Pflichtbesuch beim Arzt erst ab 75 Jahren

  • Senioren am Steuer sollen in Zukunft erst ab 75 Jahren regelmässig zum medizinischen Check erscheinen müssen. Das hat das Parlament beschlossen. (Symbolbild)
    Senioren am Steuer sollen in Zukunft erst ab 75 Jahren regelmässig zum medizinischen Check erscheinen müssen. Das hat das Parlament beschlossen. (Symbolbild) (Keystone/DPA dpa/FELIX KÄSTLE)
13.09.2017 | 09:40

STRASSENVERKEHR ⋅ Das Parlament will Autofahrer erst ab 75 Jahren zur regelmässigen medizinischen Kontrolluntersuchung schicken. Nach dem Nationalrat hat am Mittwoch auch der Ständerat dieser Forderung zugestimmt. Heute liegt die Altersgrenze bei 70 Jahren.

Die Gesetzesänderung geht auf eine parlamentarische Initiative von Maximilian Reimann (SVP/AG) zurück, die in beiden Räten eine Mehrheit gefunden hatte.

"60 ist die neue 40"

Nun stand die konkrete Revisionsvorlage im Ständerat zur Diskussion, die das Alter für die zweijährliche vertrauensärztliche Untersuchung auf 75 Jahre anheben soll. Der Nationalrat hatte sie bereits in der Sommersession gutgeheissen.

Nach Ansicht der Kommission des Ständerates soll mit der Heraufsetzung der Alterslimite die Eigenverantwortung der älteren Autofahrer gestärkt werden. Seniorinnen und Senioren würden heute gesünder älter und die Unfallrate dieser Altersgruppe sei nicht erhöht.

Damian Müller (FDP/LU) erklärte, die geltende Regelung sei veraltet. Ältere Menschen seien heute vitaler als in früheren Generationen. Nicht umsonst heisse es heute: "60 ist die neue 40." Werner Hösli (SVP/GL) verwies darauf, dass Autofahrer aller Altersgruppen Unfälle verursachten. In der Konsequenz müssten alle zur Untersuchung antraben.

Dem widersprach Daniel Jositsch (SP/ZH). "Selbstverantwortung bedeutet in diesem Fall, ein höhere Unfallrisiko in Kauf zu nehmen. Das belegen die Zahlen." Die Untersuchung mit 70 Jahren stelle keine Einschränkung für jene dar, die fahrtauglich seien. Aus dem Verkehr gezogen würden nur fahruntüchtige Menschen.

bfu verlangt wissenschaftliche Studie

In der Vernehmlassung war die Gesetzesvorlage umstritten. Mehrere Kantonen und linke Parteien lehnen die Heraufsetzung des Alters für die erste medizinische Kontrolle ab. Medizinische Instanzen, der TCS sowie bürgerliche Parteien hatten sich dafür ausgesprochen.

Die Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu) äussert sich nicht für oder gegen die Anhebung des Mindestalters. Sie hätte sich eine wissenschaftliche Studie gewünscht, bevor das Parlament eine Gesetzesänderung beschliesst. Es gebe Zweifel an der Relevanz von medizinischen Kontrollen, argumentierte die bfu in der Vernehmlassung.

Bundesrat pocht auf Eigenverantwortung

Der Bundesrat unterstützt das Anliegen. Die Gesundheit der heutigen Seniorinnen und Senioren sei besser als bei Einführung der obligatorischen Untersuchung in den 1970er-Jahren, sagte Verkehrsministerin Doris Leuthard im Ständerat.

Für den Bundesrat steht ebenfalls die Eigenverantwortung im Zentrum: Vergangenes Jahr hätten rund 10'000 Personen den Führerausweis freiwillig abgegeben, sagte Leuthard. Dieser Zahl stünden 1100 Entzüge gegenüber, die verfügt würden.

Der Bundesrat verlangt aber flankierende Massnahmen, wenn das Alter für die medizinischen Kontrollen auf 75 Jahre angehoben werden soll. Er schlägt vor, Fahrerinnen und Fahrer etwa mit 70 Jahren ein Schreiben mit Informationen und Angeboten rund um das Thema Fahreignung zuzustellen.

Die Sensibilisierung soll auch dazu führen, dass die Diskussion in den Familien geführt wird. Zudem sollen Seniorinnen und Senioren ermutigt werden, den Umgang mit neueren Assistenzsystemen zu erlernen. Die Kommission des Ständerates befürwortete ausdrücklich diese flankierenden Massnahmen.

Der Ständerat nahm die Gesetzesänderung mit 34 zu 4 Stimmen bei 5 Enthaltungen an. Damit ist die Vorlage bereit für die Schlussabstimmung. (sda)

Videos zum Artikel (1)
  • Autofahrer sollen erst ab 75 Jahren zur medizinischen Kontrolle

Kommentare
Kommentar zu: Pflichtbesuch beim Arzt erst ab 75 Jahren
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geschrieben am 13.09.2017 10:42 | von Eduard Ith

VERANTWORTUNGSLOS!
Politische Bauernfängerei...

Die Unfallstatistik spricht eine klare Sprache: Am meisten Unfälle sind bei den Jungen Lenkern zu verzeichnen und gleich hernach kommen die Rentner!

Die Verkehrsverhältnisse sind doch heute längst nicht mehr die gleichen, wie vor 40 Jahren oder länger! Meine Meinung ist, nach 65 Jahren muss eine praktische und theoretische Nachprüfung Pflicht sein. Bei keinem Verkehrsmittel, ausser dem Privatverkehr wird man nach Erhalt des Führerausweises nie mehr geprüft. Ob Lokführer, Piloten, Kapitäne zur See oder Linienbus- und Carfahrer, sie allen müssen sich periodisch prüfen lassen.
Natürlich transportieren diese Personen Fahrgäste und haben eine hohe Verantwortung.

Aber was ist, wenn ein Opa auf die andere Fahrbahnseite gelangt und es heftig knallt?! Da kommen auch Dritte zu schaden.

Habe kein Problem damit, wenn es mich in den nächsten Jahren auch mit einer Nachprüfung treffen würde! Denn wer nicht fähig ist, der fährt nicht mehr, Pasta!

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Kommentar zu: Pflichtbesuch beim Arzt erst ab 75 Jahren
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geschrieben am 13.09.2017 11:16 | von Christian Neff

Ich finde auch, eine Kontrollprüfung sollte nicht erst mit 70, sondern schon mit 60 - 65 wieder nötig sein. Wie oben schon schön durch E. Ith umschrieben, fahren heute..

a) mehr Fahrzeuge und zwar konstant
b) verlangen Kreisel mehr Aufmerksamkeit als Lichtsignale
c) nehmen Kreislauf-schwächende Erkrankungen zu, was auch die Wahrnehmung hemmt

Ich kann mir einzig erklären, dass die Parteien hier den im Alter fortgeschritteneren Wählern zudienen, damit diese nicht politisch abstrafen. Ansonsten gibt es für mich keine sinnvolle Begründung.

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geschrieben am 13.09.2017 13:25 | von Alois Steinmann

Es gibt Unfälle mit Rentnern, aber die Spannbreite ist gross. 80-jährige und mehr ist nicht dasselbe wie junge Rentner. Meistens sind die Unfälle nicht so gravierend, weil sie meist mit tieferen Tempi passieren.
Es sind schon sehr oft Fahrer im mittleren Alter auf die Gegenfahrbahn geraten aus unerklärlichen Gründen. Herzprobleme und Schlaganfälle erleiden auch viele im Erwerbsleben oder sind sonst abgelenkt.
Eigenverantwortung gehört in jedem Alter an oberster Stelle.

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Was ist Selbstverantwortung?
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geschrieben am 13.09.2017 17:35 | von Jerome Bleichenbacher

Man möchte den Autofahrern mehr Selbstverantwortung überlassen, muss aber jedes Stück Strasse mit Warnschildern und unnötigen Tempolimiten zupflastern! Hohn hoch 10! Als einigermassen braver Autofahrer fühle ich mich je länger je mehr von der Polizei bevormundet...

Am Argument "60 sei das neue 40" ist zwar was dran, dieser Umstand hatte aber aus irgendwelchen Gründen keinen Einfluss auf die neue Rentenreform.

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