zur Mode geworden, dass man alles, was ein bisschen bodenständig ist, gleich in diese Richtung abqualifiziert. Da müssen auch die Medien aufpassen. Das findet auf dem Land zum Teil nicht so statt, wie sie es sehen wollen. Und deshalb muss ich mich da ab und an zu Wort melden. Nur schon, damit meine Fans nicht blöd angemalt werden.

Sie haben Jura studiert. Haben Sie die Klage gleich selber verfasst?

Nein, das dann doch nicht. Dafür gibt’s Experten. Man will sich ja auch selber gar nicht zu sehr mit solchen Dingen beschäftigen, und das tue ich auch nicht. Aber natürlich ist auch das für die Medien ein gefundenes Fressen. Wie alles, was ich momentan mache. Vor allem in Österreich ist das so.

Reisen Sie mit einer Entourage zu Ihren Konzerten?

Oh ja, immer. Freunde, Brüder, Verwandtschaft, es sind immer einige dabei. Die sind so aufdringlich, die krieg ich einfach nicht los (lacht). Sie geniessen es auch und leben das voll mit. Wir haben oft geradezu Zimmernotstand auf der Tour. Deshalb miete ich in den Hotels, wo wir übernachten, immer fünf bis sieben Zimmer «auf Verdacht». Diese Freundschaften existieren bei mir übrigens fast alle seit dem Kindergarten. So bin ich immer in guter Begleitung.

Sie sind also eine treue Seele. Ist die Frau an Ihrer Seite auch noch die gleiche?

Ja, das ist auch noch die gleiche. Auch sie ist eine sehr grosse Konstante bei mir.

Wie ist es für Sie, im Wissen um die grossen Sicherheitsvorkehrungen rund ums Stadion zu spielen?

Es ist sehr traurig, dass das nötig ist. Es ist aber die Aufgabe von Papa Staat, das Volk zu beschützen. Was ich machen kann, ist, ab und zu ein kleines Licht anzuzünden. Wie ich es gestern auf dem Gipfel gemacht habe. Und zu hoffen, dass alles gut geht.

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