Mehr als 60 Tote bei Waldbrand in Portugal

  • Noch immer wüten die Flammen in Portugal: Beim schlimmsten Waldbrand der letzten Jahrzehnte in dem Land starben mindestens 62 Menschen.
    Noch immer wüten die Flammen in Portugal: Beim schlimmsten Waldbrand der letzten Jahrzehnte in dem Land starben mindestens 62 Menschen. (Keystone/EPA LUSA/PAULO CUNHA)
18.06.2017 | 08:42

PORTUGAL ⋅ Der schlimmste Waldbrand in Portugal seit Jahrzehnten hat mindestens 62 Menschen das Leben gekostet. Einige verbrannten in ihren Autos, ganze Dörfer waren von Feuer umgeben. Ein Blitzeinschlag löste den Brand laut Polizei am Samstag aus.

Das Feuer in der Region Pedrógão Grande knapp 200 Kilometer nordöstlich von Lissabon breitete sich rasend schnell in vier Richtungen aus. Dutzende Menschen wurden bei dem verhängnisvollen Waldbrand verletzt. Wie gross die betroffene Fläche ist, blieb zunächst unklar.

Am Sonntagnachmittag hatte die Feuerwehr zwei der vier Feuerfronten unter Kontrolle, sagte Jorge Gomes, Staatssekretär im Innenministerium. Der Einsatz von Löschflugzeugen und Helikoptern sei am Sonntag zunächst aufgrund der starken Rauchentwicklung unmöglich gewesen.

Die extreme Trockenheit und die starken Winde behinderten weiterhin die Löscharbeiten. In der Region ist es derzeit sehr heiss mit Temperaturen von über 30 Grad.

Staatstrauer

Ministerpräsident António Costa kündigte eine dreitägige Staatstrauer von Montag bis Mittwoch an. Zudem sollte am Sonntag mit einem Moment des Schweigens vor der Confed-Cup-Partie Portugal gegen Mexiko der zahlreichen Todesopfer gedacht werden. Cristiano Ronaldo & Co. wollten im russischen Kasan Trauerflor tragen.

Knapp 700 Feuerwehrmänner kämpften mit mehr als 215 Fahrzeugen und vier Löschflugzeugen gegen die Flammen. Das Leiden stand den unzähligen Betroffenen ins Gesicht geschrieben. "Wir haben alles verloren, unser Haus, unsere Tiere, alles", erzählte eine ältere Frau unter Tränen dem TV-Sender RTP. Ein Mann sagte kopfschüttelnd: "In meinen 53 Jahren habe ich so etwas nicht gesehen."

"Das fühlt sich nicht wirklich an, nicht von dieser Welt", sagte Bürgermeister Valdemar Alves. "Das ist ein echtes Inferno, wo etwas haben wir noch nie gesehen." Es gebe einige Dörfer, die "von den Flammen völlig eingekesselt" seien.

Nach Angaben des Innenministeriums waren etliche der später tot geborgenen Menschen mit ihren Fahrzeugen unterwegs, als die Flammen sie plötzlich einschlossen. Auf Bildern waren ausgebrannte Autos, brennende Bäume und Häuser zu sehen.

Durch Blitzschlag ausgelöst

Das Feuer wurde nach Angaben der Polizei durch einen Blitzschlag ausgelöst. "Alles deutet ganz klar auf natürliche Ursachen hin", sagte der Direktor der Kriminalpolizei, José Almeida Rodrigues, der portugiesischen Nachrichtenagentur Lusa. Zuvor hatte Bürgermeister Alves noch gesagt, er sei überzeugt, dass das Feuer gelegt wurde.

Zu Beginn war die Feuerwehr nach Angaben von Augenzeugen völlig überfordert. "Als die Flammen in der Nacht unseren Häusern immer näherkamen, habe ich stundenlang keinen einzigen Feuerwehrmann gesehen", sagte eine ältere Frau dem Fernsehsender RTP. Bürgermeister Alves hatte zuvor eine "ungenügende Zahl von Einsatzkräften" beklagt.

Portugals Staatspräsident Marcelo Rebelo de Sousa war in der Nacht zur Unglücksstelle geflogen und sprach von einer "beispiellosen Situation". Ministerpräsident Costa, der die Entwicklung die gesamte Nacht von der Zentrale des Zivilschutzes in Carnaxide bei Lissabon aus verfolgte, sagte, er sei vom "Ausmass der Tragödie schockiert".

Die Europäische Union sagte Portugal im Kampf gegen die Flammen Hilfe zu. "Es wird alles getan werden, um den Behörden und den Menschen in Portugal in dieser Zeit der Not zu helfen", erklärte der zuständige EU-Kommissar Christos Stylianides am Sonntag. Auf Bitte Portugals würden Löschflugzeuge organisiert. Frankreich habe sofort drei Maschinen zugesagt. Zusätzlich helfe Spanien mit Flugzeugen.

Bundesrat Didier Burkhalter kondolierte dem Aussenminister Portugals Augusto Santos Silva in einem SMS. Er sicherte darin Portugal die Solidarität der Schweiz zu. (sda/dpa/afp)

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