Neues Bluttestverfahren für App entwickelt

  • Ein an der Fachhochschule Nordwestschweiz entwickeltes Verfahren ermöglicht die Ermittlung von mehreren Nährstoffwerten aus einem Tropfen getrocknetem Blut.
    Ein an der Fachhochschule Nordwestschweiz entwickeltes Verfahren ermöglicht die Ermittlung von mehreren Nährstoffwerten aus einem Tropfen getrocknetem Blut. (zvg/Hochschule für Life Sciences FHNW)
19.06.2017 | 10:57

GESUNDHEIT ⋅ Ein neues Testverfahren der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) erlaubt, aus einer winzigen Menge Blut eine Vielzahl von Nährstoffwerten zu ermitteln. Zusammen mit einer Smartphone-App soll der Bluttest eine gezieltere Nahrungsergänzung ermöglichen.

"Im Gegensatz zur klassischen Analyse, die mit einer grösseren Menge an Blut in einem Röhrchen arbeitet, funktioniert die neu entwickelte Methode mit nur einem Tropfen getrocknetem Blut", wie Götz Schlotterbeck von der Hochschule für Life Sciences (HLS) der FHNW in Muttenz sagt. Die benötigte Menge Blut sei etwa tausendfach geringer.

Mit dem neuen Analyseverfahren können ausserdem gleichzeitig mehrere Werte erhoben werden. Dieses sogenannte Multimethoden-Verfahren macht den Bluttest gemäss Schlotterbeck gegenüber den klassischen Einzelmessungen in Labors weniger aufwendig und markant günstiger.

Die HLS mache sich dabei auch den technischen Fortschritt zunutze. Eingesetzt würden moderne analytische Methoden, die auf der Trennung von Stoffgemischen sowie dem Messen von Molekülen und Atomen basieren. Aus dem Blut können so parallel Vitamin-, Mineralstoff- und Fettsäuren-, sowie Aminosäurenwerte gelesen werden.

Obwohl sich die HLS mit ihrer Entwicklung an den klassischen Analysemethoden orientiere, sei es nicht das Ziel, diesen Konkurrenz zu machen. Das Verfahren ermögliche keine medizinische Diagnose etwa zur Ermittlung eines Krankheitsbildes. Nicht aufgezogen werden soll damit daher eine klassische Labordiagnostik, sagt Schlotterbeck.

Zusammenarbeit mit Start-Up

Unterstützt wird die im Frühjahr 2016 gestartete Forschung, an der fünf Mitarbeitende der HLS involviert sind, durch Fördergelder der Kommission für Technologie und Innovation des Bundes (KTI). Anstoss gab eine Zusammenarbeit mit dem 2014 gegründeten Start-Up Sanalytica.

Sanalytica, das in Zürich, Berlin und Boston derzeit 16 Personen beschäftigt, entwickelt eine App fürs Smartphone, die den Nutzer gezielt und personalisiert bei seiner Ernährung unterstützen soll. Ziel ist es, Nährstoffwerte auf der Basis der aktuellen Wissenschaft und verlässlicher Daten in den "grünen Bereich" zu bringen.

Der von der HLS entwickelte Bluttest ist dabei das Herzstück, wie Sanalytica-CEO Philipp Schulte sagt. Der Test soll es ermöglichen, für die Beratung benötigte Werte schnell und günstig aus einer vom Nutzer zu Hause schmerzfrei entnommenen Blutprobe auszulesen. Das dafür benötigte Equipment wird zur Verfügung gestellt.

Nach der Analyse des Blutes in einem Partnerlabor bekommt der Nutzer seine Werte auf die App übermittelt. Zudem soll er gemäss dem Geschäftsmodell eine personalisierte Mischung an Nährstoff-Pillen oder -Brausetabletten erhalten, die von herkömmlichen Herstellern stammen. "Oft reicht heutzutage eine normale Ernährung alleine nicht aus", sagt Schulte.

Gegen "Blindflug" bei Nahrungsergänzung

In der Schweiz nimmt gemäss Schulte jeder vierte bis fünfte Erwachsene regelmässig Vitaminpräparate zu sich. Dies sei jedoch häufig ein "Blindflug" und man verlasse sich "aufs Gefühl". Die App und der HLS-Bluttest sollen nun die Nährstoffsupplementierung gezielt ermöglichen.

Die am Projekt beteiligten Partner betonen, dass dabei nur etablierte Marker im Blut ausgelesen werden. Die "Nährstoffintelligenz" der App werde zudem von Wissenschaftlern entwickelt und basiere auf der neusten Forschung.

Bis zur Markteinführung voraussichtlich im Herbst/Winter des laufenden Jahres will die HLS das Bluttestverfahren weiter optimieren. Dabei gehe es darum, noch schneller und günstiger zu werden, sagt Schlotterbeck.

Diese wirtschaftliche Herausforderung mache die Zusammenarbeit für die HLS interessant, weil damit die wissenschaftlichen Möglichkeiten immer weiter getrieben werden sollen. Zudem würden Teile des Forschungsprojekts, etwa konkrete Fragestellungen zur Entwicklung einer Lösungsstrategie, in Studierendenprojekte der HLS einfliessen. (sda)

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