EISHOCKEY

Vom Lauf und der Effizienz getragen

Der Gast tritt mit einem 44-jährigen Altmeister im Angriff an, er besitzt lange Zeit feldmässige Vorteile und mehr Schüsse. Trotzdem entscheidet der SC Herisau die wichtige 1.-Liga-Partie gegen Weinfelden deutlich für sich.
08.01.2018 | 06:17
Lukas Pfiffner

Lukas Pfiffner

lukas.pfiffner@appenzellerzeitung.ch

Als Tabellenletzter greift man zu speziellen Massnahmen. Der Mann, der beim ersten Scheibeneinwurf mit namenlosem Weinfelder Trikot dem Herisauer Pace gegenüberstand, war nicht ein Junior, sondern der langjährige NLA-Stürmer Rolf Schrepfer, geboren am 9. Oktober 1973. Er hatte 2009 seine letzten Spiele in der obersten Liga absolviert und nachher vorwiegend als Spielertrainer in Weinfelden gearbeitet. Im Frühling 2016 half er kurz bei den Thurgauern als Spieler aus, aktuell ist er Coach der Elitejunioren in Rapperswil-Jona.

Am Freitag war er für ein einziges Training mit Weinfelden auf dem Eis gewesen. Vorgestern fiel er mit hoher Erfolgsquote im Bully auf, im ersten Drittel holte er eine Strafe heraus, im zweiten spielte er einen meisterlichen Querpass auf Rothen. Der traf den Puck nicht – und schliesslich war Schrepfer kein wesentlicher Faktor.
 

Der Auftritt der Gäste: Sehr unglücklich

Der Erfolg der Ausserrhoder war enorm wichtig. Und er sieht komfortabel aus. Bis ins zweite Drittel hinein waren die Thurgauer aber spielbestimmend und schussfreudiger. Als sehr unglücklich muss ihr Auftritt bezeichnet werden. 14. Minute: Aerni zeigt einen Energieanfall und schiesst aus der Drehung, die Scheibe rutscht quasi durch den Torhüter hindurch zum 1:0. 23. Minute: In Überzahl demonstrieren die Herisauer ein abenteuerliches Positionsspiel, die Thurgauer kommen mit Hofer und Heid zu einer Zwei-gegen-null-Situation, die sie aber kläglich vergeben. 24. Minute: Bommeli bringt den dritten Nachschuss zum 2:0 unter. 25. Minute: Studerus foult Hofer, der den Penalty nicht an Klingler vorbeibringt. "Ja, da spielten wir zunächst wirklich nicht unser bestes Hockey", meinte auch Doppeltorschütze James Bommeli im Rückblick auf die erste Spielhälfte. Herisau trat alles andere als zwingend auf.
 

Ein prächtiger Vorstoss und ein Abend ohne Zittern

Dass seine Mannschaft trotzdem früh die Zeichen auf Sieg stellen konnte, hing mit dem Lauf zusammen, den der SCH derzeit hat. Mit dem aktuellen Selbstvertrauen, mit dem Wettkampfglück, mit der Effizienz. "Und natürlich mit Klingler, der uns immer wieder über schwierige Momente hinweghilft", sagte Bommeli. Geschlagen wurde Klingler nur durch Hofer, nachdem dieser Homberger ausgespielt hatte. Aber Bommelis prächtiger Lauf in Überzahl und Paces Freiheiten trugen den Einheimischen den raschen Ausbau der Führung ein. "Endlich einmal ein Abend ohne Zittern", meinte Captain Roman Popp, als er in die Kabine schritt. Er selber hatte mit einem Ablenker nach einem Schuss Bohlhalders den Schlusspunkt gesetzt.

Die grosse Ernsthaftigkeit war im letzten Drittel weitgehend aus dem Spiel, sieht man von einer Rettungstat Bulachs ab, der den Puck von der Linie wegbeförderte. Trainer Markus Rechsteiner stellte leicht um, Rückkehrer Rotzinger durfte sich auf der Centerposition versuchen. Dass Altmeister Schrepfer einlief, hatten die Gastgeber kurz vor dem Spiel erfahren. Rechsteiner: «Ein Thema war das nicht.»

Übermorgen tritt der SCH im drittletzten Heimspiel der Qualifikation gegen Mitaufsteiger Prättigau-Herrschaft an. "Zweimal war es knapp. Diesmal wollen wir es noch etwas besser machen", sagte Bommeli. Die Bündner konnten die ersten Partien mit 3:2 nach Penaltyschiessen und mit 2:1 nach Verlängerung für sich entscheiden.

Herisau – Weinfelden 6:1 (1:0, 4:1, 1:0)

Sportzentrum. – 423 Zuschauer (Saisonrekord). – Sr. Rüegg, Blatti/Nyfenegger.

Tore: 14. Aerni (Bulach) 1:0. 24. Bommeli (Jeitziner, Aerni) 2:0. 32. Olbrecht (Jeitziner, Bleiker) 3:0. 33. Hofer (Spillmann) 3:1. 37. (36:35) Bommeli (Aerni, Jeitziner, Ausschluss König) 4:1. 38. (37:06) Pace (Rotzinger, Popp) 5:1. 57. 57. Popp (Bohlhalder) 6:1.

Herisau: Klingler; Homberger, Bulach; M. Koller, Bohlhalder; Olbrecht, Bleiker; Studerus; Popp, Pace, Rotzinger; Holdener, T. Koller, Aerni; Bommeli, Hausammann, Jeitziner; Biefer, Brügger, Grüter.

Weinfelden: Bertsche (41. D. Mathis); Hänggi, Müller; Baumgartner, Spillmann; Moser, Figini; R. Mathis; Dolana, Schrepfer, Rothen; Schläppi, Hofer, Reinmann; Heid, König, Araujo.

Strafen: Herisau 3mal 2 Minuten, Weinfelden 2mal 2 Minuten.

Bemerkungen: Herisau ohne Speranzino (Ferien) und Widmer (verletzt). 25. Hofer vergibt Penalty. 38. time-out Weinfelden.

 

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