KOMMENTAR

Bühler-Coup: Integration braucht Manpower und Zeit

Der Bühler-Konzern aus Uzwil übernimmt den weltweit führenden Hersteller von Maschinen zur Produktion von Waffeln und Keksen. "Es dürfte reichlich Manpower und auch Zeit brauchen, um Haas vollständig in den Bühler-Konzern einzubinden", schreibt Wirtschaftsredaktor Thomas Griesser-Kym in seinem Kommentar.
12.09.2017 | 11:00
Es ist noch gar nicht so lange her, da galt Bühler landauf, landab als Maschinenbauer. Bekannt vor allem für seine Mühlen, auf denen Weizen zu Mehl verarbeitet wird. Mühlen baut Bühler noch immer. Mehr noch, auf diesem Gebiet sind die Uzwiler unangefochtener Weltmarktführer. Aber das Unternehmen hat sich gewandelt: weg vom blossen Bau von Maschinen und Anlagen, hin zum Technologiekonzern. Das heisst, Forschung & Entwicklung, das Engineering, die Prozesse und der Service sind über die Jahre immer wichtiger geworden. Denn die Industrie wandelt sich rapide. Themen wie Automatisierung, Digitalisierung und Nachhaltigkeit spielen eine immer grössere Rolle, Kunden wollen längst nicht mehr bloss Maschinen ab Stange, sondern individuelle Gesamtlösungen. Nur so können sie im Wettbewerb mit ihren Konkurrenten die Nase vorn haben punkto Qualität, Effizienz, Produktivität und Innovation.

All diese Prämissen gebieten es, dass Bühler seine Kunden mit einbezieht. Und zwar nicht erst ab Bestellung einer Anlage, sondern viel früher. Das beginnt mit der Besprechung des Problems und der Bedürfnisse des Kunden. Das wiederum erfordert, den Kunden in die Forschung einzubinden und mit ihm gemeinsam Lösungen zu entwickeln. Bühler ist dafür exzellent aufgestellt. Am Hauptsitz in Uzwil unterhält der Konzern ein Kundenausbildungszentrum, und am selben Ort ist bis Anfang 2019 der Bau eines Innovations-Campus aufgegleist. Dort will Bühler nicht nur mit Kunden kooperieren, sondern auch mit Start-ups, Wissenschaftern, Auszubildenden und Lieferanten – auf der ständigen Suche nach innovativen Produkten und Services.

Der Erwerb der österreichischen Haas-Gruppe passt in dieses Bild. Diese ist Weltmarktführer bei Anlagen für Waffeln und Kekse und zählt die Crème de la Crème der Hersteller solcher Produkte zu ihren Kunden. Haas bildet damit ein ergänzendes Glied in der Wertschöpfungskette bei Süsswaren, denn Bühler stellt bereits Anlagen für die Schokoladeproduktion her. Freilich hat Haas ein Handicap: Vor dem Hintergrund des rasanten technologischen Wandels und der immer ausgefeilteren Kundenwünsche droht das Unternehmen an Boden zu verlieren. Haas ist zu klein, zu wenig global präsent und nicht genügend investitionsstark, um in diesem Rennen längerfristig an der Spitze mitzuhalten.

Die Integration von Haas in den Bühler-Verbund und dessen Technologie- und Innovationsnetzwerk soll es nun ermöglichen, dass Haas seine Weltmarktführerschaft festigt. Allein schon vom Zugang zu den weltweit über 100 Servicestationen, dank derer Bühler sehr nahe an den Kunden rund um den Globus ist, dürfte Haas profitieren, indem man neue Geschäftsbeziehungen knüpfen und bestehende vertiefen kann. Trotz dieser guten Ausgangslage dürfte es reichlich Manpower und auch einige Zeit brauchen, um Haas vollständig in den Bühler-Konzern einzubinden.

Zu Gute kommt den beiden Unternehmen, dass sie beide in Familienbesitz sind. Das bedeutet, sie stehen nicht unter dem Druck der Börse. Allerdings wächst der in 140 Ländern präsente Bühler-Konzern mit Haas auf über 12'000 Mitarbeitende und 2,8 Milliarden Franken Umsatz. Das sind Dimensionen, bei denen anderen Unternehmen zwecks besseren Zugangs zu den Kapitalmärkten längst an der Börse sind – oder zumindest darüber nachdenken.     

Thomas Griesser Kym
thomas.griesser@tagblatt.ch

 
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