Moutier-Kommentare von "Schade" bis "Chance"

  • Rot-Weiss beherrscht die Titelseiten der Schweizer Zeitungen am Tag nach dem Urnengang in Moutier. (Screenshots)
    Rot-Weiss beherrscht die Titelseiten der Schweizer Zeitungen am Tag nach dem Urnengang in Moutier. (Screenshots) (Screenshots)
19.06.2017 | 06:16

JURAFRAGE ⋅ Das Prädikat "historisch" hat Konjunktur in den Kommentarspalten der Schweizer Zeitungen am Tag nach der Abstimmung zum Kantonswechsel von Moutier. Während die einen den Entscheid im Lichte eines globalen Patriotismus-Trend verstehen, finden ihn andere einfach schade.

"Nordwestschweiz" / "Südostschweiz":

"Und doch hat das knappe Verdikt historischen Charakter - natürlich für die Kantone Bern und Jura, aber auch für die Schweiz. Es ist ein positives Beispiel dafür, wie innerstaatliche Konflikte zwar langsam, aber letztlich erfolgreich gelöst werden können."

"Luzerner Zeitung" / "St. Galler Tagblatt":

"Bisher war der ganze Prozess ein Musterbeispiel für eine funktionierende Demokratie. Bern und Jura haben zusammen mit dem Bund die emotional aufgeladene Diskussion versachlicht und entschärft. Auch wenn der Entscheid jetzt gefallen ist, sind beide Kantone weiterhin gefordert. Bern muss Hand für eine faire Trennung bieten und der Jura dafür sorgen, dass sich auch die berntreuen Einwohner von Moutier willkommen fühlen."

"Neue Zürcher Zeitung":

"Der knappe Ausgang, nur 51,7 Prozent haben sich für einen Kantonswechsel ausgesprochen, ist für beide Seiten unerfreulich. Mit Abstimmungsbeschwerden von den jeweiligen Komitees ist zu rechnen. (...) Inhaltlich fokussierten sich die Befürworter vor allem auf die französische Sprache, auf ihre Offenheit und Identität. Der Kanton Bern sei ihnen fremd, sie fühlten sich von ihm vernachlässigt. Damit zementieren sie die kulturellen Differenzen und folgen dem Trend zum Patriotismus, der auch andernorts festzustellen ist."

"Der Bund" / "Tages-Anzeiger":

"Nüchtern betrachtet, bietet der Kanton Bern keinen Grund zum Wegzug. Er ist längst nicht mehr die arrogante Kolonialmacht, für die ihn die früheren Separatisten hielten. Bern ist vielfältig, offen, ein guter Ort zum Leben - auch wegen seiner Zweisprachigkeit, die durch Moutiers Wegzug nun geschwächt wird. Schade. Die sprachliche Mehrheit im Kanton Bern darf jetzt nicht trotzig reagieren: Sie muss den Französischsprachigen im Kanton jetzt umso mehr zeigen, dass sie zu ihr gehören."

"Berner Zeitung"

"Es bleiben Bern nach dem Verlust der 7600 Einwohner Moutiers 45'000 Frankofone. Das ist, was es schon vorher war: eine recht kleine Minderheit, zu der man Sorge tragen muss - auf jeden Fall dann, wenn das Lob auf die Zweisprachigkeit nicht bloss eine billige Abstimmungssonntagspredigt sein soll. Vielleicht liegt hier sogar die Chance des Abschieds von Moutier: dass die Zweckgemeinschaft der restlichen Bernjurassier und der Deutschschweizer nun eine etwas innigere wird, wenn sie nicht mehr von der leidigen Jura-Diskussion dominiert wird."

"Le Quotidien Jurassien":

Die Entscheidung von Moutier ist "folgerichtig". "Es wäre paradox gewesen, wenn eine Stadt, die seit über einer Generation von den Separatisten regiert wird, es abgelehnt hätte, nun die Türschwelle ins jurassische Hause zu überqueren."

"Le Journal du Jura":

Dies ist ein "schwarzer Sonntag für den Berner Jura". "Den Siegern von gestern, die sich nie wirklich als Teil dieser Einheit fühlten, dürfte das gleichgültig sein." Es kündigt sich eine "lange Periode künstlicher Ungewissheit an" bis zum Übergang voraussichtlich im Jahr 2021, welche "nicht nur Gewinner zurücklassen wird". (sda)

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