Tonfall verschärft sich nach Jet-Abschuss

  • Eine F/A-18E wie auf dem Bild schoss den syrischen Kampfjet ab. (Archiv)
    Eine F/A-18E wie auf dem Bild schoss den syrischen Kampfjet ab. (Archiv) (KEYSTONE/US DEPARTMENT OF DEFENSE/JAKE CANNADY /US DOD HANDOUT)
19.06.2017 | 11:59

SYRIEN ⋅ Nach dem Abschuss eines syrischen Kampfjets durch ein US-Flugzeug verschärft sich der Ton zwischen Russland und den USA. Moskau kündigte an, den Kommunikationskanal zwischen russischem und amerikanischem Militär zur Vermeidung von Zwischenfällen über Syrien zu kappen.

Stattdessen werde das russische Militär Flugzeuge und Drohnen der US-geführten Koalition als potenzielle Ziele ins Visier nehmen, wenn sie westlich des Flusses Euphrat fliegen, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau am Montag mit.

Der russische Vizeaussenminister Sergej Rjabkow verurteilte den Abschuss als "Akt der Aggression". Die US-Kommandoführung müsse den Vorfall "sorgfältig" untersuchen, forderte das russische Verteidigungsministerium.

Der syrische Jagdbomber vom Typ Suchoi Su-22 war am Sonntag bei Gefechten um die IS-Hochburg Al-Rakka in Nordsyrien getroffen worden. Das Flugzeug habe zuvor Bomben in der Nähe von Einheiten der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) abgeworfen, teilte das US-Militär mit.

Washington um Entspannung bemüht

Der Sprecher des Weissen Hauses, Sean Spicer, war um eine Entspannung der Situation bemüht. Man arbeite daran, die Kommunikation mit Russland aufrecht zu erhalten, sagte er in Washington. Eine Eskalation der Situation helfe niemandem. Spicer fügte aber auch hinzu, dass sich die USA das Recht zur Selbstverteidigung vorbehielten.

Ein Sprecher der US-geführten Koalition sagte, das Bündnis werde seine Einsätze gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien fortsetzen und gleichzeitig sicherstellen, dass die Sicherheit der Flugbesatzungen nicht gefährdet sei. Man habe "vorsichtige Massnahmen" getroffen, um die Flugzeuge im syrischen Luftraum neu zu positionieren.

Die kurdisch geführten SDF sind mit der internationalen Koalition verbündet, die in Syrien und dem Irak gegen die sunnitischen Fanatiker vom so genannten Islamische Staat (IS) kämpft.

Nach syrischen Angaben hatte die Su-22 nur IS-Stellungen angegriffen. Der Abschuss des Jets sei ein Akt der "Aggression", teilten die syrischen Streitkräfte mit. Moskau unterstützt in Syrien die Führung von Präsident Baschar al-Assad.

Mehrere Vorfälle

In den vergangenen Wochen hatte das US-Militär im Südosten Syriens mehrmals regierungsnahe Milizen angegriffen. Das Pentagon begründete das damit, dass diese eine Gefahr für US-Soldaten und verbündete Kämpfer dargestellt hätten. Alle drei Vorfälle ereigneten sich nahe Al-Tanf, wo rund 150 US-Soldaten oppositionelle Kräfte im Kampf gegen die IS-Terrormiliz ausbilden.

Manche Beobachter fürchten, dass die USA schleichend tiefer in den syrischen Bürgerkrieg hineingezogen werden und es zu einem direkten militärischen Konflikt mit den Truppen von Assad kommen könnte.

Bereits im April hatte Russland die Sicherheits-Vereinbarung mit den USA ausgesetzt. Damals reagierte der Kreml auf einen US-Raketenangriff auf einen syrischen Luftwaffenstützpunkt. Trotz der russischen Ankündigung wurde jedoch weiter über die so genannte Sicherheits-Hotline kommuniziert.

Kurdische Truppen drohen

Die SDF drohte der Regierung in Damaskus derweil. "Wir betonen, dass die andauernden Attacken des Regimes auf unsere Stellungen in der Provinz Al-Rakka uns zur Vergeltung und zu unserem Recht zur Selbstverteidigung zwingen werden", sagte Sprecher Talal Silo in einer Stellungnahme Die Angriffe zielten darauf, den Sturm auf die IS-Hochburg Al-Rakka zu stoppen.

Die steigenden Spannungen könnten auch Einfluss die für den 10. Juli angesetzten Friedensgespräche in der kasachischen Hauptstadt Astana haben. Zu diesen werde auch der UNO-Sondergesandte Staffan de Mistura erwartet, sagte der russische Aussenminister Sergej Lawrow der Agentur Tass zufolge am Montag in Peking.

Iran greift ein

Auch das militärische Einschreiten des Iran verkomplizierte die Lage weiter. Das Land griff nach eigenen Angaben erstmals Stellungen der IS-Miliz in Syrien mit Raketen an. Nach Angaben des iranischen Staatsfernsehens wurde dabei auch der IS-Kommandant Saad al-Hosseini getötet, der als Abu Saad bekannt ist.

Den Revolutionsgarden zufolge war der Angriff eine "Vergeltung" für Attentate im Zentrum Teherans am 7. Juni. Bei den Angriffen auf das iranische Parlament und das Mausoleum von Ayatollah Khomeini waren 17 Menschen getötet worden. Der IS beanspruchte die Angriffe für sich.

Der überwiegend schiitische Iran unterstützt im Syrien-Konflikt Präsident Assad gegen die radikal-sunnitische IS-Terrormiliz. Es war das erste Mal seit dem Krieg gegen den Irak von rund 30 Jahren, dass der Iran Raketen auf Ziele im Ausland abfeuerte. Die iranische Armee erklärte, die Verteidigung beschränke sich angesichts der Bedrohung "durch Terroristen und andere Feinde" nicht mehr auf die Grenzen des Landes. (sda/dpa/afp)

Kommentare
Kommentar zu: Tonfall verschärft sich nach Jet-Abschuss
lädt ... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet ()

geschrieben am 19.06.2017 22:23 | von Bernd Lehnherr

schaffen es diese zwei WAHNSINNIGEN doch noch,die Welt in eine Katastrophe zu fuehren.Die Russen kaempfen fuer ihren einzigen Mittelmeerstuetzpunkt und die AMIS versuchen vergeblich,Demokratie und Menschenrechte herzustellen.Unmoeglich im Heer der zerstrittenen moslemischen Religionen und Kulturen.Es gaebe andere noetige Aufgaben in Angriff zunehmen,z.B.kampf gegen Trockenheit und Hungersnoete und viele,viele weitere Naturkatastrophen,wie z. Zt in Portugal.

antworten
Ein neues Posting hinzufügen

Sie dürfen noch Zeichen schreiben.
Bei jedem neuen Beitrag in dieser Diskussion erhalten Sie eine entsprechende Benachrichtigung
Füllen Sie bitte die notwendigen Felder für die Registrierung aus.

Geben Sie bitte folgende Daten ein, um sich zu registrieren und Ihren Kommentar zu speichern.

Ich habe die AGB gelesen und akzeptiert.:
Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

Was ist das Gegenteil von Gut??
 

Meistgelesen

Beim Kaffeehaus des zweithöchsten Stadtsanktgallers fand die Kontrolle statt.
St.Gallen: 24.06.2017, 18:49

Eistee, Wasser und zwei Polizisten

Wer in der Stadt wirtet, ist auch mit Vorschriften konfrontiert, die kurios erscheinen.
Am Freitagabend feierte die Oper «Loreley» von Alfredo Catalani an den St. Galler Festspielen ihre Schweizer Erstaufführung.
Ostschweizer Kultur: 24.06.2017, 14:12

Tabledance vor der St.Galler Kathedrale

Mit Alfredo Catalanis «Loreley» ging am Freitag bei den St.
"Nein, ich könnte mir niemals vorstellen, bei diesem Konstrukt Sportchef des FC St.Gallen zu werden", sagt Fredy Bickel, Sportchef Rapid Wien.
FC St.Gallen: 24.06.2017, 12:02

«Der Sportchef muss der CEO sein»

Fredy Bickel ist einer der profiliertesten Sportchefs der Schweiz. Dass im FC St.
Fussball der anderen Art - ein Schnappschuss vom Calcio Storico.
Sport: 24.06.2017, 14:41

Im Vorhof der Hölle

Wie jedes Jahr duellieren sich heute am Johannistag auf der Piazza Santa Croce in Florenz zwei ...
Das Bewässern von Gemüse ist bei dieser Hitze wichtig.
Schauplatz Ostschweiz: 24.06.2017, 13:33

Jetzt wird das Wasser knapp

Die Wasservorräte der Gemeinden schrumpfen. Vor allem für Gemüsebauern ist das ein Problem.
Am Freitagabend ist ein pensionierter Fahrlehrer an seinem ersten Tag als Taxifahrer mit seinem Fahrzeug auf der Martkplatztreppe verunfallt.
Unfälle & Verbrechen: 23.06.2017, 19:40

Ex-Fahrlehrer verursacht spektakulären Taxi-Unfall

Am Freitagnachmittag ist ein pensionierter Ex-Fahrlehrer auf der Rorschacher Marktplatztreppe ...
Sollte beim FC St.Gallen der starke Mann sein: Präsident Stefan Hernandez.
FC St.Gallen: 24.06.2017, 07:30

Haben Sie die Situation im Griff, Herr Präsident?

Christian Stübi hat den Bettel hingeworfen. Doch wie ist es dazu gekommen?
Die Autofahrer freut’s: In Rorschach sind seit vergangenem Mai 744 Bussenzettel weniger verteilt worden als im Jahr zuvor.
Rorschach: 24.06.2017, 08:00

Wilder Westen in Rorschach?

Raser, Rowdys, Falschparkierer hätten derzeit ein leichtes Spiel, mutmasst ein Leser.
Will für die Grünen in den St.Galler Stadtrat: Ingrid Jacober.
St.Gallen: 24.06.2017, 10:12

Ingrid Jacober will in die Stadtregierung

Die Grünen der Stadt St.Gallen beteiligen sich an der Ersatzwahl vom Herbst für den Stadtrat.
Junge Musikanten sind begehrte Mitglieder bei den Blasmusikvereinen.
Ostschweiz: 24.06.2017, 07:55

Misstöne bei den Musikanten

Blasmusikvereine tun sich schwer, neue Mitglieder zu gewinnen.
Zur klassischen Ansicht wechseln