Lebenslang Gefängnis für Zschäpe gefordert

  • Die Kläger bezeichnen Beate Zschäpe als Teil des "verschworenen Triumvirats" der NSU: Nun fordern sie eine lebenslange Freiheitsstrafe wegen mehrfachem Mordes.
    Die Kläger bezeichnen Beate Zschäpe als Teil des "verschworenen Triumvirats" der NSU: Nun fordern sie eine lebenslange Freiheitsstrafe wegen mehrfachem Mordes. (KEYSTONE/EPA/SEBASTIAN WIDMANN)
12.09.2017 | 10:29

NSU-PROZESS ⋅ Im NSU-Prozess gegen mutmassliche Rechtsterroristen in Deutschland fordern die Kläger für die Hauptangeklagte Beate Zschäpe eine lebenslange Freiheitsstrafe wegen zehnfachen Mordes. Das sagte Bundesanwalt Herbert Diemer am Dienstag vor dem Oberlandesgericht München.

Für jeden einzelnen Mord sei diese Strafe fällig, sagte Diemer in seinem Plädoyer. Es wurde erwartet, dass er anschliessend auf die weiteren Verbrechen und die Frage einer möglichen anschliessenden Sicherungsverwahrung zu sprechen kommt.

Die Anklage wirft Zschäpe Mittäterschaft an allen Verbrechen des "Nationalsozialistischen Untergrunds" (NSU) vor: den neun Morden an türkisch- und griechischstämmigen Gewerbetreibenden, dem Mord an einer deutschen Polizistin, zwei Bombenschlägen in Köln mit zum Teil Dutzenden Verletzten sowie zahlreichen Raubüberfällen.

Zschäpe habe mit ihren Komplizen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt die fanatische nationalsozialistische Gesinnung geteilt und daran mitgewirkt, Zuwanderer durch willkürliche Morde in Angst und Schrecken zu versetzen, hatte die Bundesanwaltschaft in ihrem Plädoyer argumentiert. Dabei habe sie Willen zur "Tatherrschaft" gezeigt und habe "ein Drittel eines verschworenen Triumvirats" gebildet.

Das Plädoyer der Anklage hatte schon vor der Sommerpause begonnen, nach mehr als vier Jahren Prozessdauer. Ebenfalls angeklagt sind vier mutmassliche Helfer und Unterstützer der Terrorgruppe.

Nach der Bundesanwaltschaft sind in den kommenden Wochen die Nebenkläger mit ihren Plädoyers an der Reihe, anschliessend die Verteidigung. Mit einem Urteil in dem Mammutprozess wird in einigen Monaten gerechnet. (sda/dpa/reu/afp)

Kommentare
Kommentar zu: Lebenslang Gefängnis für Zschäpe gefordert
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geschrieben am 13.09.2017 11:30 | von Boris Kerzenmacher

Dass B. Zschäpe einer radikalen, menschenverachtenden Ideologie anhängt, aus der heraus die Morde letztendlich begangen worden sind, ist unbestritten. Wer B. Zschäpe dafür den Rest ihres Lebens weggesperrt sehen möchte, dem ist zum Vergleich einmal folgender Beitrag vom Deutschlandfunk zu empfehlen, in dem über die Resozialisierung von Jihadisten nachgedacht wird.
(deutschlandfunk-deutsche-extremisten-zweite-chance-fuer-dschihadisten)

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Kommentar zu: Lebenslang Gefängnis für Zschäpe gefordert
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geschrieben am 13.09.2017 13:46 | von lieselotte schiesser

Bei der Verurteilung Zschäpes geht es nicht darum, welcher Ideologie sie anhängt, sondern dass sie mutmasslich an elf Morden beteiligt war (die einen rassistischen Hintergrund hatten). Sie steht wegen Mittäterschaft vor Gericht, nicht weil sie ein rechtsradikales oder neonazistisches Weltbild hat. Und wenn man Jihad-Rückkehrern nachweisen kann, dass sie gemordet haben oder an Morden (aktiv) beteiligt waren, dann werden sie auch wegen Mordes vor Gericht kommen, verurteilt werden. Wer allerdings "nur" zum IS gereist war, aber keine Straftat begangen hat, der wird auch nicht verurteilt. So wenig wie all die Anhänger rechtsradikaler Parteien (so lange sie nicht mit Hakenkreuz und Hitlergruss aufmarschieren - die sind in D verboten).

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