Volksentertainer mit Bizeps

  • Andreas Gabalier in Aktion.
    Andreas Gabalier in Aktion. (OLIVER BERG (EPA))
13.06.2017 | 07:16

SCHLAGER ⋅ Am Freitag soll der «Volks-Rock-’n’-Roller» Andreas Gabalier den St. Galler Kybunpark in eine Festhütte verwandeln. Es wird ihm wohl gelingen, denn der Mann ist ein singendes Phänomen.

Michael Graber

Michael Graber

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@tagblatt.ch

Ein«Hodi odi oh di ho di eh» reicht, und schon stehen alle und schunkeln, als wäre man in Sölden oder auf Mallorca. Andreas Gabalier ist eines der grossen musikalischen Phänomene im deutschsprachigen Raum. Zu seinen Konzerten kommen Zehntausende, nicht wenige in Dirndl und Lederhosen. Regelmässig sind die Auftritte des 32-jährigen Österreichers ausverkauft.

Und das alles macht er scheinbar im Alleingang. Auf Radiostationen in der Schweiz wurden seine Songs in den letzten dreissig Tagen nicht einmal dreissig Mal gespielt. Zum Vergleich: Der Rag ’n’ Bone Man wurde im gleichen Zeitraum fast 2000 Mal runtergedudelt. Klar, die Zeiten, als Radios noch Stars machten, sind vorbei – Youtube und Spotify lassen grüssen –, aber irgendwas scheint bei Gabalier doch anders zu laufen als sonst, oder?

«Die Leute finden auch so zu meiner Musik»

Der selbsternannte «Volks-Rock-’n’-Roller» sitzt in kurzen Hosen da und grinst: «Es ist ein Segen, dass wir von den Radios nicht gespielt werden.» So hätten die Leute noch Hunger auf seine Songs und würden damit nicht schon den ganzen Tag beschallt. Am Anfang seiner Karriere sei er noch bei den Stationen betteln gegangen, seine Lieder zu spielen. «Mittlerweile weiss ich, dass die Leute meine Musik auch so finden.» Gabaliers Song «Hulapalu» gehörte 2016 zu den von Streamingplattformen am meisten gespielten Songs. Gabaliers CD-Verkäufe sind ebenfalls sehr beachtlich, man könnte fast meinen, vom Radio so geschnitten zu werden, sei eines seiner Erfolgsgeheimnisse. «Und sowieso: Die Leute bei der Presse sollen selber entscheiden, über was sie berichten. Da sitzen ja lauter Musik- experten», grinst Gabalier.

Der abfällige Unterton ist nicht zu überhören. Er ist gewollt. Es ist ein weiteres Erfolgsgeheimnis von Gabalier, eben nicht Teil des Musikkuchens zu sein. Auf politische Korrektheit gibt er nichts, und ein SP-Wähler ist er sicher auch nicht. Erst kürzlich grüsste er den österreichischen Bundespräsidenten Alexander van der Bellen via Facebook höchst ironisch: Dekoriert mit einem Tischtuch als Kopftuch und einem Schnaps in der Hand, kommentierte er so eine Aussage des Politikers zum Umgang mit dem Islam. Der Applaus aus rechtspopulistischen Kreisen liess nicht lange auf sich warten. Derzeit liefert Gabalier sich aber auch einen Gerichtsstreit mit dem Wiener Konzerthausdirektor. Dieser hatte gesagt, er würde den Sänger nicht bei sich auftreten lassen, da man wisse, «wofür er steht», und dass man damit «ein Signal» aussende. Der muskelbepackte Hitproduzent will sich das nicht bieten lassen, über Anwälte verklagte er den Direktor und liess ausrichten, er wolle «sich nicht in die rechte Ecke drängen lassen». So oder so: Gabalier ist stets ein Thema. Auch das ist eines seiner Erfolgsgeheimnisse: Über Andreas Gabalier kann man recht lange sprechen, ohne über seine Musik zu reden. Sein «Volks-Rock-’n’-Roll» ist zwar grundsolide Unterhaltung, aber eigentlich deutlich näher beim Schlager als beim Rock. Mitsingen, mitschaukeln, mitwippen ist leicht und gehört dazu. Sowieso: Gabalier funktioniert vor allem da, wo eben am besten gesungen, geschaukelt und gewippt werden kann. Also live. Seine CDs sind in erster Linie Vehikel, um das Publikum erneut an Konzerte zu locken. Dort ist er dann der Entertainer, der mit seinem Bizeps ebenso punktet wie mit seinem Gesang. Und live ist er tatsächlich eine Wucht. Er kann Nähe schaffen und wirkt dabei wie der nette Nachbar von nebenan. Und er ist sich nie zu schade, den Kontakt mit seinen Fans zu suchen. In der Schweiz gibt es als vergleichbares Phänomen nur den Trauffer. Durch unzählige Konzerte hat sich der «Alpentainer» eine solide Fanbasis erspielt und gewinnt mittlerweile mit seiner Musik auch mehrere «Swiss Music Awards». Auch er findet weder im Radio noch in den Medien statt, sondern vor allem an seinen Auftritten. «Wir haben den mal zu uns eingeladen, um in Österreich Konzerte zu spielen», sagt Andreas Gabalier über den Berner Musiker, «er wollte aber nicht. Er hatte wohl Angst, dass ihn niemand versteht.»

Berge und Sonnenuntergänge

Gabalier und Trauffer wären aber tatsächlich ein passendes Duo. Beide betonen in ihrer Musik stets das Einfache und Urchige. Alles klingt nach Bergen und Sonnenuntergängen. Ohne Dialekt und etwas Folklore würde das nicht funktionieren. Es sei «Musik für Leute, die mit der Globalisierung wenig anfangen können», sagte ein Musikproduzent über Trauffer und Gabalier. Eben jene, die mit dem Rag-’n’-Bone-Gedudel am Radio nichts am Hut haben und die sich aufregen, will ein Popstar mal wieder die Welt verbessern.

Gabalier dagegen ist vor allem Gabalier, einer, mit dem man gerne ein «Schnapserl» trinken würde. In der komplett überbelichteten Showbusiness-Welt ist das ein wohltuender Kontrapunkt. Die Musik ist da manchmal ein bisschen Nebensache.

Konzert: Fr, 16.6, Kybunpark, St. Gallen

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