Sturmtief "Sebastian" fegt über die Schweiz

  • Das Sturmtief "Sebastian" fegte auch über den Genfersee. Der Schiffsbetrieb war wegen der starken Winde eingeschränkt. (Archivbild)
    Das Sturmtief "Sebastian" fegte auch über den Genfersee. Der Schiffsbetrieb war wegen der starken Winde eingeschränkt. (Archivbild) (KEYSTONE/CYRIL ZINGARO)
14.09.2017 | 16:29

WETTER ⋅ Umstürzende Bäume, kippende Lastwagen, durchstartende Flugzeuge: Das Sturmtief "Sebastian" hat am Donnerstag in weiten Teilen der Schweiz für schwere Behinderungen im Strassen-, Schienen-, Schiffs- und Luftverkehr gesorgt. Verletzt wurde niemand.

Den Höhepunkt erreichte der Sturm im Laufe des Vormittags, wie Urs Graf von MeteoSchweiz auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda sagte. Auch danach sei es windig geblieben. Grössere Zwischenfälle gab es am Nachmittag aber nicht mehr.

Das war am Morgen noch anders: Im Vorfeld einer Kaltfront fegten stürmische Winde über die Schweiz hinweg und verursachten teilweise grosse Verkehrsprobleme. Laut Lucas Bürki vom Strasseninformationsdienst viasuisse kippten auf der A1 zwischen Kriegstetten SO und Oensingen SO gleich zwei Lastwagenanhänger wegen Windböen von der Strasse. Die Anhänger lagen auf dem Strassenbord.

Weil während der zweistündigen Bergungsarbeiten die Fahrbahn verengt war, mussten Verkehrsteilnehmer auf dieser Strecke zeitweise mit einer Verspätung von rund 45 Minuten rechnen. Zudem waren viele Nebenstrassen verstopft. Reisenden wurden Ausweichrouten empfohlen.

Bäume fallen auf Strassen und Strommasten

In der Westschweiz, zwischen Yverdon VD und Lausanne, kippte ebenfalls ein Lastwagenanhänger um - möglicherweise spielte auch hier der Wind eine Rolle. Die Autobahn war zwischen der Verzweigung Essert-Pittet VD und Chavornay VD blockiert. Reisenden von Bern in Richtung Lausanne wurde die Alternativroute über die A12/A9 empfohlen.

Erschwert war die Durchfahrt auch auf verschiedenen Kantons- und Hauptstrassen. Umgestürzte Bäume sorgten etwa im Berner Oberland, rund um den Neuenburgersee oder in der Region Solothurn/Aargau/Baselland für Behinderungen.

Der Schiffsverkehr auf dem Boden-, Genfer- und Bielersee war wegen des Sturms unterbrochen oder eingeschränkt. Auch verschiedene Bergbahnen stellten zwischenzeitlich den Verkehr ein. In der Region Ste-Croix VD fiel zudem zwischenzeitlich der Strom aus, weil Bäume auf Leitungen gefallen waren.

Wacklige Landungen

Auswirkungen hatte "Sebastian" auch an den Landesflughäfen Zürich, Basel und Genf. Am Flughafen Zürich herrschten am Vormittag sehr starke Seitenwinde aus westlicher Richtung. Laut MeteoSchweiz betrugen sie im Maximum 72 Kilometer pro Stunde (km/h).

Das Pistenkonzept wurde deshalb umgestellt, wie eine Flughafensprecherin sagte. Mehrere Flugzeuge hätten am Donnerstagmorgen wegen der starken Winde Probleme beim Landen gehabt und brauchten dafür mehr als einen Anlauf.

Eine A380, die aus Singapur kam, flog nach drei erfolglosen Landeversuchen nach Frankfurt weiter, wie die Sprecherin weiter sagte. Die Maschine kam Stunden später doch noch in Zürich an.

Temperatursturz von 10 Grad

Dass eine Kaltfront im Anzug war, spürte man am frühen Morgen an den warmen Winden, die sie vor sich hertrieb. Meteorologe Graf sprach von einem "im Prinzip normalen Herbststurm, der vergleichsweise relativ früh auftrat". Das Tief an sich sei nichts Aussergewöhnliches gewesen.

Am Jurasüdfuss erreichte der Sturm laut MeteoSchweiz Spitzengeschwindigkeiten von 113 km/h. Im Kanton Neuenburg und in Baselland wurden ähnlich hohe Böenspitzen registriert. Auch in den Alpentälern blies der Wind teilweise mit über 100 km/h.

In der Nacht auf Donnerstag war an einzelnen Orten noch eine Tropennacht verzeichnet worden. In Altdorf und Basel sank das Thermometer nicht unter die 20-Grad-Marke. Das änderte sich aber rasch: An einzelnen Messstandorten gingen die Temperaturen innerhalb von zwanzig Minuten um 7 Grad zurück. Verbreitet war es am Nachmittag 10 Grad kühler als am Morgen. (sda)

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