Schüler kneten Raupen für die Forschung

  • Auf diese Knetmassen-Raupe ist bereits ein Vogel reingefallen. Die Schnabelspuren sind deutlich erkennbar.
    Auf diese Knetmassen-Raupe ist bereits ein Vogel reingefallen. Die Schnabelspuren sind deutlich erkennbar. (Bastien Castagneyrol, Inra Bordeaux)
12.09.2017 | 11:41

BÜRGERWISSENSCHAFT ⋅ Hunderte von Raupen-Attrappen sollen Schulklassen kommendes Frühjahr aus Knetmasse formen und in Eichen verstecken. WSL-Forschende wollen mit ihrer Hilfe herausfinden, welche Raupenfresser die Bäume vor zu starkem Befall bewahren.

Wissenschaftler der Forschungsanstalt für Wald-, Schnee und Landschaft (WSL) suchen für ein Projekt die Unterstützung von Schulklassen, um hunderte Raupen aus Knetmasse und Draht zu formen. Diese sollen die Schülerinnen und Schüler in Eichen in ihrer Nachbarschaft platzieren. Vögel, Raubinsekten und Säugetiere werden versuchen, diese Attrappen anzugreifen und dabei Spuren hinterlassen, für die sich die Wissenschaftler interessieren.

Das Ziel des Projekts, das die WSL-Wissenschaftler gemeinsam mit Kollegen aus acht Ländern durchführen wollen, soll die Aktivität dieser Frassfeinde bei verschiedenen Klimabedingungen verraten, teilte die WSL am Dienstag mit.

Raupenfresser schützen Eichen

Pflanzenfressende Insekten wie Raupen können für Eichen erheblichen Stress bedeuten - besonders wenn noch Pflanzenkrankheiten oder Trockenheit dazu kommen. Die Bäume schützen sich aber auch durch abstossende oder giftige Substanzen in ihren Blättern vor dem Raupenfrass. Ausserdem stehen die Raupen wiederum auf dem Menüplan von Vögeln, Spinnen, Raubinsekten und Säugetieren, die damit wiederum die Bäume vor zu starkem Raupenbefall bewahren.

Mit steigenden Temperaturen werden die Raupen jedoch im Frühjahr früher aktiv und bleiben es auch im Herbst länger. Bekannt ist bereits, dass pflanzenfressende Insekten deshalb in wärmeren Gefilden mehr Schaden anrichten als in kalten. Im Zuge des Klimawandels könnten somit Raupen auch für Eichen in nördlicheren Regionen Europas zunehmend zum Problem werden.

Schulklassen verhelfen zu mehr Daten

Das Projekt unter Leitung des Forschungsinstituts Inra Bordeaux in Frankreich soll daher den Schädlingsbefall und die Verteidigung von Eichen durch alle Klimazonen Europas dokumentieren. Um die Rolle der Raupenfresser besser zu verstehen, benötigen die Forschenden die Knetmassen-Raupen. "Wir werden so viele Raupenimitate wie möglich beobachten", sagte Martin Gossner von der WSL gemäss der Mitteilung. "Dank der Hilfe von Schulklassen können wir wesentlich mehr Bäume überwachen, was den Vergleich erst aussagekräftig macht."

Jeweils zwei Wochen und einen Monat, nachdem die Schülerinnen und Schüler ihre Knetmasse-Raupen in Eichen platziert haben, sollen sie die Spuren der Fressversuche zählen und fotografieren. Ausserdem benötigen die Wissenschaftler einige Blätter der Eiche, um ihre Inhalt an Abwehrstoffen und das Ausmass des Blattfrasses zu bestimmen.

Da die Eichen für das Projekt bereits im Herbst ausgesucht werden müssen, ruft die WSL interessierte Lehrerinnen und Lehrer auf, sich möglichst bald mit WSL-Forscher Gossner in Verbindung zu setzen.

sites.google.com/view/aboutoaks/accueil/deutsch (sda)

Kommentare
zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden
Ein neues Posting hinzufügen

Sie dürfen noch Zeichen schreiben.
Bei jedem neuen Beitrag in dieser Diskussion erhalten Sie eine entsprechende Benachrichtigung
Füllen Sie bitte die notwendigen Felder für die Registrierung aus.

Geben Sie bitte folgende Daten ein, um sich zu registrieren und Ihren Kommentar zu speichern.

Ich habe die AGB gelesen und akzeptiert.:
Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

Wie viele Räder hat ein Motorrad??
 

Meistgelesen

Drehte nach dem Spiel gegen Lugano durch: Sion-Präsident Christian Constantin.
Sport: 22.09.2017, 11:31

Jetzt spricht Constantin: "Ich fand es angemessen, Fringer mal zu massregeln"

Christian Constantin hat den ehemaligen Nati-Trainer Rolf Fringer ins Gesicht geschlagen.
Keine Chilbi-Post für Oberuzwils Bevölkerung: Ihre Exemplare landeten im Abfall.
Region Wil: 22.09.2017, 05:18

Die Post schreddert 2500 Werbebroschüren für die Bichwiler Chilbi

2500 Haushalte in der Gemeinde Oberuzwil hätten mit einer über 20-seitigen Werbebroschüre für ...
Am Donnerstag wurde in der Kathedrale Abschied vom St.Galler Stadtrat Nino Cozzio genommen.
St.Gallen: 21.09.2017, 16:32

St.Gallen nimmt Abschied von seinem Stadtrat Nino Cozzio

Eine selten grosse Trauergemeinde hat in der Kathedrale Abschied genommen von Nino Cozzio.
Das Kultur- und Eventzentrum in der Kirche St.Leonhard lässt auf sich warten.
St.Gallen: 21.09.2017, 21:57

St.Leonhardskirche ist ein unrühmliches Beispiel

Vor bald zehn Jahren brannte in St.Gallen die Kirche St. Leonhard.
So sah der Bahnhofsplatz vor rund einem Monat aus.
St.Gallen: 22.09.2017, 12:10

Busse fahren wieder auf dem St.Galler Bahnhofplatz

Nun gilt es, sich umzuorientieren: Ab dem 2. Oktober 2017 ist der Öffentliche Verkehr zurück auf ...
Reto Scherrer ist zum dritten Mal Vater geworden.
Kanton Thurgau: 21.09.2017, 11:04

Zwei Babys an einem Tag

Radio- und Fernsehmoderator Reto Scherrer 42 und seine Ehefrau Melanie 34 wurden zum dritten Mal ...
In Rüthi ist es zu einem tödlichen Unfall gekommen.
Unfälle & Verbrechen: 22.09.2017, 10:38

E-Bike-Fahrerin in Rüthi stirbt nach Unfall mit Lastwagen

Am Freitagmorgen hat sich in Rüthi ein Unfall zwischen einem E-Bike und einem Lastwagen ereignet.
Die wohl berühmteste Wutrede im Fussballgeschäft: Giovanni Trappatoni 1998.
Fussball: 22.09.2017, 10:13

"Heb de Schlitte, du huere Schissdrägg" und andere Ausraster in der Fussballgeschichte

"Was erlauben Strunz?", "GC isch Rekordmeister" oder "Ich haue dir in die Fresse, du Dreckschwein".
Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un hat US-Präsident Donald Trump nach dessen jüngsten Drohungen gegen sein Land gewarnt, er werde dafür "teuer bezahlen". (Archivbild)
International: 22.09.2017, 06:23

Kim Jong Un zu Trump: "Geisteskranker, dementer Greis"

Der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Un will US-Präsident Donald Trump für dessen Drohungen ...
Keith Richards von den Rolling Stones an der Gitarre im Zürcher Letzigrund.
Kultur: 21.09.2017, 07:43

Rolling Stones: Die Magie ist verflogen

Am Mittwochabend sind die Rolling Stones im Letzigrund-Stadion in Zürich aufgetreten.
Zur klassischen Ansicht wechseln