Wechsel im Bündner Kunstmuseum wirft Wellen

  • Der Erweiterungsbau zum Bündner Kunstmuseum: Nach der Fertigstellung wurde das Direktorium zur Baustelle.
    Der Erweiterungsbau zum Bündner Kunstmuseum: Nach der Fertigstellung wurde das Direktorium zur Baustelle. (Ruedi Lämmler/sda)
19.06.2017 | 18:14

PERSONALIA ⋅ Die Umstrukturierung an der Spitze des Bündner Kunstmuseums in Chur hat am Wochenende Wellen des Protests geworfen. Der zuständige Regierungsrat Martin Jäger verteidigt den Führungswechsel an der Spitze des Museums im Gespräch mit der Nachrichtenagentur sda.

In 14 Zeilen hatte die Bündner Regierung am Mittwoch vergangener Woche informiert, dass Stephan Kunz, seit Oktober 2011 Direktor des Bündner Kunstmuseums, abgelöst wird. Neue Direktorin - vorerst interimistisch für ein Jahr - wird die 36-jährige Nicole Seeberger, die 2009 am Museum tätig ist.

Stephan Kunz verlässt Chur nicht etwa, sondern bleibt dem Museum erhalten als "Hauptkurator". Seither rätselt die Bündner Kulturszene fiebrig über die Gründe der Restrukturierung an der operativen Spitze des Museums. Die Leserbriefspalten der Tageszeitungen waren am Wochenende voll von Zuschriften, welche blankes Unverständnis über den regierungsrätlichen Entscheid ausdrückten.

"Vieles nicht optimal gelaufen"

Der Kanton will in dieser Sache von sich aus nichts mehr verlautbaren, wie der zuständige Regierungsrat Martin Jäger (SP) am Montag auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda betonte. Das Wichtigste sei, dass die betroffen Personen einverstanden gewesen seien mit den getroffenen Entscheiden. Die betroffenen Personen sind Stephan Kunz als gewesener Direktor sowie Nicole Seeberger als neue Direktorin ad interim.

Zu den Hintergründen über die Personalentscheide im Kunstmuseum erklärte Jäger, über eine längere Zeit sei "vieles nicht optimal" gelaufen. Ende vergangenes Jahr beziehungsweise Anfang dieses Jahr sei "einiges aus dem Ruder gelaufen". Jäger wollte diese Aussagen nicht weiter vertiefen. Er erklärte, es handle sich bei den Betroffenen um Angestellte des Kantons, über deren Personalbelange nicht öffentlich kommuniziert werde.

Jäger kündigte an, er werde diese Position und Entscheide auch am Montag nächster Woche an der Jahresversammlung des Bündner Kunstvereins im Kunstmuseum in Chur vertreten. Der Kunstvereins ist Co-Träger des Kunstmuseums.

"Ganz starke Seiten"

Um die unbefriedigende Situation am Bündner Kunstmuseum zu lösen, hatte Regierungsrat Jäger eigenen Angaben zufolge zuerst das Personalamt des Kantons konsultiert. Danach setzten sich interne und externe Fachpersonen mit der Situation auseinander, die externen für 20'000 Franken.

Die von Jäger getroffene Lösung wurde ihm gemäss seinen Angaben von Fachleuten, die eine Analyse erstellt hatten, empfohlen. Stephan Kunz habe "ganz starke Seiten", unterstrich Jäger. Auf diese Seiten will der Regierungsrat auch künftig nicht verzichten, wenn Kunz, der vom Kunsthaus Aargau nach Chur wechselte, in der Funktion des Hauptkurators für das Bündner Kunstmuseum arbeitet.

In die Direktorenzeit von Kunz fielen der neue Erweiterungsbau ("Kunst der Fuge") des Museums sowie die Renovation der Villa Planta, dem eigentlichen Museum. Der Neubau verschlang 28,5 Millionen Franken, die Renovation 5,3 Millionen Franken.

In Eröffnungsreden im Juni vergangenes Jahr wurde vor allem der Erweiterungsbau gelobt. Regierungsrat Jäger sagte, mit dem Neubau könne sich die hauseigene Sammlung im Kontext der schweizerischen Museumslandschaft sehen lassen. Das Bündner Kunstmuseum werde zum "Magneten für das Kunstpublikum". (sda)

Kommentare
zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden
Ein neues Posting hinzufügen

Sie dürfen noch Zeichen schreiben.
Bei jedem neuen Beitrag in dieser Diskussion erhalten Sie eine entsprechende Benachrichtigung
Füllen Sie bitte die notwendigen Felder für die Registrierung aus.

Geben Sie bitte folgende Daten ein, um sich zu registrieren und Ihren Kommentar zu speichern.

Ich habe die AGB gelesen und akzeptiert.:
Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

Schreiben Sie bitte Tagblatt rückwärts?
 

Meistgelesen

Wenn sich Gewalt ihren Bann bricht, sind alle gefordert - Beteiligte, Arbeitgeber, und oftmals auch Richter.
Kanton Thurgau: 28.06.2017, 06:31

Rote Köpfe und blaue Augen

Ein Mitarbeiter der Ernst Fischer AG wird am Arbeitsplatz handgreiflich gegen eine ...
Beste Laune bei diesen beiden Festivalbesuchern, obwohl es noch lange geht, bis sie aufs Gelände dürfen.
Ostschweiz: 28.06.2017, 09:44

Jetzt live: Das grosse Warten aufs Open Air St.Gallen

Das Areal des Open Airs St.Gallen wird erst am Donnerstagnachmittag geöffnet.
Derzeit sieht es so aus, als könnte man auch in diesem Jahr gut Regenstiefel brauchen im Sittertobel.
Ostschweiz: 28.06.2017, 06:40

Gummistiefel werden knapp

Die Wetterprognosen versprechen auch dieses Jahr ein schlammiges Open Air.
In den vergangenen Jahren war das Open Air St.Gallen bereits früh ausverkauft.
Ostschweiz: 28.06.2017, 05:00

Open-Air-Chef: "Unsere Existenz ist nicht bedroht"

Bereits in zwei Tagen geht das Open Air St.Gallen los.
Manch einer kommt von weit her und ist noch nicht mit den Gepflogenheiten vom Sittertobel vertraut
Ostschweiz: 28.06.2017, 10:56

Liebe Nicht-Ostschweizer, das muss man über das OASG wissen!

Wer in der Ostschweiz aufgewachsen ist, hat das Open Air St.Gallen schon mit der Muttermilch ...
Moderatorin Sabine Dahinden (links) wandert gemeinsam mit Sekundarschülerinnen und -schülern aus dem Obertoggenburg von der Gamsalp auf den Chäserrugg.
Toggenburg Aufschlag: 27.06.2017, 16:30

Moderatorin Sabine Dahinden erklimmt den Chäserrugg

Ein Team von «Schweiz aktuell» war am Montag im Toggenburg unterwegs, um Aufzeichnungen für eine ...
China-Southern-Passagiere mussten in Shanghai stundenlang auf einen Abflug warten. Grund war eine abergläubische Chinesin. (Symbolbild)
Wirtschaft: 28.06.2017, 07:00

Abergläubische Chinesin verzögert Abflug

Der Start eines Flugzeugs in China hat sich mehrere Stunden verzögert, weil eine abergläubische ...
Das Wrack der russischen Passagiermaschine am Tag nach dem Unglück.
Ostschweiz: 28.06.2017, 07:24

«Die Besinnung kommt erst später»

Am 1. Juli 2002 stiessen bei Überlingen am Bodensee zwei Flugzeuge in der Luft zusammen – ...
Fabian Füger in seiner Bäckerei.
Rorschach: 27.06.2017, 10:49

Steinacher Beck holt nationalen Preis

Der junge Bäcker-Konditor Fabian Füger ist mit der nationalen Branchenauszeichnung "Bäckerkrone" ...
Dieses Jahr wird es mehr Regentropfen als Sonnenstrahlen geben.
Ostschweiz: 26.06.2017, 13:46

Sonnencreme oder Gummistiefel? - So wird das Open-Air-Wetter

Gewitter, kalt und Sonnenschein: Am diesjährigen Open Air St.Gallen ist von allem etwas dabei.
Zur klassischen Ansicht wechseln