Opferzahl nach Hochhausbrand steigt auf 79

  • Blumen und Nachrichten im Gedenken an die Todesopfer des Grossbrandes im Londoner Grenfell Tower.
    Blumen und Nachrichten im Gedenken an die Todesopfer des Grossbrandes im Londoner Grenfell Tower. (KEYSTONE/AP/KIRSTY WIGGLESWORTH)
19.06.2017 | 13:13

GROSSBRAND ⋅ Sogar erfahrene Ermittler können das Ausmass der Feuerkatastrophe schwer fassen: Die Polizei rechnet nach dem Hochhausbrand in London nun mit 79 Todesopfern. Die erneut gestiegene Zahl teilte Stuart Cundy von Scotland Yard am Montag der Öffentlichkeit mit.

Bislang seien offiziell erst fünf Opfer identifiziert. Es sei durchaus möglich, dass das nicht bei allen Todesopfern gelingen werde, so sehr habe das Feuer im Grenfell Tower gewütet.

Mit Tränen in den Augen trat der erfahrene Londoner Polizist Cundy am Montag vor die Presse und verkündete: "Ich muss ihnen leider mitteilen, dass es nun 79 Menschen gibt, die unseren Informationen zufolge tot sind oder vermisst werden und von denen wir annehmen müssen, dass sie tot sind."

Die Opferzahl könnte in den kommenden Tagen auch noch weiter steigen. Aber die Londoner Polizei erwarte keinen so hohen Anstieg mehr wie dies in den vergangenen Tagen der Fall war. Und eine gute Nachricht: Fünf nach dem Brand vermisst geglaubte Bewohner seien wohlauf. Zu den Ermittlungen zur Brandursache machte Cundy keine Angaben.

Dafür veröffentlichten die Behörden am Montag Bilder aus dem Hochhaus, die das ganze Ausmass der Katastrophe zeigen. "Es ist unglaublich schwierig, die Zerstörung in einigen Teilen des Gebäudes zu beschreiben", sagte Cundy.

Er habe viele Kriminalfälle untersucht, fügte er hinzu. "Aber nichts hat mich darauf vorbereitet, was ich dort drinnen gesehen habe." Er könne sich nicht vorstellen, was die Familien durchmachen.

Schweigeminute

In ganz Grossbritannien gedachten die Menschen der Toten am Montag um 11 Uhr (Ortszeit) - bei kurzen Gedenkveranstaltungen in öffentlichen Gebäuden, Bildungseinrichtungen oder auch bei Sportveranstaltungen. Auch auf den Strassen hielten viele für eine Minute inne.

Londons Feuerwehrchefin Dany Cotton erklärte BBC Radio, sie verstehe den Frust und das Leid jener Menschen, deren Angehörige noch nicht identifiziert seien. Die Identifizierung der Leichen sei durch das Feuer schwierig.

"Deshalb ist es noch wichtiger, dass wir sicherstellen, dass wir dies wohlüberlegt, vorsichtig und gut organisiert durchführen." Es könne noch Tage dauern, bis die Feuerwehr alle Wohnungen erreicht habe.

Verbotene Baustoffe

Mit Blick auf die Ursache und mögliche Konsequenzen der Katastrophe geht Schatzkanzler Philip Hammond davon aus, dass die am Grenfell Tower benutzte brennbare Gebäudeverkleidung in Grossbritannien verboten sei. Londons Bürgermeister Sadiq Khan brachte sogar den Abriss veralteter Hochhäuser ins Gespräch.

Sowohl die Behörden als auch das zuständige Bauunternehmen waren nach dem Brand in die Kritik geraten. Die erst vor kurzer Zeit angebrachte Verkleidung des Gebäudes soll Berichten zufolge zu der Katastrophe beigetragen haben. Zudem habe es im Grenfell Tower keine angemessenen Fluchtwege gegeben.

Das Feuer im Grenfell Tower im Londoner Stadtteil Kensington war in der Nacht auf Mittwoch aus bislang ungeklärter Ursache ausgebrochen. Berichten zufolge lebten zwischen 400 und 600 Menschen in dem 24 Stockwerke hohen Sozialbau. Die Feuerkatastrophe von London gehört zu den folgenschwersten Hochhausbränden weltweit. (sda/afp)

Kommentare
zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden
Ein neues Posting hinzufügen

Sie dürfen noch Zeichen schreiben.
Bei jedem neuen Beitrag in dieser Diskussion erhalten Sie eine entsprechende Benachrichtigung
Füllen Sie bitte die notwendigen Felder für die Registrierung aus.

Geben Sie bitte folgende Daten ein, um sich zu registrieren und Ihren Kommentar zu speichern.

Ich habe die AGB gelesen und akzeptiert.:
Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

Schreiben Sie bitte Tagblatt rückwärts?
 

Meistgelesen

Wenn sich Gewalt ihren Bann bricht, sind alle gefordert - Beteiligte, Arbeitgeber, und oftmals auch Richter.
Kanton Thurgau: 28.06.2017, 06:31

Rote Köpfe und blaue Augen

Ein Mitarbeiter der Ernst Fischer AG wird am Arbeitsplatz handgreiflich gegen eine ...
Beste Laune bei diesen beiden Festivalbesuchern, obwohl es noch lange geht, bis sie aufs Gelände dürfen.
Ostschweiz: 28.06.2017, 09:44

Jetzt live: Das grosse Warten aufs Open Air St.Gallen

Das Areal des Open Airs St.Gallen wird erst am Donnerstagnachmittag geöffnet.
Derzeit sieht es so aus, als könnte man auch in diesem Jahr gut Regenstiefel brauchen im Sittertobel.
Ostschweiz: 28.06.2017, 06:40

Gummistiefel werden knapp

Die Wetterprognosen versprechen auch dieses Jahr ein schlammiges Open Air.
In den vergangenen Jahren war das Open Air St.Gallen bereits früh ausverkauft.
Ostschweiz: 28.06.2017, 05:00

Open-Air-Chef: "Unsere Existenz ist nicht bedroht"

Bereits in zwei Tagen geht das Open Air St.Gallen los.
Moderatorin Sabine Dahinden (links) wandert gemeinsam mit Sekundarschülerinnen und -schülern aus dem Obertoggenburg von der Gamsalp auf den Chäserrugg.
Toggenburg Aufschlag: 27.06.2017, 16:30

Moderatorin Sabine Dahinden erklimmt den Chäserrugg

Ein Team von «Schweiz aktuell» war am Montag im Toggenburg unterwegs, um Aufzeichnungen für eine ...
Das Wrack der russischen Passagiermaschine am Tag nach dem Unglück.
Ostschweiz: 28.06.2017, 07:24

«Die Besinnung kommt erst später»

Am 1. Juli 2002 stiessen bei Überlingen am Bodensee zwei Flugzeuge in der Luft zusammen – ...
China-Southern-Passagiere mussten in Shanghai stundenlang auf einen Abflug warten. Grund war eine abergläubische Chinesin. (Symbolbild)
Wirtschaft: 28.06.2017, 07:00

Abergläubische Chinesin verzögert Abflug

Der Start eines Flugzeugs in China hat sich mehrere Stunden verzögert, weil eine abergläubische ...
Fabian Füger in seiner Bäckerei.
Rorschach: 27.06.2017, 10:49

Steinacher Beck holt nationalen Preis

Der junge Bäcker-Konditor Fabian Füger ist mit der nationalen Branchenauszeichnung "Bäckerkrone" ...
Die vier grossen Scheinwerfer sorgen für zu wenig einheitliches Licht in der Wiler IGP-Arena.
Wil Aufschlag: 27.06.2017, 18:27

Mehr Licht mit Verspätung

Der FC Wil braucht ab der neuen Saison in der IGP-Arena mehr Licht, um eine Lizenzauflage der ...
Durch das Feuer entstand ein Gebäudeschaden von rund 300'000 Franken.
Unfälle & Verbrechen: 27.06.2017, 17:46

Feuerwerkskörper löste Grossbrand in Logistikfirma aus

Der Grossbrand in einer Logistikfirma in Schwarzenbach bei Wil in der Nacht auf Sonntag ist ...
Zur klassischen Ansicht wechseln