Auch EU-Mitarbeiter in Mali getötet

  • Der Anschlagsort ausserhalb der malischen Hauptstadt Bamako wird von Sicherheitskräften abgesucht.
    Der Anschlagsort ausserhalb der malischen Hauptstadt Bamako wird von Sicherheitskräften abgesucht. (KEYSTONE/EPA/STR)
19.06.2017 | 06:15

MALI ⋅ Beim Terroranschlag auf ein Hotel in der malischen Hauptstadt Bamako sind auch zwei Mitarbeiter der EU getötet worden. Bei dem Anschlag am Sonntag starben laut Behörden fünf Menschen, ausserdem vier der Angreifer.

Wie die EU-Aussenbeauftragte Federica Mogherini am Montag bestätigte, starben bei der Attacke ein portugiesisches Mitglied des EU-Ausbildungseinsatzes für Sicherheitskräfte sowie eine malische Mitarbeiterin der EU-Delegation in dem westafrikanischen Land.

Von Behördenseite in Mali hiess es, ein Opfer habe die Staatsbürgerschaften Frankreichs und Gabuns, eine weitere Person sei noch nicht identifiziert worden. Gefunden worden seien zwei tote Islamisten, sagte der Sicherheitsminister Salif Traoré, nach den Leichen von zwei weiteren werde gesucht. Zur Gesamtzahl der Angreifer äusserte der Minister sich nicht.

Nach Angaben der malischen Regierung wurden bei dem Angriff auf die Anlage "Le Campement Kangaba" in einem Vorort von Bamako fünf Menschen getötet - drei Zivilisten und zwei Soldaten.

Dschihadistengruppe bekennt sich

Zu der Attacke vom Sonntag bekannte sich die dschihadistische Gruppe zur Unterstützung des Islams und der Muslime. Malischen Regierungsangaben zufolge wurden auch vier der Angreifer getötet. Die dschihadistische Gruppe sprach in einer im Internet verbreiteten Erklärung von drei getöteten Kämpfern. Die Gruppe wird von dem malischen Islamisten und Tuareg Iyad Ag Ghaly geführt.

Nach Behördenangaben wurden insgesamt 36 Gäste und Angestellte der Ferienanlage "gerettet", darunter 15 Franzosen und ebenso viele Malier. Die bei westlichen Ausländern beliebte Kangaba-Anlage im Osten Bamakos verfügt über Ferienhütten, Restaurants und Swimmingpools.

US-Botschaft warnte

Anwohner berichteten von Schüssen, eine Rauchsäule sei über der Anlage aufgestiegen. Augenzeugen berichteten, die Angreifer hätten "Allahu Akbar" geschrien.

Eine Anti-Terror-Einheit habe nur wenige Minuten später das Hotel erreicht und umzingelt. An dem Einsatz seien Sicherheitskräfte Malis, Frankreichs, der UNO und der USA beteiligt gewesen, berichteten Augenzeugen. Dem Sicherheitsministerium zufolge konnte ein Angreifer verletzt entkommen.

Erst vor gut einer Woche hatte die US-Botschaft in Mali vor einer erhöhten Gefahr durch Anschläge gegen bei Ausländern beliebte Ziele in Bamako gewarnt. Man solle Orte mit schlechter Sicherheit meiden, etwa Hotels, Restaurants und Kirchen, hiess es.

Angriff auf Radisson-Hotel

Im November 2015 griffen Terroristen das Radisson-Hotel in der Hauptstadt im Südwesten des Landes an. Dabei nahmen sie rund 100 Gäste als Geiseln und töteten etwa 20. Im Norden sind die Terrorgruppen Al-Kaida im Islamischen Maghreb (AQMI) und andere extremistische Gruppen aktiv. Sie greifen dort immer wieder UNO-Friedenstruppen und malische Streitkräfte an.

Der Norden Malis geriet 2012 vorübergehend in die Hände islamistischer und anderer Rebellengruppen, sie konnten aber nach einer Intervention französischer Streitkräfte zurückgedrängt werden. Eine UNO-Mission unter Beteiligung der deutschen Bundeswehr soll zur Umsetzung eines Friedensabkommens zwischen Regierung und Rebellen beitragen. (sda/dpa/afp)

Kommentare
Kommentar zu: Auch EU-Mitarbeiter in Mali getötet
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geschrieben am 20.06.2017 10:01 | von Boris Kerzenmacher

Mali hat sehr viele Probleme und Islamisten nutzen das aus.
Bis heute sind die Touaregs trotz vieler Friedensschlüsse nicht integriert. Dann ist das Land auch stark vom Klimawandel betroffen. Und es bildet die Probleme vieler afrikanischer Länder ab: Unfähige politische Klasse, hohe Geburtenrate, Unterentwicklung und Armut. Mali ist dazu ein koloniales Konstrukt, das Probleme hat, eine ureigene Identität zu finden. In diesem Vakuum agieren Islamisten.

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