OSTSCHWEIZER IM BANN DES STURMS

"Hauptsache, die Mauern stehen noch"

Im letzten Augenblick haben sich Marion Berg und ihr Mann René vor dem Hurrikan Irma in Sicherheit gebracht. Ihr Hab und Gut mussten die Ostschweizer in Florida zurücklassen. Der Sturm habe gezeigt, dass auf die Prognosen nicht immer Verlass sei.
13.09.2017 | 15:48
Tim Naef
Marion Berg, die wichtigste Frage zuerst: Wie geht es Ihnen und Ihrer Familie?
Körperlich geht es uns gut. Doch mental war es schwierig. Besonders der Sonntag hat an den Nerven gezerrt. Wir haben den ganzen Tag die Live-Übertragungen der lokalen Sender geschaut. Das Zentrum des Sturms ist direkt über unser Haus gefegt. Am Montag kam dann die Erleichterung. 

Die Erleichterung?
Wir haben ein SMS von unseren Nachbarn erhalten, die in Florida geblieben sind. Die Schäden an unserem Haus würden sich in Grenzen halten. Und der Katze gehe es gut. 

Es gab also nur leichte Schäden?
In der Tat. Die Regenrinnen wurden zerstört, zudem hat es eine kleine Hütte hinter dem Haus weggeblasen. Rundherum hat der Sturm sämtliche Bäume entwurzelt. 

Das hört sich aber nicht nach leichten Schäden an.
Sagen wir es so: Hauptsache, die Mauern stehen noch und die Dächer sind heil geblieben. Wir haben viel Schlimmeres erwartet. Das Wichtigste ist, dass kein Wasser eingedrungen ist. 

Marion Berg und ihre Familie mussten wegen eines Hurrikans von Florida nach Washington D.C. fliehen. (zvg)
Und wie schildern die Nachbarn die Situation vor Ort?
Als ein komplettes Chaos. Der Strom ist ausgefallen. Das bedeutet: Kein Kühlschrank und keine Klimaanlage. Und das bei 35 Grad. Zudem wurden viele Wasserleitungen zerstört.

Zurzeit sind Sie noch in der Hauptstadt Washington. Wann kehren Sie zurück?
Geplant war Dienstag. Die Behörden haben aber sämtliche Flüge gestrichen. Nun haben wir einen Flug am Samstag nach Fort Lauderdale gebucht. Dort mieten wir ein Auto und fahren den Rest bis nach Naples. 

Wie geht es nun weiter?
Wir hoffen, dass wir schnellstmöglich mit den Aufräumarbeiten beginnen können. Danach werden wir die Schutzmassnahmen für künftige Stürme verstärken.

Hat Sie die Krise etwas gelehrt?
Wir würden nicht mehr ausschliesslich den Prognosen des nationalen Hurrikan Centers vertrauen. Diese haben bis zum Schluss vorausgesagt, dass der Sturm an uns vorbeiziehen würde. Irma hat aber auch die guten Seiten der Menschen hervorgebracht. Wir haben ungezählte Hilfsangebote erhalten. Jeder hat jedem geholfen. 




 
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